Musikmarkt: Mittelstand der Musik bricht weg, sagt Tim Renner

gullinews am Montag, 13.10.2008 19:16 Uhr

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Tim Renner kann man mögen, muss man aber nicht. Zur Popkomm gab sich der Ex-Universal Deutschland Chef und Labelbetreiber von Motormusik die Ehre und dem Tagesspiegel ein längeres Interview. Interessant sind einige der Argumente, die er in die Diskussion um den Musikmarkt einbringt. Aus der aktuellen Situation schlussfolgert er, dass vor allem der "Mittelstand der Musik" am Tonträgerverkauf leidet. Dabei denkt er an Bands wie "Tocotronic" oder "Die Sterne".

Die fehlenden Einnahmen aus dem Tonträgerverkauf würde die Industrie kaum stören, da sie ohnehin schon seit längerer Zeit massive Einnahmen aus Liveauftritten und Merchandising hätten. Für die mittelgroßen Bands jedoch war und ist der Tonträgerverkauf nach wie vor eine wichtige Einnahmequelle, die aufgrund der aktuellen Entwicklung stagniert, so Tim Renner.

"Wir haben seit 1999 einen abfallenden Markt, was in erster Linie ein Absterben des Mittelstandes bedeutet. Durch die Digitalisierung entsteht sozusagen eine präindustrielle Gesellschaftsform: Es gibt ganz viele ganz unten und wenige ganz oben. Die, die unten sind, können gerade so überleben und denen oben geht es nach wie vor prächtig. Zerquetscht wurden alle, die dazwischen stehen." In seinem neu aufgelegten Buch "Kinder der Tod ist gar nicht so schlimm - Über die Zukunft der Musik- und Medienindustrie" bringt er ein Pladoyer für flexible Management- und Organisationsformen ein und erklärt, wie man im Musikmarkt überleben kann. Man müsste Mut zur Meinung, zur eigenen "Marke" und Haltung haben. Außerdem müsste man sich in Netzwerken organisieren und vor allem an einem langfristigen Künstleraufbau interessiert sein.

In dem Interview im Tagesspiegel sagt er das so: "Nicht die Jobs der Musikindustrie sind obsolet, sondern die Organisationsform, in der sie derzeit noch mehrheitlich stattfindet. Diese wenigen, monolithischen Gebilde sind nicht mehr marktgerecht. Sie entsprechen auch nicht mehr den Bedürfnissen der großen Bands. Ich verstehe große Bands nicht, die noch bei traditionellen Firmen unter Vertrag sind und sich nicht selbst ein Management-Team zusammenstellen."

Treffender ist vielleicht noch diese Formulierung: "Da sind wir schon bei einem Bestandteil der Krise, die ja nicht nur ein verpasster Formatwechsel vom Album mit zwölf Songs zum legalen Download ist. Die Musikwirtschaft ist durch den Erfolg der CD in die Logik der Finanzmärkte gekommen. Häufig sind die Unternehmen börsennotiert und es zählen die Quartalsergebnisse.".

Ähnlich wie schon eine Studie der Unesco zu dem Ergebnis kommt, dass der Musikmarkt aus drei Schichten besteht, wird den "unteren beiden" Schichten in der Diskussion häufig zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt. (020200)

(via Tagesspiegel, thx!)

Danke an gulli-User Schorchie für den Hinweis!

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9 Reaktionen aus dem gulli:Board

Schattenspieler am 15.10.2008 12:40:55:
Du weißt doch: die Bank gewinnt immer. ;) (Selbst wenn sie jetzt - scheinbar - Verluste "einfährt". Aber da ist ja ganz schnell der Staat da. Nur wo war der Staat, als es an die Gewinne ging? *dumm*)...

elChupaCabra am 15.10.2008 13:05:39:
Du weißt doch: die Bank gewinnt immer. ;) (Selbst wenn sie jetzt - scheinbar - Verluste "einfährt". Aber da ist ja ganz schnell der Staat da. Nur wo war der Staat, als es an die Gewinne ging? *dumm*) Wenn Du die DEPFA oder die dt. Bank meins...

yks` am 15.10.2008 13:14:30:
Ich kann das nachvollziehen und habe es selbst schon erlebt. Viele Künstler die ich gerne höre (meist weniger bekannt), können finanziell keine neuen CD's mehr auf den Markt bringen und haben sich aus dem Musikgeschäft zurückgezogen, was ich natürlich sehr schade finde und langsam nicht mehr w...

 

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