gulli: Microsofts DRM ist nicht für jedermann
31. Januar 2006

Microsofts DRM ist nicht für jedermann

Die Big Player gegen die Graswurzelkonkurrenz

Wer immer noch denkt, gängige Kopierschutztechnik sei ein Dienst an der Vielfalt des Medienangebots und sichere auch kleinen Künstlern und Labels einen Lebensunterhalt, die anders als die Big Player keine massive Marketingmaschinerie betreiben können, sollte sich Microsofts DRM-Strategie zu Gemüte führen: von einer "offenen" DRM-Plattform kann nämlich keine Rede sein. MS-Repräsentant Amir Majidimehr stellte auf der Digital Rights Management - Konferenz in London das Lizenzmodell Microsofts vor: vorgesehen sind Gebühren für jeden Lizenznehmer, nicht etwa eine freie Lizenzierung an alle Künstler, die ihre Werke "schützen" möchten. Ein Kollege erläuterte wörtlich:

"Wir wollen nicht, dass diese Technologie jedem Hobbykünstler zur Verfügung steht. Wir müssen die Zahl der Lizenznehmer niedrig halten, auf einem handhabbaren Niveau. Wir berechnen eine Lizenzgebühr, um die Zahl der Personen, mit denen wir verhandeln müssen, auf einem Niveau zu halten, das wir bewältigen können."

Aussagen, die die Kartellbehörden interessieren dürften. Denn auch Microsoft macht keine Anstalten, ihr DRM-Modell als freien Standard für andere Anbieter zu öffnen. Die Methoden aus Redmond kennt man - über die quasimonopolisierte Plattform bindet man User an die eigenen Systeme, andere Plattformen werden mit Inkompatibilität und MS-spezifischen, geschlossenen Standards madig gemacht.

Was im Musiksektor weniger erfolgreich sein dürfte: da hat sich Apple mit iTunes als Platzhirsch etabliert. Der Teufel mit Beelzebub ersetzt, könnte man natürlich auch konstatieren: denn kunden- und abspielfreundlicher ist Apples ebenfalls proptietäres DRM ebenfalls nicht. Die Erfahrung lehrt ohnehin, dass die Kunden bei zu großer Beschneidung ihrer Rechte dazu übergehen, DRM-Techniken zu umgehen oder sich entsprechend freie Medien aus den einschlägigen Quellen zu besorgen.

Insofern ist es ohnehin für keinen kleinen Medienanbieter erstrebenswert, in den zweifelhaften Genuß einer MS-DRM-Lizenz zu kommen: er wird besser fahren, wenn er den Kunden das bietet, was jene wünschen - das sind in der Regel Medien, die überall abgespielt werden können und von denen man ausgehen kann, dass sie auch noch in zehn Jahren von einem dann aktuellen OS gelesen werden können.

Eines wird jedoch klar: für mehr Vielfalt und eine Unterstützung der Medienproduzenten taugt die MS-Strategie nicht, und das ist gewollt und wird exakt so auch hochoffiziell zugegeben. DRM fördert mitnichten kulturelle und mediale Vielfalt, es ist von Anfang an darauf ausgelegt, eine mediale Massenkultur zu schaffen, die von den wenigen Big Playern dominiert wird, mit denen die DRM-Produzenten wie MS geruhen, Lizenzverträge abzuschließen.

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