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09. Juni 2005

P2P Neue Desinformationskampagne von Childnet

Elternleitfaden von zweifelhafter Qualität

Die Eltern im Visier hat die "Aufklärungskampagne" Young People, Music and the Internet, und verbreitet in vier Sprachen ein spannendes Mischmasch von Halbwissen über Tauschbörsen. Der Generalverdacht, den die Musik- und Filmwirtschaft ihren Kunden entgegenbringt, solle doch bitte auch von Eltern gegenüber ihren Kindern gepflegt werden. Diese würden nämlich massenweise Musik aus Tauschbörsen laden und dabei mit Viren, Spyware und - natürlich - Pornografie und Gewalt belästigt. Diese komme perfiderweise gar unter falschen Dateinamen auf die Platte, selbst unter der Bezeichnung "Pokemon" würde der Kinderseele bisweilen der letzte Hardcoreporno untergeschoben.

Das "größte Risiko" seien Pornografie und Gewalt in Tauschbörsen, und auch vor dem bösen Onkel wird gewarnt, der die Kinder verführen könne - schließlich seien die meisten P2P - Tools ja mit Chatmöglichkeiten versehen. Und auch die Virengefahr, die mit der P2P - Nutzung entstehe, wird mit dem Pornoschreckgespenst illustriert: wenn entsprechende Malware heruntergeladen wird, könnte der Familien-PC - Schreck lass nach - zum Verbreiten von Pornografie verwendet werden. Studien gemäß seien 50% aller Dateien in Tauschbörsen viren- oder trojanerverseucht. Zugegeben: bei KaZaA mag das stimmen.

Und natürlich könne man Musik "sicher und sauber" herunterladen - den einzelnen Track für "weniger Geld, wie eine Busfahrkarte für Erwachsene koste", ein spannender Preisvergleich. Den Track könne man dann ein Leben lang behalten - ob man die üblicherweise DRM-verseuchte Musikdatei jedoch auch ein Leben lang abspielen kann, wird nicht erwähnt.

Die Klage von den armen Künstlern, die sich ihren Lebensunterhalt nicht mehr verdienen können, durfte zu guter Letzt natürlich auch nicht fehlen - während die Zugewinne durch Leermedienabgaben und Pauaschalvergütungen die angeblich durch Tauschbörsen entstehenden Verluste übersteigen. Ganz ungut natürlich auch, wenn selbst eine wirtschaftsfreundliche Organisation wie die OECD feststellt, dass die Tauschbörsen keine negativen Folgen auf die Industrie hätten...

Alles in allem: ein nettes Stück Desinformation, welches aber durchaus eine Existenzberechtigung hat und vor allem nicht gar so dumm daherkommt wie die meisten der unsäglichen Raubkopierer- und Raubkopiererinnen - Kampagnen. Denn immerhin lernt man: wer aktuelle Virenscanner einsetze, könne sich vor gefährlichen Dateien aus Tauschbörsen schützen; wer nicht allzu volle Shared - Folder hat, läuft wenig Gefahr, eines der nächsten Exempel zu werden, die die Verwerter bisweilen statuieren; zuletzt ist auch der Hinweis auf die zahlreichen spyware-verseuchten Varianten von P2P - Software durchaus von Nutzen. Ergänzend daher: es gibt eine ganze Reihe von Open-Source-Clients, die ad- und spywarefrei daherkommen, eMule, BitTorrent, Azureus - liebe Eltern, achtet darauf, solche zu verwenden. Seiten, die ad- und spywareverseuchte Clients vertreiben, sind bei p2pforums gelistet: von dort nichts runterladen. Und immer dran denken, welche Ordner man freigibt. Auch wenn die Steuererklärung vermutlich keine 60 Millionen User amüsieren würde. Childcare behauptet zwar sowas, aber das ist ironische Übertreibung.

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