gulli: Neue Pr0nfilterpläne aus Utah
28. November 2005

Neue Pr0nfilterpläne aus Utah

Thinktank fordert "pornfreien Port 80"

Der US-Staat Utah ist schon mehrfach durch Webzensur und Prüderie aufgefallen. Nachdem in dort seitens der Provider keine erotischen Inhalte mehr im Netz erreichbar gemacht werden dürfen, macht im Fundi- und Mormonenstaat Utah eine weitere skurrile Initiative von sich reden, die den "Clean Port 80" fordert, mit dem man die Welt beglücken will. Die revolutionäre Idee: es gäbe ja über 65.000 Ports, über welche Netztraffic in den heimischen Rechner gelangt. HTTP läuft in der Regel über Port 80. Könnte man nicht per Gesetz festlegen, dass Porn- und Erotikinhalte, auch wenn sie per HTTP ausgeliefert werden, einen anderen Port verwenden müssen?

Der CP80 - Lobbyist Ralph Thomson wird zitiert mit den Worten, dass die Voraussetzungen zur Realisierung des geplanten Projekts ja "keine Technologie sei, die erst noch entwickelt werden müsse, Software und Hardware stehen zur Verfügung. Es ist nur noch eine Frage der Rechtslage, die angepasst werden muss, um wenigstens einen Teil des Internet frei von Schmutz und Erniedrigung zu bekommen".

Entwicklungsarbeit leistet ein Think Tank namens ThinkAtomic Inc., sein Leiter Ralph Yarro ist pikanterweise bekannt für seine Mitarbeit bei einer gewissen SCO Group. Seiner Ansicht nach würde das "Säubern" des Port 80 beides vereinen: Auf Wunsch, bzw. per clientseitiger Portsperre ein pornfreies Internet, bei gleichzeitiger Gewährung der freien Meinungsäußerung. Was natürlich mit entsprechend empfindlichen Strafen durchgesetzt werden müsse: "Ich glaube nicht, dass wir ohne Hilfe der Rechtsprechung dieses Projekt umsetzen können. Wir brauchen die Strafen, die mit der Nichtbefolgung einhergehen müssen", so Yarro.

Der indessen übersieht, dass seine besten Verbündeten, die christlichen Fundamentalisten in den USA, mit der .xxx - TLD schon einen ähnlichen, technisch sogar ein wenig durchdachteren Plan zuverlässig zu Fall gebracht haben. Bereits im Fall von .xxx wäre die Frage im Raum gestanden, wie man weltweit Hostern, Providern und Anbietern die ausschließliche Nutzung einer solchen TLD vorschreiben kann.

Dennoch, eine hübsche Spinnerei, die aus Utah mal wieder in die Welt hinausgeht, wo man nach dem ersten Lacher gerne mitspinnen möchte. Denn die einschlägigen Seiten mit überwiegend französischen Sexualpraktiken fürderhin über Port 69 auszuliefern, hat durchaus etwas charmantes. Konsequent für Satanisten ist natürlich die Verwendung von Port 666, seltsame Verschwörungstheorieseiten stehen leider vor dem Problem, dass Port 23 schon von SSH verwendet wird. Aber das ist vielleicht wieder ein Fall für ein schönes RFC zum ersten April...

  • 6 Kommentare zum Artikel
  • LOL wie soll das funktionieren? Wie wollen die mich verklagen wenn ich bei mir ein Webserver auf Port 80 aufmache und darüber erotische Bilder sind, die nicht gegen dem deutschen Gesetz verstoße? Oder was wollen die machen,wenn ich das ganze auf einem .co.il/.ee/.kr/.co.jp/.co.tw-Server mache? Oder den Kram einfach via Proxy auf Lycos/Funpic/Beepworld hochschaufel und wenn es gekickt wird (erst muss es gemeldet werden und das dauert ja..), ...

  • Port 69 ist gut!

  • Wen juckt es schon, was irgendein Schwachkopf in Utah vom Stapel laesst In Utah wissen die ja nicht einmal, dass die Welt hinter der Staatsgrenze nicht aufhoert

    Leticron am 29.11.2005 14:46
  • 23:d

    ClemensBW am 30.11.2005 08:00

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