gullinews am Samstag, 31.05.2008 09:14 Uhr
In Bayern soll künftig unter anderem das Eindringen von Beamten bei Veranstaltungen in geschlossenen Räumen erlaubt werden. Die Polizei darf zudem bei allen Versammlungen "Übersichtsaufnahmen" erstellen, die auch ausgewertet und beliebig lange gespeichert werden dürfen. Bislang existieren keine Verfallsdaten für die Videoaufnahmen. VersammlungsleiterInnen und OrdnerInnen werden zu Hilfspolizisten gemacht und können von Behörden und Polizei sogar als "ungeeignet" oder "unzuverlässig" abgelehnt werden. In dem Fall müsste man sich nach einem neuen Versammlungsleiter umschauen.
Künftig soll ein Versammlungsverbot auch dann ermöglicht werden, wenn "Rechte Dritter unzumutbar beeinträchtigt" werden. Der neu eingeführte Begriff des "Militanzverbots" gibt der Polizei die Handhabe, gegen Demonstrationen oder TeilnehmerInnengruppen vorzugehen, wenn sie den "Eindruck von Gewaltbereitschaft" vermitteln und "einschüchternd" wirken. Wirkt im Extremfall dunkle Kleidung oder Trillerpfeifen im Mund bereits einschüchternd? Die Beamten werden darüber frei entscheiden und dementsprechend eingreifen dürfen. Durch die Einführung neuer Straftatbestände wird die Leitung von Versammlungen zu einem unkalkulierbaren persönlichen Risiko. Nach der Verabschiedung des Gesetzes kann dies für den Versammlungsleiter nach erfolgter Demo ein übles juristisches Nachspiel haben.
"Die Überwachung und Bespitzelung der Bürger seitens der Regierung nimmt kein Ende. Jetzt nehmen sie sich die per Grundrecht garantierte Versammlungsfreiheit vor. Wie lange wollen wir uns das noch gefallen lassen?", so Ralph Hunderlach von der Piratenpartei Bayern in einer kürzlich veröffentlichten Pressemitteilung.
Weitere Informationen über den Gesetzesentwurf stehen auf der Seite des AK Versammlungsfreiheit. Es bleibt zu hoffen, dass sich die Politiker in Berlin von solchen Plänen nicht inspirieren lassen. Fraglich auch, ob ein solch drastischer Einschnitt unserer Grundrechte Bestand vor Gericht haben würde.
Der heutige Aktionstag "Freiheit statt Angst" wird voraussichtlich in mindestens 34 Städten durchgeführt. Der Städteübersicht kann man entnehmen, wo in deiner Nähe die friedliche Demonstration stattfinden wird.
(via piratenpartei.de, thx!)
| 17 Reaktionen aus dem gulli:Board |
|---|
könnt kotzen am 03.06.2008 19:44:30: |
b.pwned am 03.06.2008 22:16:23: |
money am 03.06.2008 23:39:07: |
Suche
Verwandte NewsÖffentliches Picknick illegal: Braunschweig verbietet Flashmobs (Update)
Freiheit statt Angst: Polizeimaßnahmen auf der Demo
Freiheit statt Angst: Nur mäßige Beteiligung in Düsseldorf
Freiheit statt Angst: Pseudoregistrierte Handykarten werden kostenlos verteilt
Freiheit statt Angst 2008: Bundesweiter Aktionstag am 31. Mai 2008