"Besitze nichts, habe alles" lautet der Slogan, mit dem Napster offenbar neue Abokunden gewinnen will. Das Geschäft mit der Kaufmusik scheint bei dem wenig glorreichen Nachfolger der Pionier - Tauschbörse mehr und mehr ins Hintertreffen zu geraten. Nun versucht man sich offenbar mit geradezu postmaterialistisch zu nennenden Phrasen bei der Kundschaft interessant zu machen. Napsters Geschäftsmodell wurde von Anfang an mit Skepsis aufgefasst: wer den Abodienst verwendet, hat während der Laufzeit zwar Zugriff auf einen größeren Fundus an Musikstücken, die er - entsprechend DRM-fähigen Player vorausgesetzt - auch mobil abspielen kann. Kündigt man jedoch das Abo, so ist auch die geladene Musik anschließend unbrauchbar. Außer natürlich, man hat extra bezahlt und tatsächlich Tracks erworben.
Statt als Not möchte Napster nun wohl das Defizit als Tugend verkaufen - und versucht damit, das stoffliche Ende der Musik endgültig herbeizurufen. Nicht einmal mehr in Datenform soll man in Zukunft besitzen, was man hört, im Gegenteil, das völlige Fehlen irgendeiner physischen Repräsentation der Tracks sei die Zukunft der Musik.
Trotz aktuell wenig berauschender Geschäftszahlen wird Napster seinen Schnitt machen können - sicherlich gibt es Interessenten für diese Art des Musikvertriebs ebenso wie für diese Art der Werbung. Auf der anderen Seite begeht Napster denselben Fehler wie zahlreiche andere Onlineshops: sie unterschätzen durch die Bank den Wunsch eines Fans, von seinen Idolen etwas zu besitzen. Aus diesen Gründen werden nach wie vor die Digipacks gekauft, aus diesen Gründen tut sich der fan schwer mit einem Angebot, welches ihm nicht schlicht ein Stück Kunst in die Hand drückt, welches ihm gehört, sondern eine Datei, die er unter bestimmten Bedingungen auf bestimmten Geräten womöglich noch für begrenzte Zeit nutzen darf.
Aus welchem Grund auch immer noch die Fans die CDs in die Regale oder gar die LP in die Kiste stellen: auch wenn de CD in der Regel nur noch einmal in den Rechner geworfen wird und die Musik anschließend in der Regel von der Platte kommt, weil man sich so den Gang zum Regal ebenso erspart wie das regelmäßige CDs in die Hüllen sortieren.
Diese Käuferschicht wird Napster mit ihrer neuen Kampagne wohl sicher nicht erreichen.
| 16 Reaktionen aus dem gulli:Board |
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Greg5000 am 12.12.2005 14:04:53: |
negative_x am 12.12.2005 15:11:47: |
sankari am 12.12.2005 19:05:14: |