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19. März 2007
Politiker aktiv fortbilden Mit Mixminion-Protestmails gegen die VorratsdatenspeicherungEines der großen Probleme im Verhältnis zwischen Politik und Internet: Zahlreiche Entscheidungsträger haben, vorsichtig ausgedrückt, Kompetenzlücken bezüglich der Themen, über die sie entscheiden. So auch im Fall der parteienübergreifend geforderten Vorratsdatenspeicherung zur Überwachung der Internetkommunikation. Einen interessanten Ansatz, wie man hier den zuständigen Abgeordneten aktiv ein wenig technischen Sachverstand beibringen kann, zeigt Christian Cornelssen. Der Sachverhalt ist an sich einfach zu verstehen: Die geplante Vorratsdatenspeicherung stellt alle Internetnutzer unter Generalverdacht und schränkt den Schutz ihrer persönlichen Daten massiv ein. Darüber hinaus werden sie leicht ausspäh- und profilierbar. Die Gruppen, gegen die sich die Maßnahme richtet, können sich mit vielen Mitteln eben dieser Überwachung entziehen, was die ganze Maßnahme zur Farce macht. Das Problem: Entscheidungsträger, die schlicht inkompetent sind und dies nicht nachvollziehen können - aktuell tut sich Michael Glos mit seinem CeBIT-Statement hervor: "Das Handy bedienen, das ist schon viel. Äh, ich hab Gott sei Dank Leute, die für mich das Internet bedienen. Und ich hab sehr talentierte Kinder auf dem Gebiet, die werden mich da schon noch ein Stück einweisen." Wie bringt man solchen Leuten das Prinzip Anonymisierung nahe? Christian Cornelssen stellt einen interessanten Ansatz vor, der möglicherweise noch mehr zum Nachdenken anregt als beispielsweise die Briefe gegen Datenspeicherung: "Eine unliebsame Konsequenz der Vorratsdatenspeicherung von Kommunikations-Verbindungsdaten ist das notwendige Streben jeder datenschutzbewussten Person nach Verschleierung ihrer Kommunikationsverbindungen. Dazu gehört auch die durchgängige Verwendung von Zwiebelroutern wie TOR und Remailer-Ketten wie Mixminion. Es ist durchaus angebracht, Politikern diese Konsequenz hautnah zu demonstrieren, indem man sie via Remailer anschreibt. Da die Antworten von Politikern gewöhnlich verzichtbar sind, schadet es nicht, dass die Verwendung von Remailer-Netzwerken den Aufwand der Angeschriebenen zum Versenden einer Antwort deutlich erhöht. Im Gegenteil, das ist die Konsequenz, die sie spüren sollen. Deswegen wünsche ich mir, dass noch viel mehr Leute via Mixminion an das Justiz- und das Innenministerium sowie an ihre Volksvertreter schreiben." Was wie eine hervorragende Idee klingt: denn nicht nur wird dem Empfänger vorgeführt, wie ein kompetenter Umgang mit Anonymisierungs- und Signierungstechnik aussieht, sondern auch, dass die geplanten Technologien diese nicht aushebeln bzw. überwachen können. Noch schöner: geht der Empfänger den einfachen Weg und antwortet direkt, wird ihm die schöne neue Überwachungswelt gleich anschaulich klar gemacht. Ein Auszug aus dem Musterbrief: "Sie koennen natuerlich auch meine direkte E-Mail-Adresse aus Ihren Archiven kramen und diese verwenden. Allerdings erzeugen Sie damit in den gespeicherten Verbindungsdaten ein ganz verdaechtiges Bild: Sie schreiben mir, aber ich nicht Ihnen. Wenn das nun oefters vorkommt? Sie wollen keinen falschen Eindruck entstehen lassen, nicht wahr? Sehen Sie, ueber solche Dinge muss man bei einer VDS schon nachdenken. Ihre Freiheit, mir auf die gewohnte, herkoemmliche Weise zu antworten, ist nunmehr eingeschraenkt, nicht technisch, aber psychisch." Nebenbei hat man mit Mixminion einen Remailer kennen gelernt, der einem in der zukünftigen Orwellgesellschaft durchaus von Nutzen sein könnte. Verwandte News
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