gulli: Phrack stellt das Erscheinen ein
16. Februar 2005

Phrack stellt das Erscheinen ein

Letzter Call for Papers des großen Hackermagazins

Phrack
Phrack#62

Phrack riefen Ende Januar auf der Bugtraq - Mailingliste zum letzten Call for Papers für das letzte erscheinende Phrack - Magazin auf. Die Abstände zwischen den Erscheinungsterminen der letzten Ausgaben sind immens angewachsen - angesichts dessen, dass sich 2600.com ein vierteljährliches Erscheinen gönnt, kommt diese Ankündigung dennoch überraschend, und manch einer wird sie nicht einmal wahrgenommen haben, sondern die Überschrift als "letzten Aufruf" zum Call for Papers der Ausgabe 63 interpretiert haben. Mit Phrack geht ein Hackermagazin, das Ende des Jahres das zwanzigjährige Bestehen hätte feiern können. Ihre eigenen Worte ersparen es, sich passende Formulierungen für ihr Ende zu ersinnen: "...a glorious era comes to an end." Konkret: im Juni 2005, auf den das Erscheinen der #63 angesetzt ist.

Am 17.11.1985 erschien die erste Ausgabe von Phrack - auf einer US - Mailbox mit 300 und 1200 Baud Anbindung. Begonnen hatte Phrack damals mit Phreaking, Cracking und "Anarchie" - Schusswaffen, Tod und Zerstörung, wie die damaligen Gründer letztere deuteten. Der Schwerpunkt lag zum Beginn hauptsächlich beim Phreaking, welches dem Mag den Namen gab: Methoden, das Telefonsystem zu manipulieren - für die damalige Zeit ein durchaus praktischer Ansatz, ohne gigantische Telefonrechnungen auch an entferntere Mailboxen und Rechnersysteme zu kommen. Doch auch schon in der ersten Ausgabe erkannte man Gemeinsamkeiten zu anderen Hackermagazinen - man beschäftigte sich auch mit auf den ersten Blick etwas abwegigeren Themen wie dem Knacken von Schlössern, was beispielsweise der CCC bis heute ebenfalls kultiviert.Phrack wurde erwachsener, das Themenspektrum rechner- und netzwerklastiger. Sicherheit im Internet, Verwundbarkeiten verschiedener Systeme bis hin zu sehr abstrakt werdenden Essays über Netzwerksicherheit oder das Erkennen von Angriffen verdrängten Themen wie Bombenbau und Faustkampf. Bereits 1986 schrieb The Mentor für Phrack das Hackers Manifesto - weniger verbreitet als die Hackerethik, nicht weniger lesenswert.

Phrack erschien insgesamt zwei mal nicht nur im Internet, sondern auch noch als Hardcover. Die #63 wird ebenfalls wieder als Hardcover erscheinen. Gründe für ihr Aufhören sollen in dieser Ausgabe bekanntgegeben werden. Phrack verspricht, die Seite noch mindestens zwei Jahre nach dem Erscheinen der letzten Ausgabe am Netz zu lassen.

Phrack bieten auf ihrer Homepage noch die letzte Gelegenheit zu ihrer Verhaftung an: auf der Cybersecurity-Konferenz in Indonesien im März diesen Jahres.

"You may stop this individual, but you can't stop us all... after all, we're all alike." Traurig, dass sie aufhören, aber schön, dass sie nie gestoppt wurden. Und andere werden weitermachen.

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