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28. Januar 2008

NSA US-Geheimdienst darf andere US-Dienste ausschnüffeln

Die "No Such Agency" NSA hat mit einer neuen Bush-Direktive die Vollmacht erhalten, die Netzwerke anderer Bundesbehörden zu überwachen. Dass die Überwacher sich nun gegenseitig überwachen, hat einen naheliegenden Grund: die angebliche Zunahme von Cyber-Attacken auf US-Dienste und -Behörden. Der Lauschangriff zweiter Ordnung soll Angreifer identifizieren und effizienter abwehren. Das gegenseitige Beschnüffeln mag Außenstehenden lächerlich scheinen, indessen fordern Hardliner längst, die NSA-Befugnisse auch auf Wirtschaft und Industrie im Inland auszuweiten.

Als Auslandsgeheimdienst hat die NSA in den inländischen Netzen der USA an sich wenig verloren - da jedoch kritische Infrastruktur durch Cyber-Attacken gefährdet sei, soll deren Absicherung nun in die Hände der Lauschexperten gelegt werden, weiß die Washington Post. Und so falsch liegt Bush mit der Einschätzung der Lage beispielsweise bei FBI und Konsorten nicht: schon einige Male wurden den Feds eklatante Sicherheitslücken ihrer IT-Systeme nachgewiesen.

Mit der NSA sollen nun die Schlapphüte die Infrastruktur zahlreicher Bundesbehörden überwachen und so Angriffe erkennen und nach Möglichkeit verhindern. Darüber hinaus ist eine Zusammenlegung der über 2000 Web-Plattformen von US-Behörden geplant - nur noch 50 Portale sollen irgendwann die Dienste anbieten, die aktuell noch von einem Vielfachen der Sites ausgeliefert werden. Dadurch sollen Angriffspunkte wegfallen und die Absicherung einfacher werden.

Nicht alle sind begeistert vom sich in den Schwanz beißenden Hund der US-Überwachungssysteme: schließlich sei die NSA eine kaum kontrollierbare, intransparente Organisation, der man nicht nun auch noch den unkontrollierten Einblick in die Datenströme anderer Bundesbehörden auf dem Silbertablett präsentieren müsse. Dass ein FBI-Rechner eine Datentransmission auf einen unbekannten Server in China starte, könne man auch ohne Inhaltsanalyse der Daten herausfinden, so die Kritiker. Hardliner indessen sind selbstredend anderer Ansicht: Welche Daten übermittelt und welche Inhalte angegriffen werden, sei natürlich wichtige Information, will man sich wirkungsvoll verteidigen.

Im Gegenteil gingen die Maßnahmen nicht weit genug: 90% aller Angriffe ausländischer "Cyberterroristen" würden Zielen aus Industrie und Wirtschaft gelten. Der NSA-Zugriff auf die Netze von Bundesbehörden sei ein Tropfen auf den heißen Stein, notwendig sei auch der Zugriff auf IT-Infrastruktur sensibler Wirtschaftszweige - Banken, Versorgungsnetze, Atomkraftwerke und so weiter.

Sichere Netze - kaum jemand hat etwas dagegen. Das eigentliche Zeichen der Maßnahme ist indessen ein anderes: üblicherweise aus gutem Grund im Ausland operierende Institutionen werden im Inland eingesetzt. Und ähnlich wie bei der unseligen Debatte um Bundeswehreinsätze in der BRD droht auch hier eine Übernahme von Polizeiarbeit durch unkontrollierbare Institutionen. Denn die Leitungen des FBI werden bekanntermaßen nicht nur für Spionage durch chinesische Hacker genutzt: es heißt, dass die Bundespolizei sie auch für vollkommen gewöhnliche Ermittlungsmaßnahmen gegen US-Bürger verwenden soll. Der NSA sei viel Spass beim Lesen gewünscht.

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