Auch ohne Nachweis einer Straftat
Die üblichen Verdächtigen hatten Grund zu feiern: die in der Regel durchaus auf die Privatsphäre und den Datenschutz bedachten niederländischen Gerichte brachen mit ihrem Kurs, dass ISPs Userdaten nicht ohne konkreten Nachweis einer Straftat herauszugeben hätten. Der Supreme Court der Niederlande entschied, dass der Provider Lycos die Daten eines seiner Kunden herauszugeben hätte: der User äußerte sich mehrfach mit massiven Beschuldigungen gegenüber einem Online- Briefmarkenhändler, dem er kriminelle Geschäftsmethoden vorwarf.
Das Gericht folgte dieser Ansicht nicht. Es sei "wahrscheinlich, dass die Informationen, die auf der Webseite geposted wurden, illegal seien und den Händler schädigen. Dieser hat ein durchsetzbares Interesse an der Offenlegung der Userdaten und keine andere Möglichkeit, diese zu erhalten", so der Gerichtsbeschluß.
Die niederländischen Piraterieverfolger von BREIN gaben erwartungsgemäß an, das Urteil gäbe ihnen die Möglichkeit, nun verstärkt gegen Filesharer in den Niederlanden vorzugehen. Das letzte Urteil in einem solchen Fall befand, dass BREIN keinen Anspruch auf die Herausgabe von Userdaten durch die Provider habe, was indessen nicht mit der generellen Ablehnung eines solchen Eingriffes in den Datenschutz begründet wurde. sondern mit dem methodisch fragwürdigen Vorgehen BREINs bei der Sammlung von Filesharerdaten.