Kritik an First Person- und Taktikshootern, vor allem durch konservative, eher ältere Menschen, sind Zocker mittlerweile gewohnt. Die sogenannte "Killerspieldebatte" ist jedem ein Begriff, der sich ein bisschen mit dem Thema Gaming befasst. Wann immer in einem Spiel Gewalt ausgeübt und auch dargestellt wird, ruft das Warner und Mahner auf den Plan, die befürchten, diese Spiele könnten die Spieler zu mitleidlosen, aggressiven Wesen machen oder ihre Bereitschaft für Amokläufe steigern. Auch die Gegenposition hat allerdings prominente Vertreter - Zocker, eSport-Verbände und auch zahlreiche Experten halten es - zumindest bei stabilen Leuten ab einem gewissen Alter - für ungefährlich, Spiele wie Counter-Strike oder Unreal Tournament zu zocken.
Bei "Call of Duty: Modern Warfare 2" dagegen ist der Fall womöglich nicht so einfach, denn es geht nicht um die schon bekannte Gewaltdarstellung gegenüber bis an die Zähne bewaffneten Mitspielern oder KI-Gegnern. Hier lauten die Fragen eher: "Dürfen Spieler am Computer in die Rolle von Terroristen schlüpfen? Dürfen sie wehrlose Zivilisten hinrichten? Und dabei vielleicht sogar Spaß haben?" Fragen, bei denen vielleicht auch der ein oder andere sonst durch nichts zu erschütternde Zocker nachdenklich wird. Und doch beginnt der Shooter von Publisher Activision Blizzard, der ab kommendem Dienstag käuflich zu erwerben sein wird, mit genau diesem Szenario. Bereits am Intro-Video scheiden sich die Geister.
Von Spielefans wird das Spiel sehnsüchtig erwartet, wird es doch mit einer sehr aufwändigen Produktion, exzellenter Grafik und packender Action punkten können. Das Szenario bietet zunächst einmal wenig Neues: Eine Spezialeinheit muss gegen eine Gruppe russischer Terroristen kämpfen. So weit, so bekannt aus hunderten, wenn nicht tausenden von Spielen. Die Art der Darstellung dagegen ist neu. Dabei geht es weniger um die packenden Gefechte, bei denen sich die Spieler Mengen von Kugeln um die Ohren schießen - das ist, wie gesagt, nichts Neues in diesem Genre. Was dagegen auch "durchaus hartgesottene Spieler" teilweise skeptisch stimmt, ist das vor Kurzem im Internet geleakte Intro-Video zum Modern Warfare 2. In dem Video ist zu sehen, wie Terroristen in einem Flughafen wehrlose Zivilisten erschießen. Unter den Attentätern: der Spieler. Als Geheimagent hat er die Bande infiltriert und ist daher Zeuge des Anschlags.
Blizzard hat eine durchaus einleuchtende Begründung für die Darstellung dieser gewalttätigen Szenen. Der Publisher sieht sie als Mittel, eine Geschichte zu erzählen und eine bestimmte Atmosphäre zu erzeugen. "Im Kontext der Story illustriert diese Szene die Bösartigkeit und Kaltblütigkeit eines russischen Terroristen und seiner Handlanger", erklärt der französische Konzern auf Nachfrage der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Zudem gebe es eine Warnung und die Möglichkeit, die besagte Szene zu überspringen. Die deutsche Version soll zusätzlich entschärft sein: Während in anderen Ländern der Spieler auch selbst auf Zivilisten schießen kann, wird dies in der deutschen Version eine sofortige Niederlage zur Folge haben. Der Spieler wird hierzulande zwar sehen, wie andere Terroristen Zivilisten niedermetzeln, sich aber nicht selbst daran beteiligen können.
Von der USK wurde das Spiel, womöglich auf Grund dieser freiwillig erfolgten Einschränkung, nicht indiziert, sondern für Erwachsene freigegeben. Die öffentliche Diskussion allerdings geht weiter. "Es war erschütternd, Furcht einflößend, abscheulich und hat mich nur beim Hinsehen äußerst unbehaglich fühlen lassen", schreibt zum Beispiel Tom Hoggins von der britischen Zeitung "Daily Telegraph", nach eigenen Angaben ein passionierter Spieler. Hoggins fühlte sich durch die Szenen an reale Terroranschläge erinnert.
Andere Zocker befürchten, dass Modern Warfare 2 den Spielegegnern neue Argumente liefern könnte. "Ich will gar nicht wissen, was abgeht, wenn die ersten Leute, die Gaming kritisch gegenüberstehen, diese Szenen sehen", schreibt etwa ein Nutzer im Forum des Spieleportals Gamezone.de. "Ist doch Wasser auf deren Mühlen."
Eins ist sicher: Der Bekanntheit des Spiels wird diese Debatte nicht geschadet haben, und oftmals fördern auch negative Schlagzeilen den Verkauf. Für Blizzard könnte sich diese Diskussion also durchaus als positiv erweisen. Und für die Spieler gilt: Jeder kann immerhin selbst entscheiden, ob ihm die vorgestellten Inhalte zu grausam sind, und sich entsprechend für oder gegen einen Kauf des Spiels entscheiden.
(via onlinekosten.de, thx!)
(Bildquelle: Joystickdivision, thx!)
| 72 Reaktionen aus dem gulli:Board |
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eliveo am 11.11.2009 15:52:07: |
DanteConstantin am 27.11.2009 18:44:42: |
Daran am 27.11.2009 18:48:59: |