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26. Oktober 2005

Österreichische Big Brother Awards 2005 verliehen

Antipreise für Datenschnüffler...

...und einer der seltenen Positivpreise verliehen gestern die Juroren der österreichischen Big Brother Awards. Das als einziger Kandidat für einen Positivpreis nominierte EU-Parlament wurde für sein Engagement für Bürgerinteressen auch gegen die massive Lobbyarbeit durch die Wirtschaft und dem Druck durch die EU-Kommission ausgezeichnet. Und das war es an sich schon mit den guten Nachrichten.

Gläserne Patienten gibt es demnächst auch in Österreich, für das effiziente Durchleuchten von Kranken wurde die Gesundheitsministerin Rauch-Kallat mit dem Politikpreis geehrt. Mit der neuen Vorsorgeuntersuchung wurden Ärzte dazu verpflichtet, Untersuchungsergebnisse mit problematischen persönlichen Details wie beispielsweise dem Alkoholkonsum, Sexualverhalten oder psychiatrischen Diagnosen an die Sozialversicherungen weiterzuleiten. Den Preis für das "Lebenswerk" im Sinne der Datenschnüffler ging an das österreichische Melderegister, die als die "böse Mutter aller personenbezogenen Datenbanken" tituliert wurde.

Für verstärkte Videoüberwachung der Fahrgäste wurden die Wiener Linien mit dem Big Brother - Publikumspreis geehrt. Als datenhungrigste Behörde wurden die österreichischen Richter mit einem Preis gewürdigt: sie schafften es, bei der Rufdatenerfassung binnen zweier Jahre eine 438-prozentige Steigerung hinzulegen, die Zahl der abgehörten Telefonanschlüsse stieg um 68%. Die Jury begründete die Würdigung unter anderm mit der Praxis, dass bei Abhörwünschen der Ermittler "mehr oder weniger Blanko-Unterschriften" unter die Abhöranträge gesetzt werden.

Im Bereich Kommunikation konnte sich Blizzard Entertainment mit der Userbespitzelung im Spiel World of Warcraft gegen die Dataminer von Google durchsetzen.

Die Reinigungsfirma ASSA konnte den Business- und Finanzen - Award einheimsen: für die biometrische Erfassung ihrer Reinigungskräfte, deren Anwesenheit an den Arbeitsplätzen per Fingerabdruck - Sensor überprüft wird und von denen der Arbeitgeber DNA - Proben entnimmt.

Unter den Nominierten, an denen der Preis haarscharf vorbeischrammte, befand sich unter anderem noch das Priesterseminar St. Pölten, welches die Webnutzung der Priesteranwärter mittels Fingerabdrucksensor überprüft. Das wegen Sex- und Pädophilieskandalen in Verruf geratene Seminar der katholischen Kirche will damit den Besuch "unkeuscher" Seiten verhindern.

  • 2 Kommentare zum Artikel
  • Antipreise für Datenschnüffler... ...und einer der seltenen Positivpreise verliehen gestern die Juroren der österreichischen Big Brother Awards. Das als einziger Kandidat für einen Positivpreis nominierte EU-Parlament wurde für sein Engagement für Bürgerinteressen auch gegen die massive Lobbyarbeit durch die Wirtschaft und dem Druck durch die EU-Kommission ausgezeichnet. Und das war es an sich schon mit den guten Nachrichten. Gläserne ...

    gullinews am 26.10.2005 12:12
  • Das ist ja fast so genial wie der Award der sinnlosesten Erfindungen, der auch vor kurzen war. Mit einem automatisch wegrollendem Wecker als Headliner Aber mich wundert, dass das deutsche Statistik-Amt so verschont geblieben ist. Wenn man sich mal so ansieht, was die so alles wissen wollen. Naja, immerhin is das dann alles geschäftlich und geht net in die privaten Angelegenheiten mit rein.

    ~Crispy~ am 26.10.2005 12:32
  • Zitat: Zitat von ~Crispy~ Aber mich wundert, dass das deutsche Statistik-Amt so verschont geblieben ist. für die deutschen ist erst am 28.10. verleihung.

    berndy2001 am 27.10.2005 09:29
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