Vor etwas über zwei Monaten hat der Mashup-Künstler Clayton Counts von EMI eine Klage über 30 Millionen Dollar wegen der Veröffentlichung eines Albums mit dem Namen "Sgt. Petsounds" zugestellt bekommen. In diesem Mix waren zwei der kultigsten und bekanntesten Ikonen der Popmusik von dem Texaner miteinander vermischt worden.
Es drehte sich um "Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band" von den Beatles und Beach Boys' "Pet Sounds". Zu den horrenden Forderungen war es gekommen, obwohl der Remixer weder Werbung für sein Produkt gemacht hatte, noch dass er versuchte, damit Geld zu verdienen. Außerdem verlangte die Firma EMI in ihrem Brief die Herausgabe der IP-Adressen aller Downloader der beanstandeten MP3s. Eine Aufforderung dieser Art gegenüber einem nicht kommerziell arbeitenden Künstler war zuvor nie publik geworden.
Tinymixtapes.com hatte damals über den Vorfall gefrotzelt: "Beachles Mash-Up Schöpfer wird über Nacht zum reichsten Mann der Welt; EMI ist lediglich das unschuldige Opfer seines unersättlichen Wunsches nach Macht." So kann man es auch sehen. Wie auch immer, still ist es geworden in der Auseinandersetzung um Geld und IP-Adressen. Nachdem Counts nach einigen Wochen des Briefwechsels direkt anfragte, wie viel er EMI ihrer Meinung nach denn nun konkret schulden würde, kam keine Antwort mehr von der Konzernzentrale zurück. Vielleicht hatte man sich gewünscht, auf einen leichter einzuschüchternden und weniger sturen Gegenspieler zu treffen. Counts wäre im Fall der Fälle auch ohne die benötigten finanziellen Rücklagen bereit gewesen, mit Hilfe eines Rechtsanwaltes bis zum Äußersten zu gehen. Aber nachdem der Fall national wie international für viel Aufsehen gesorgt hat, ist dies wahrscheinlich die am wenigsten gewünschte Form der Öffentlichkeitsarbeit, die man bei EMI erreichen möchte.
Der Rolling Stone Blog kommentierte den kompletten Vorfall zynisch mit den Worten "Kerl, Du solltest EMI für die kostenlose Werbung für deine Kunst danken." Man mag von dieser Aussage halten was man möchte, zumal der Rolling Stone selbst nicht als eines von der Musikindustrie unabhängiges Printmedium anzusehen ist. Aber nutzen möchte der texanische Remixer die Besucher schon, die nach diesem Vorfall noch immer täglich zu Hauf auf seiner Website landen. Der Gulli-Redaktion schrieb er, er habe Kontakt mit diversen Investoren aufgenommen, die ihm beim Aufbau eines eigenen, unabhängigen Labels helfen sollen. Es geht um den uralten Wunsch, das alte Modell des Musikvertriebs durch die Major Labels zu zerstören.