Erst gestern wurde die Netlabel-Szene durch viele neue und gleichzeitig qualitativ hochwertige Veröffentlichungen bereichert. Der polnische Tranceartist Maxus stellte bei den Liquid Skies Records seinen neuen Track Universe online. Seit der gestrigen Ankündigung auf NoError, Bitfellas und Pouet wurde das Stück bisher ganze fünfzehn Mal herunter geladen. Solche Statistiken haben mit viralem Marketing natürlich nichts gemeinsam. "Show us your weak side", die neueste Veröffentlichung vom Netlabel-Giganten Monotonik fand bislang immerhin über 800 Abnehmer. Auch die Net-Alben vom Label Thinner/Autoplate dürften weitaus mehr Fans erfreut haben, seine Miete kann man von den Downloadstatistiken allerdings nicht bezahlen. Das Netz-Album "Urlaub auf Balkonien" bietet beinahe eine Stunde Musik auf höchstem Niveau. Dem Autor Krill hat die Erstellung mit Sicherheit mindestens das zehnfache an Zeit gekostet. Außer erneut mit seinem guten Namen zu werben kann er sich davon aber nichts kaufen. Gesucht werden neue Konzepte für eine gute Promotion. Effektive PR-Arbeit, die nicht gleichzeitig streng nach Kommerz riecht und schmeckt.
Der Kölner DJ, Autor und Journalist Moritz "mo" Sauer beklagte sich noch vor wenigen Tagen auf Phlow.net über die fehlende Verbindung zwischen guter freier Musik und intelligent gemachter Vermarktung eben dieser.
"Wenn es um Arbeit geht, dann halte ich es wie die meisten Künstler und Netlabels: Ich schreibe lieber intensiv Texte als das ich mich um die Vermarktung meiner Produkte kümmere. Kunst ist mir einfach lieber als Marketing. Sie liegt mir näher und ich kann Anbiederung und Sich-Selbst-Verkaufen nicht leiden. Da schwingt immer unterschwellig etwas von Prostitution und schnödem Mammon mit. Ich wünsche mir lieber, wie der Prinz auf der Erbse entdeckt und belohnt zu werden. (...)
Wer morgen noch musizieren möchte, sollte sich heute um die Vermarktung kümmern. Wer nach seinem Studentendasein weiterhin Zeit für sein Netlabel haben möchte, der muss versuchen Geld für Betrieb, Künstler und Ausbau zu verdienen."
Gute Verwertungsmodelle werden dringend gesucht. Kostenlose Musik soll kostenlos bleiben. Wie aber sollen die aktiven Musiker am Ball bleiben wenn sie bis auf ein paar Cents von GoogleAds nie auch nur einen Euro mit ihrem Hobby verdienen können. Jeder noch so idealistische Freak lernt irgendwann die Frau seines Lebens kennen. Und mit dieser möchte er früher oder später sein eigenes „Nest“ bauen, Kinder und teure Wohnungseinrichtung inklusive. Und es ist andererseits sehr schade wenn wirklich talentierte Musiker die "Netlabelei" aufgeben weil sie keine Chance sehen, aus ihrem Hobby einen Job machen zu können. Moritz "mo" Sauer hat das Schlusswort inne:
"Ich weiss heute recht genau, wie man im Internet Aufmerksamkeit erzeugt, wie man sich eine gute Präsenz aufbaut. Das zeigen meine beiden Bücher. Die Antwort, wie man die eigene Website und die eigenen Inhalte zum Lebenserhalt ausbaut, steht dagegen jedoch noch offen im Raum."
| 11 Reaktionen aus dem gulli:Board |
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SimSullen am 19.09.2007 03:33:52: |
Mr.Tea am 19.09.2007 06:30:29: |
synthor am 25.09.2007 17:42:08: |
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