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05. Juli 2005

Nutzer eines offenen WLans in USA verhaftet

Man lernt von Paderborn

Offene WLans sind böse, wird in letzter Zeit vermehrt suggeriert. Sie seien nicht etwa ein kostenloser Dienst, den man nach Belieben freiwillig anbieten darf, sondern Brutstätte von (natürlich wieder) Kinderpornografie, Stalkern, Kriminellen und Computersaboteuren. Und wer einen offenen Hotspot nutzt, kann daher natürlich verhaftet werden. Schließlich könnte er ja etwas schlimmes tun.

Auch in Deutschland kann man bisweilen einfach verhaftet werden, wenn man einen offenen Hotspot nutzt. Wohlgemerkt: ohne eine Verschlüsselung zu brechen oder eine Mac-Adresse zu spoofen. Dasselbe ist nun in den USA passiert. Nachdem WLan- Betreiber Richard Dinon wiederholt einen Mann im Auto beobachtet hatte, der am Laptop arbeitete und diesen zuklappte, wenn er sich näherte, verständigte er die Polizei. Jener gegenüber gab Dinon klar an, keinerlei Maßnahmen getroffen zu haben, um sein WLan gegen die Nutzung durch Dritte abzusichern. Die Polizisten rieten Dinon nun nicht, eben sein Funknetz abzudichten, wenn er andere von der Nutzung abhalten wollte, sondern verhafteten den Mann im Auto.

Erschreckend ist die folgende Berichterstattung in der St.Petersburg Times. Dies beginnt mit der Aussage der Polizei, der angezeigte Benjamin Smith habe sich mit seinem Laptop in Dinons Netz "gehackt" - als wie wenn man sich in ein offenes Netz "hacken" könnte: man meldet sich an und surft drauflos, genau das ist der Sinn eines offenen WLans.

Es geht weiter mit allerlei Kontemplationen über die Gefahren der offenen WLans: Kreditkartendaten könten gestohlen, Drohmails verschickt werden und weil das alles nicht schlimm genug ist, muss noch die unvermeidliche Keule kommen: natürlich könnte der Mitsurfer auch Kinderpornos herunterladen. Wer einen offenen Hotspot betreibt, ist vor allen Dingen mal eines: ein potentielles Opfer. Entsprechend wird der aktuelle Trend zu offenen Hotspots dargestellt, die mehr und mehr Kommunen und Einrichtungen in den USA betreiben: die "dunkle Seite " der Technik dräue schon am Horizont, da sie - Schreck laß nach, darf so etwas sein - "nahezu anonymes" Websurfen erlaube.

Zuletzt fragt Randy Cohen, Kolunmist der New York Times die Sprecherin des ISP Bright House Networks, Kena Lewis, ob es in Ordnung sei, wenn man das offene WLan des Nachbarn mitbenutze. Die Antwort war, dies sei Diebstahl: Nur weil ein Verbrechen nicht bemerkt würde, höre es dennoch nicht auf, eines zu sein. Die Begründung für diese Ansicht ist an Absurdität kaum mehr zu überbieten: man schädige den Serviceprovider, der nur einer Person einen WLan-Zugang verkauft hatte, der nun aber von mehreren genutzt werde.

Indessen bleibt das Nutzen offener Hotspots in Deutschland noch durchaus verbreitet: auf dem letzten Linuxtag trafen sich die Wardriver und auch die freien Bürgernetze bleiben hierzulande im Gespräch.

Mit etwas Glück spricht es sich vielleicht auch wieder bis ins "Land of the Free" herum, dass es von Wichtigkeit ist, anonyme Websurfmöglichkeiten zu haben. Und dass das gemeinsame Nutzen von Technik nun alles andere als verboten ist.
Wenngleich restriktive Entwicklungen in den USA die schlechte Angewohnheit haben, binnen kurzer Zeit über den Atlantik zu schwappen.

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