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29. November 2005
Noch mehr Biometrie und Überwachung in der EUPässe mit RFID - Chips, Schengen wird aufgebohrt Nur die Reisepässe würden in Deutschland zunächst mit den umstrittenen biometrischen Merkmalen des Besitzers ausgestattet, um Fälschungen zu erschweren und den "Krieg gegen den Terror" auf nach wie vor nicht bekannte Weise zu unterstützen. Erwartungsgemäß wird die Regelung nun auch auf die normalen Pässe ausgeweitet, eine entsprechende "Entscheidung" wird Anfang Dezember im EU-Rat aller Voraussicht nach fallen. Diese ist anders als eine EU-Richtlinie nicht verbindlich und muß nicht in nationales Recht überführt werden, stellt jedoch die Weichen für eine entsprechende Gesetzgebung. Einen Vorgeschmack bietet Österreich: dort wurde nun beschlossen, ab Frühsommer 2006 auch die Personalausweise mit den umstrittenen Daten, gespeichert in RFID - Chips, auszustatten. Sowohl im Fall der Biometriepässe als auch Schengen 2 wurde das EU-Parlament geschickt umgangen: selbiges hatte sich in jüngster Zeit durch erfreuliche Bürgernähe ausgezeichnet und unter anderem die umstrittenen Softwarepatente in der EU vorläufig gestoppt sowie die Pläne von EU-Rat und -Kommission zur Speicherpflicht von Verbindungsdaten durch Telefon- und Internetprovider deutlich entschärft. Ein demokratisches Mitspracherecht der europäischen Volksvertreter muss in Bezug auf die kommenden Kontrollmaßnahmen damit leider weitgehend ausfallen. Auch die Bedenken von Experten und Datenschützern werden nach wie vor ignoriert. Wiederholt warnte der CCC vor der unausgereiften Technik, die Fehlerquoten von bis zu 2% beim Abgleich der Biometriedaten mit dem Passbesitzer würden einerseits zum Chaos bei Passkontrollen führen, ein Nutzen des Datenspeicherwahns sei bislang nie schlüssig belegt worden. Selbst die für ihre Liebe zur Datenschnüffelei und Überwachung berüchtigte britische Regierung musste vor kurzem zugeben, die Maßnahmen würden mitnichten die Probleme lösen, für die sie gedacht seien. Dennoch hält man es weiter mit Schily, der Kritik an den Biometrieplänen schlicht als "Angstmacherei" abkanzelte, Gründe für den Kontrollwahn jedoch ebenso schuldig blieb wie die jetzigen Verfechter der Bürgererfassung. Von deutscher Seite ist mit wenig Widerspruch zu den Plänen von EU-Rat bzw. Kommission zu rechnen: bereits im Fall der Forderung zur Verbindungsdatenspeicherung durch Telekommunikationsprovider hat die neugewählte Koalition durchblicken lassen, dass Datenschutz und -sparsamkeit heuzutage offenbar keine Rolle mehr spielen. Auch die Kostenfrage taucht in der Debatte nicht mehr auf: in Österreich werden 69 Euro pro Pass veranschlagt, dass die bessere Erfassung der Bürger durch Grenzschutz, Geheimdienste und Polizei hingegen weit teurer zu kosten kommt, ist schon lange bekannt. Um die 450 Euro pro Ausweispapier werden veranschlagt. Der Nutzen: mehr als zweifelhaft. Verwandte News
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