Nach Ansicht des Vatikans hält sich Gott bekannterweise einen irdischen Stellvertreter, um seine Botschaften der Menschheit zu vermitteln. Und von Göttern wiederum ist bekannt, dass sie ein vitales Interesse daran haben, ihre Botschaften weit verbreitet zu wissen: drohen den Unwissenden ja gräßliche Höllenqualen. Der Vatikan ist anderer Ansicht: die göttlich inspirierten Botschaften, die der Papst der Menschheit gelegentlich zu vermitteln geruht, fallen unter das Copyright des Vatikans, wer sein Teil dazu beitragen will, die christliche Welt über die neuesten Ansichten Gottes zu unterrichten, solle dafür doch bitte Lizenzgebühren abführen.
Alle päpstlichen Worte, die diversen Enzyklien inbegriffen, unterliegen nach einer nun verabschiedeten Bestimmung dem Copyright des offiziellen Verlags des Vatikans, der Libreria Editrice Vaticana. Konsequenterweise stellte man einem mailändischen Verlagshaus eine Rechnung in Höhe von 15.000 Euro zu: Lizenzgebühren für 30 Zeilen der Ratzingeransprache an die Konklave, die ihn zum Papst wählte und einen Auszug aus seiner Antrittsrede. Im Preis inbegriffen: 3.500 Euro Auslagen für rechtliche Maßnahmen.
Unter die Bestimmung fallen rückwirkend die Publikationen und Reden sämtlicher Päpste der letzten 50 Jahre. Fällig werden zwischen 3 und 5% des Endpreises der Publikation, bei Verstößen die im Mailänder Fall zugrundegelegten 15%. Die Kritik wird indessen laut, mit der Bestimmung würde das päpstliche Wort zum "verkäuflichen merchandising", die Vereinigung der Italienischen katholischen Verleger und Buchhändler sieht das Verdikt als Angriff auf ihre zentrale Tätigkeit an: das Papstwort in der Welt zu verbreiten.
Ein Sprecher des Vatikans hingegen bezeichnete die Maßnahme als notwendigen Schritt gegen die Verbreitung von "Piratenausgaben" und verfrühter Herausgabe päpstlicher Schriften. Prereleases der neuesten Ansichten Gottes könnten mit Hilfe der neuen Regelung juristisch belangt werden.
Bedenklich nur: schon Hollywood und die Musikindustrie hat mit ähnlich verqueren Maßnahmen die Verbreitung diverser Medien tendenziell eher noch unterstützt als eingedämmt. Steht nun zu befürchten, dass man beim Eselanwerfen mit Ratzingerenzyklien zugespammt wird?
| 13 Reaktionen aus dem gulli:Board |
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:erloeser: am 23.01.2006 14:10:35: |
Dixon Hill am 23.01.2006 22:55:15: |
The Sicilian am 25.01.2006 05:29:43: |