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31. August 2006

New York Times filtert sich freiwillig

In Großbritannien konnte ein Artikel der New York Times letzten Montag nicht abgerufen werden: die britischen IPs wurden von der NYT freiwillig ausgesperrt. Die Publikation des Texts würde gegen britisches Recht verstoßen, weshalb man diesen Schritt gegangen sei, so die Zeitung. Denkt man die Selbstfilterung konsequent weiter, so ergeben sich einige beunruhigende Konsequenzen.

Details zu einer Gerichtsverhandlung in einem Fall von Terrorismus publizierte die NYT, was in Großbritannien indessen untersagt ist, da die Informationen zu einer Vorverurteilung führen könnten. Die Alternative sei gewesen, den Artikel gar nicht zu publizieren, so die Stellungnahme. Stattdessen wurde ein Dienst wie Geo-IP genutzt, der den Standort des Users anhand der IP zu ermitteln versucht. In der Regel zum landes- und regionalspezifischen Einblenden von Werbung genutzt, wurde der Dienst zum Aussperren aller britischen IP-Adressen verwendet.

Umgehen kann man die freiwillige Selbstfilterung natürlich auf einfachste Art und Weise - Proxys oder Tor sind gängige Möglichkeiten, um Zugriff auf so gesperrte Seiten zu bekommen. Weitergedacht gibt die Vorgehensweise der NYT jedoch durchaus Grund zur Sorge.

Denn viele Inhalte des internet sind in vielen Ländern erlaubt, in anderen verboten. Dass ein bekanntes Medium wie die New York Times dies aktiv berücksichtigt, setzt ein falsches Zeichen. Denn mit derselben Begründung könnte die Internet Movie Database dazu übergehen, deutsche IPs zu blocken, die auf Kritiken von hierzulande beschlagnahmten Filmen zugreifen könnten. Oder könnten westliche Seiten erotischer Art selektiv Inhalte sperren, die in gewissen, stark religiös geprägten Ländern gegen Gesetze verstoßen und so weiter.

Man wolle das Risiko nicht eingehen, möglicherweise vor einem britischen Gericht belangt zu werden. Für welche anderen Länder kann man dieses Risiko bedenkenlos in Kauf nehmen, und für welche Inhalte?

  • 2 Kommentare zum Artikel
  • In Großbritannien konnte ein Artikel der New York Times letzten Montag nicht abgerufen werden: die britischen IPs wurden von der NYT freiwillig ausgesperrt. Die Publikation des Texts würde gegen britisches Recht verstoßen, weshalb man diesen Schritt gegangen sei, so die Zeitung. Denkt man die Selbstfilterung konsequent weiter, so ergeben sich einige beunruhigende Konsequenzen. Details zu einer Gerichtsverhandlung in einem Fall von Terrorismus ...

    gullinews am 31.08.2006 12:28
  • Was ist an diesem Artikel neu? Zitat: Denn mit derselben Begründung könnte die Internet Movie Database dazu übergehen, deutsche IPs zu blocken, die auf Kritiken von hierzulande beschlagnahmten Filmen zugreifen könnten. Oder könnten westliche Seiten erotischer Art selektiv Inhalte sperren, die in gewissen, stark religiös geprägten Ländern gegen Gesetze verstoßen und so weiter. Das war vorher genauso ...

    Greg5000 am 31.08.2006 15:14
  • ich wollte nur anmerken, dass das, was in diesem artikel am beispiel der IMDB angeführt wird, schon längst passiert. möchte man sich z.B. die homepage der fernsehserie "weeds" ansehen, so bekommt man mit einer nicht-amerikanischen ip die fehlermeldung dass die seite nur für den zugriff aus den usa bestimmt sei.

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