gulli: Nachbarschaftspost.com lockt in die Vertragsfalle
07. April 2008

Nachbarschaftspost.com lockt in die Vertragsfalle

Offensichtlich gehen den bekannten Internet-Abofallen die Kunden aber leider nicht die Ideen aus, denn jetzt kommt mal wieder das Telefon zum Einsatz: "Wir haben eine wichtige Nachricht für Sie erhalten. Bitte gehen Sie auf die Website www.nachbarschaftspost.com und geben Sie den nachfolgenden Code ein ..." - die computergenerierte Stimme gibt anschließend den versprochenen Code an und erinnert noch einmal an die Dringlichkeit der Mitteilung.

Wer dann auf die Website surft, sieht neben einer sympathisch lächelnden Dame auch die große Aufforderung "Für Sie wurde eine persönliche Nachricht hinterlegt!" Wer nun seinen Code, seine Festnetznummer, seinen Namen und seine email eingibt, wird bald sein blaues Wunder erleben: Der Zugang zur "Community" ist nämlich maximal für 14 Tage kostenlos, anschließend kostet der "tolle" Service neun Euro pro Monat bei einer Mindestlaufzeit von 24 Monaten! Ob man darunter Nachbarschaftshilfe verstehen soll?

Die Urheber der Website wollen unerkannt bleiben, das Impressum verweist auf einen Briefkasten in Dubai und ein beauftragtes Servicecenter in der Schweiz. In den nur schwer lesbaren AGBs findet man aber den Hinweis auf eine Connection Enterprises Ltd. mit Sitz in Tortola auf den British Virgin Islands - interessant, denn die ähnlich aussehende Website www.nachbarschaft24.net gehört angeblich der NetSolutions FZE mit Sitz in Dubai (Vereinigte Arabische Emirate). Auch die Grafiken und Texte auf Nachbarschaft24.net sind größtenteils identisch.

Allen Nachrichtenempfängern sei gesagt: So wichtig kann keine Nachricht sein, dass diese 216 Euro wert sein soll. Es gibt genügend Communitys zu allen Themen im Netz, bei denen man sich bei Bedarf kostenlos anmelden kann. Surfer auf Partnersuche sollten ebenfalls lieber auf einen der seriösen Anbieter im Web zurückgreifen. Und wer nach Erhalt dieser wichtigen Nachricht noch immer zahlt, der ist es selber schuld!

Frosch vom Düsseldorfer CCC fiel in unserem Artikel die genannten Domainnamen ins Auge. Beim whois von nachbarschaftspost.com taucht zunächst ein scheinbarer Whois-Anonymisierungsdienst und bei weiteren Recherchen beim Nameservereintrag die Person Thomas Rodenbuecher aus Düsseldorf auf. Dort wird an der gleichen Anschrift der Internet Hoster ip69.de betrieben. Frosch berichtete bereits letztes Jahr über ihre Erfahrungen im Umgang mit diesem Dienst:

"Im letzten Jahr wollte mir ein deutschsprachiger Spammer immer wieder Kondome schenken. Mir fiel auf, dass diese Mails immer vom selben Host kamen. Also rief ich bei dem Hoster (ip69.de) an; dort wurde ich auf Mail verwiesen. OK, also schickte ich den Spam per Mail hin. Reaktion: Keine. Auch die nächsten Spams dieser Art kamen wieder von dort, wieder informierte ich ip69. Reaktion: Keine. Die Spammerei ging weiter. Am 24. November wollte man mir keine Kondome schenken, sondern mich in ein "Nachbarschaftsnetz" einladen. Der Host hatte sich nur leicht geändert, die Daten blieben im Prinzip die gleichen. Statt von mail.gratis-condom.net (80.249.126.6) aus spammte man jetzt von likeit.private-info.net (80.249.114.66) aus. Port 25 dieser Kiste steht offen (Debian Linux mit Exim als Mailserver; das meldet sich zumindest bei einem entsprechenden telnet-Versuch), aber einen postmaster will man dort anscheinend nicht kennen (Fehlermeldung: "relaying denied"). Nun ja, is' klar, 'ne Beschwerden unerwünscht.

nachbarschaftsteam.net hat allerdings den gleichen offensichtlich gefälschten whois-Eintrag wie sein Vorgänger mit den "gratis-kondomen": Er weist eine (garantiert nicht existierende) "Gesellschaft für Internetunterhaltung ltd." in Virginia/USA als Domaininhaber aus; die Kontaktadresse zeigt auf sheepflirt.de. In deren whois findet sich nun immerhin eine Person, aber natürlich wieder ohne Mailadresse. Telefonbuch.de kennt diesen Herrn Schäfer oder seine Firma SMC Medien natürlich auch nicht.

Am 25. November ging es grad weiter. Der selbe Host, der selbe Spamtyp wie am Vortag, die selbe Aufmachung, nur daß das beworbene Portal jetzt anders heißt. Man nennt sich nun evengio4u.com. Der whois-Eintrag für die Domain ist keine Überraschung: Gehostet bei ip69, eingetragen am 24.11.2007, wieder auf einen John Smith in Virginia/USA mit seiner "Gesellschaft für Internetunterhaltung ltd.". Natürlich reagierte ip69 wieder nicht auf meine Beschwerde.

Aber das heißt nicht, daß es aufhört. Sie spammen zwar nicht mehr auf meine Privatadresse, dafür aber auf die Kontaktmailadresse des Chaosdorfs, auf die ich seit kurzem miteingetragen bin. Die IP des Mailservers ist diesesmal 80.249.114.149, das kommt uns doch bekannt vor. Wieder wird für ein angebliches Nachbarschaftsnetz geworben, diesmal unter nachbar-kontakt24.net. Die IPs sind die üblichen Verdächtigen. Die Domain wurde erst am 27.01.2008 angelegt, die Inhaberdaten sind nicht per whois einsehbar (immer wieder toll, daß man Anonymität auch mißbrauchen kann). Die Nameserver für nachbar-kontakt.24.net zeigen auf g0mail.net, deren Nameserver wiederum auf ip69.de zeigen. Fällt ja gar nicht weiter auf ...

Ich schreibe jetzt schon gar keine Beschwerde mehr, weil ich so ungern mit weißen Klowänden rede. Dafür darf jetzt die Öffentlichkeit davon erfahren, daß IP69 ein Spamhoster ist und für wen."

  • 55 Kommentare zum Artikel
  • Zitat: Zitat von Gravenreuth Ausser AG München (AZ 161 C 23695/06) ist mir nichts bekannt. http://www.verbraucherrechtliches.de...chotten-dicht/ Az. werden da nicht erwähnt. Aber Sie können ja mal selbst klicken. Die Formulierung "der einschlägig bekannte Rechtsanwalt (mit adligem Namen) hat in der mündlichen Verhandlung den Unterlassungsanspruch des vzbv anerkannt." könnte die ...

  • Zitat: Zitat von koelnmedia Ganz einfach: Widerruf schreiben (dafür reicht ein Einzeiler: "Sehr geehrte Damen und Herren, hiermit widerrufe ich den am [Datum] geschlossenen Fernabsatzvertrag innerhalb der 14-tägigen gesetzlichen Frist. Mit freundlichen Grüßen"), in einem Briefumschlag stecken, zur Post gehen - und fragen, ob man Einschreiben auch in die Schweiz verschicken kann! Wenn ja, abschicken! Wenn nein, ...

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