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17. Januar 2006

Olympia schafft die Pressefreiheit ab

Wortzensur in Großbritannien in der Kritik

Spricht man von Rede- und Pressefreiheit bzw. ihrem Fehlen, denkt man allzugerne an totalitäre Regimes wie China oder religiös-fundamentalistische Staaten. Das Abschaffen fundamentaler Rechte bekommt aber auch der "aufgeklärte" Westen problemlos hin: wenn entsprechend viel Geld im Spiel ist. Und die geplante Wortzensur und Beschneidungen der Rede- und Pressefreiheit in Großbritannien steht kurz vor der Verabschiedung, im Oberhaus steht für Ende Januar noch eine Diskussion des Entwurfs an.

Nach Inkrafttreten wird die Redefreiheit in einem westlichen Land auf bisher noch nicht gekannte Weise eingeschränkt: zugunsten der Vermarktungsinteressen der Sponsoren des Sportfestivals, benannt nach einem Berg in Griechenland, welches 12 Jahre nach 2000 in Großbritanniens Hauptstadt stattfinden wird.

So sieht das textliche Ergebnis aus, wenn man sich an die von den Sponsoren geforderten Redebeschränkungen hält: denn wenn dieser Artikel in sechs Jahren nicht ebenfalls illegal in Großbritannien werden soll, ist das Vermeiden der Begriffe "Olympia", "2012", "London" und eine ganze Reihe mehr Worte angebracht.

Als völlig im Ziel verfehlt ordnen nun einige Mitglieder des Oberhauses den zur Debatte stehenden Entwurf ein. Die Einschnitte in die Pressefreiheit, letzten Endes kontrolliert von einem olympischen Kommitee, sei kaum hinnehmbar. Die Medienberichterstattung würde mit dem Gesetz dem Wohlwollen des London Organising Committee of the Olympic Games ausgeliefert: diese hätten die Entscheidungsbefugnis darüber, was ein "notwendiger" Bericht über die Spiele und damit von den Zensurmaßnahmen ausgenommen sei.

Neben der panischen Angst vor Trittbrettfahrern auf dem Werbemarkt habe man reale Probleme vollkommen aus dem Blickfeld verloren: die Kritik aus dem Oberhaus konstatierte, vor lauter Schutz der Interessen von Werbepartnern der olympischen Spiele habe man beispielsweise völlig vergessen, sich um die Reglementierung und Überwachung von Sportwetten zukümmern, welche, wie jüngst beobachtet, eine Bedrohung für die Integrität des Sports darstellen.
Alles doch nicht so schlimm, so ein Kommentar im The Lawyer. So sei die Verwendung der inkriminierten Begriffe außerhalb von Olympiakontexten doch erlaubt: kein Verstoß läge beispielsweise vor, wenn das Auktionshaus Sotheby's eine "griechische Bronzestatue" für 2012 (!) Pfund anbiete.

So viel der Zugeständnisse an die Redefreiheit machen einen in der Tat sprachlos vor dem Großmut des olympischen Geists. Und läßt begreifen, warum diejenigen geschützt werden müssen, die diesem Geist den belebenden Odem des Geldes einhauchen. Denn "die London Olympics Bill ist eine realistische und angemessene Antwort auf das anwachsende Problem versteckter Werbung. Wenn wir spektakuläre Spiele wollen, müssen wir die Hand schützen, die sie füttert", so der Kommentar im Lawyer.

  • 11 Kommentare zum Artikel
  • Boa das lernt man doch im 1. Semester: Stiftung Warentest gibt keine Tatsachenberichte ab sondern nur Bewertungen und können deshalb nicht verklagt werden!

    Salomon am 18.01.2006 02:48
  • http://www.heise.de/newsticker/meldung/57564 Die (natürlich Mobilfunk) konnten sich sogar das Zeichen eines Elementes (JaJa, eines Moleküls, aber Sauerstoff kommt halt immer in Paarbindung vor) schützen lassen, und mahnten einen Hersteller für Medizinbedarf ab. Das Patente auf Gen-Sequenzen angemeldet werden können hat bisher auch nur die üblichen Verdächtigen gestört. Und die werden auch bald mundtot gemacht.

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