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27. Oktober 2005

Napster bizarre Werbekampagne gesichtet

Abodienst versteht die Musikfans offenbar nicht

"Besitze nichts, habe alles" lautet der Slogan, mit dem Napster offenbar neue Abokunden gewinnen will. Das Geschäft mit der Kaufmusik scheint bei dem wenig glorreichen Nachfolger der Pionier - Tauschbörse mehr und mehr ins Hintertreffen zu geraten. Nun versucht man sich offenbar mit geradezu postmaterialistisch zu nennenden Phrasen bei der Kundschaft interessant zu machen. Napsters Geschäftsmodell wurde von Anfang an mit Skepsis aufgefasst: wer den Abodienst verwendet, hat während der Laufzeit zwar Zugriff auf einen größeren Fundus an Musikstücken, die er - entsprechend DRM-fähigen Player vorausgesetzt - auch mobil abspielen kann. Kündigt man jedoch das Abo, so ist auch die geladene Musik anschließend unbrauchbar. Außer natürlich, man hat extra bezahlt und tatsächlich Tracks erworben.

Napster - KampagneStatt als Not möchte Napster nun wohl das Defizit als Tugend verkaufen - und versucht damit, das stoffliche Ende der Musik endgültig herbeizurufen. Nicht einmal mehr in Datenform soll man in Zukunft besitzen, was man hört, im Gegenteil, das völlige Fehlen irgendeiner physischen Repräsentation der Tracks sei die Zukunft der Musik.

Trotz aktuell wenig berauschender Geschäftszahlen wird Napster seinen Schnitt machen können - sicherlich gibt es Interessenten für diese Art des Musikvertriebs ebenso wie für diese Art der Werbung. Auf der anderen Seite begeht Napster denselben Fehler wie zahlreiche andere Onlineshops: sie unterschätzen durch die Bank den Wunsch eines Fans, von seinen Idolen etwas zu besitzen. Aus diesen Gründen werden nach wie vor die Digipacks gekauft, aus diesen Gründen tut sich der fan schwer mit einem Angebot, welches ihm nicht schlicht ein Stück Kunst in die Hand drückt, welches ihm gehört, sondern eine Datei, die er unter bestimmten Bedingungen auf bestimmten Geräten womöglich noch für begrenzte Zeit nutzen darf.

Aus welchem Grund auch immer noch die Fans die CDs in die Regale oder gar die LP in die Kiste stellen: auch wenn de CD in der Regel nur noch einmal in den Rechner geworfen wird und die Musik anschließend in der Regel von der Platte kommt, weil man sich so den Gang zum Regal ebenso erspart wie das regelmäßige CDs in die Hüllen sortieren.

Diese Käuferschicht wird Napster mit ihrer neuen Kampagne wohl sicher nicht erreichen.

  • Die Rechnung ist total bescheuert. Der Rechner muss schließlich auch laufen, wenn du von Napster ziehst. Außerdem hab ich ne beachtliche MP3-Sammlung auch ohne den Rechner 30 Tage lang 24 Stunden am Stück laufen zu lassen.

    negative_x am 12.12.2005 15:11
  • Ja, da du die Musik aber sofort bekommst und wann immer du sie wo immer haben möchtest (laptop vorausgesetzt) muss dein Rechner wohl keine 24h mehr laufen. Du kannst Sie dir also dann herunterladen, wenn du Sie hören möchtest und musst nicht erst 2 oder 3 Stunden warten, bis Sie ausm Muli sind. Und rein prinzipiell kannst du auf den CD-Kauf verzichten. Ausreichend Unbekannte Künstler gibt es wohl, schade nur, dass imho EMI noch nicht mit ...

    sankari am 12.12.2005 19:05
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