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30. März 2008

Lidl, Schlecker, who's next?

Nachdem sich die ersten Wellen der Empörung bezüglich Lidl geglättet haben, erhebt die Gewerkschaft Ver.di nun auch Vorwürfe gegen die Führung der Drogeriekette Schlecker. Nicht nur, dass es laut dem Schwarzbuch-Weblog der Gewerkschaft in nur 85 anstatt in 330 Filialen Betriebsräte eingerichtet wurden. Auch bei Schlecker wurden laut ver.di Detektive und Sicherheitskräfte mit der Überwachung von Geschäftsräumen betraut.

Die Mitarbeiter, die den Mut hatten dies der Gewerkschaft zu melden, fühlten sich überwacht und ausgespäht. Problematisch dürfte für Ver.di die Beweisführung werden: Die Augenzeugen befürchten verständlicherweise aufgrund ihrer Aussagen gekündigt zu werden.

Manche Politiker legen den Konsumenten einen Boykott der Kette nahe. Allerdings besteht die Gefahr, dass es nicht bei den beiden genannten Unternehmen bleiben wird - die Vorgehensweise scheint in der ganzen Branche mehr oder weniger üblich zu sein. Solche Boykottaufrufe dürften dementsprechend wenig bringen. Verbraucherschutzminister Horst Seehofer schlug alternativ die Einführung neuer Datenschutzgesetze zum Schutz der Arbeitnehmer vor. Er fordert die zuständigen Behörden auf, für Strafen zu sorgen, die von den Großunternehmen nicht mehr wie bisher aus der Portokasse bezahlt werden können.

Letzte Woche Mittwoch berichtete der Stern, dass Lidl seine Mitarbeiter systematisch überwachen ließ. So wurde unter anderem protokolliert, welcher Lidl-Mitarbeiter während seiner Arbeitszeit wie häufig und zu welcher Uhrzeit auf Toilette gegangen ist. Auch wurde mitgeschnitten, wer möglicherweise mit wem ein Verhältnis einging, wer von den Überwachern als unfähig, introvertiert oder gar naiv eingeschätzt wurde. Ein Ausschnitt aus einem Protokoll der Ladendetektive spricht für sich: "Frau J. führt seit einer halben Stunde Privatgespräche. Es ist (anhand des Einzelverbindungsnachweises) zu prüfen, wen sie angerufen hat". Der Lidl-Konzern hat sich mittlerweile bei seinen Angestellten entschuldigt. Indes bleibt die Frage offen, von welcher Lebensmittelkette die nächsten Horrorgeschichten veröffentlicht werden.

Agnes Schreieder im ver.di Schwarzbuch-Weblog weiter über Schlecker: "Die Betriebsräte, die es gibt, brauchen Mut, Kraft und Ausdauer. Mit über 30 Schlecker-Betriebsrätinnen ging es in unserem Seminar vor allem um Möglichkeiten, bessere Besetzungen und Arbeitszeiteinteilungen in den Filialen durchzusetzen. Schlecker lässt sich immer wieder was Neues einfallen. In Filialen ohne Betriebsräte läuft es weitaus schlechter.

Verkäuferinnen in Schlecker-Filialen erhalten jetzt mancherorts wöchentlich neue Arbeitsverträge. Alle Verkäuferinnen haben nur Teilzeit-Arbeitsverträge, meist mit 20 oder weniger Stunden pro Woche. Schlecker hat bundesweit in den letzten Monaten Tausenden Beschäftigten die arbeitsvertraglich vereinbarte Wochenarbeitszeit gekürzt und dadurch nochmals einen richtigen Schnitt bei den Personalkosten gemacht. Jetzt sollen dieselben Verkäuferinnen Überstunden machen, an Freizeittagen in die Filiale kommen oder ohne freien Tag von Montag bis Samstag durcharbeiten und dadurch sicherstellen, dass die Filialen überhaupt noch geöffnet bleiben können. Meist sind die Beschäftigten sowieso alleine, die Arbeit ist kaum mehr bewältigbar. Wo es Betriebsräte gibt, konnten oft diese Stundenkürzungen verhindert werden. Viele Betriebsräte bei Schlecker nutzen die Mitbestimmung auch dazu, für die Filialbeschäftigten feste Arbeitszeitregelungen und Freizeittage zu vereinbaren und anstelle von Bergen von Überstunden feste Einstellungen zu erzwingen".

(Via RP Online)

  • 71 Kommentare zum Artikel
  • Zitat: Zitat von Mave333 Gebe ich dir 100%ig recht. Jedoch ist das im Gegesatz zum Diebstahl eine messbare Größe und wird in gewissem Prozentsatz mit einkalkuliert. Diebstahl wird ebenso von vornherein einkalkuliert. Zitat: Ich bekomme das Kotzen wenn ich die Leute sehe, die jeden Apfel, jede Packung genauestens ansehen, prüfen und mit den Fingern eindrücken - um dann doch die ...

  • @ eDELw3iZZ Wir scheinen uns doch gar so mißzuverstehen^^ Regionale Unterschiede? Vllt ist es eher die Altersgruppe. Die Älteren haben sich oft einen höheren Lohn aus vergangener Zeit gesichert. Neueinstellungen fangen gleich wesentlich niedriger an. Dabei kenne ich aber lediglich die Gruppe der Handwerker. Der Trend geht deutlich nach unten, sogar im erwähnten Unternehmen sieht man das deutlich. Als....ähm Jungeselle...bekam ich schon ...

    Nesiamun am 11.04.2008 00:06
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