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15. September 2006
Piratbyran auf der WOS Filesharing als Mittel des Zivilen UngehorsamsRasmus Fleischer ist Mitglied des schwedischen Piratenbüros Piratebyran. Filesharing als Methode zivilen Ungehorsams, der Copyrightverstoß als Kunstform und die Rolle von Piratebyran in der schwedischen Piratenbewegung waren Thema seines Vortrags auf der Wizards of Os 4 in Berlin. Die Transformation von Filesharing in eine soziale Bewegung ist eines der Ziele, die das schwedische Piratenbüro Piratbyran verfolgt. Mit einem Selbstverständnis als künstlerischer Thinktank, der mitnichten beispielsweise Verbraucherinteressen vertreten möchte, machen sich die Aktivisten daran, Grauzonen im Copyright möglichst breit zu machen, welche Rechteverwerter möglichst als Schwarzweiss-Schema mit klar abgegrenzten Trennlinien etabliert wissen wollen. Diese zeigt sich in vielfältiger Form, ein besonderes Interesse gilt ihrem Wandel und der Begriffe, die mit ihr verbunden wird. So führt nach Fleischer ein restriktives Vorgehen gegen Filesharing nicht zu weniger Piraterie, sondern zu "weniger Pluralismus in der Piraterie" - eine Bezeichnung, die Fleischer durchaus im Sinn der kulturellen Verarmung einer Gesellschaft verwendet. Eine solche Verarmung würde stattfinden, wenn beispielsweise weniger Daten über das Netz übertragen werden und stattdessen wieder mehr gebrannt und weiterverteilt wird. Mit Interesse verfolgt die Gruppe die Verwendung von Begriffen und amüsiert sich über das permanente Vermeiden des Begriffs des "Download" bei der Medienindustrie - stattdessen werde viel von Streaming, Ausstrahlung oder Sendung gesprochen, was per se dasselbe bedeute, sich aber allenfalls über die empfangende Software unterscheidet. Der Prozess - Daten landen per Download auf der Platte eines Rechners - sei indessen immer derselbe. Trotz des öffentlichen Bekenntnis zu einem nicht vorhandenen Interesse an Politik und der organisatorischen Trennung von der schwedischen Piratenpartei sowie dem Torrenttracker The Pirate Bay beobachtet die Gruppe die dort ablaufenden Prozesse natürlich genau. Mit Befriedigung wird beispielsweise aufgenommen, dass zahlreiche Politiker unterschiedlichster Couleur in Schweden nun filesharingfreundliche Copyrightreformen fordern, nachdem sie vor einiger Zeit noch Verschärfungen entsprechender Gesetze fordern. Mit Interesse verfolgt die Gruppe weiterhin die Aufarbeitung der umstrittenen Vorgehensweise staatlicher Stellen gegen TPB, deren Hintergründe offengelegt werden sollen. 700 Emails, The Pirate Bay betreffend, die zwischen staatlichen Institutionen Schwedens und der USA ausgetauscht wurden, warten indessen noch immer auf ihre Publizierung. Auch in der politischen Debatte ist Piratbyran durchaus involviert, auch wenn man sich eher als Kunstprojekt verstehen möchte. Die Kritik am Begriff und der Definition des "Autors" habe beispielsweise eine Rolle dabei gespielt, dass die Diskussion um eine "Filesharing-Flatrate" in Schweden momentan wieder von der politischen Tagesordnung verschwand. Die Pauschalabgabe, die in Deutschland beispielsweise von FairSharing eingefordert wird und mit der Filesharing entkriminalisiert und Urheber entlohnt würden, steht in Schweden laut Fleischer momentan nicht mehr auf der politischen Agenda. Ob sich das Projekt mit dieser Haltung nur Freunde macht, ist durchaus zweifelhaft. Dem eigenen Ziel - Grauzonen der gesellschaftlichen Relevanz des Copyrights möglichst weit zu halten und keine finalen Lösungen anzubieten - wird Piratebyran mit dieser Vorgehensweise jedenfalls völlig gerecht. Verwandte News
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