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07. März 2008

Kuba Cyber-Rebellen fordern den Staat heraus

Die New York Times berichtete gestern über ein wachsendes Netzwerk von jungen Leuten, die den staatlichen Behörden mit Hilfe von USB-Sticks, Digitalkameras und heimlichen Internetzugängen erhebliche Kopfschmerzen bereiten. Sie verbreiten unzensiert die Neuigkeiten und Videos des Landes, die von den staatlichen Medien verheimlicht werden.

Letzten Monat wurde Ricardo Alarcón, the Präsident des Nationalrats dabei gefilmt, wie er sich mit Studenten auf eine hitzige Diskussionen einließ. Die Studenten fragten ihn aus, warum sie das Land nicht verlassen und anderswo Urlaub machen, warum sich kein Kubaner einen Hotelaufenthalt leisten, Google benutzen oder höhere Löhne verdienen könnte. Der Präsident sah während des Gesprächs höchst verwirrt aus, sein Video wurde über USB-Sticks von Computer zu Computer getragen und verbreitete sich in ganz Kuba wie ein Lauffeuer. Ähnliches passierte, während sich ausländische Arbeiter lautstark darüber beschwerten, dass ihre Löhne künftig besteuert werden sollten. Ein Beobachter schnitt die Szene mit seinem Handy mit und verteilte das Video im ganzen Land.

Die Regierung verliert die Kontrolle, weil sich die Technik so schnell weiterentwickelt. Internetcafés sind nicht zufällig zu einer Rarität auf der Insel geworden. Von den drei Cafés sind nur zwei übrig, bei den beiden anderen kann man lediglich E-Mails über ein geschlossenes Netzwerk verschicken. Surfen nach außen ist dort Fehlanzeige. Und auch der Besuch des einzigen Internetcafés in Havanna ist quasi unmöglich, die Gebühren für dessen Benutzung würde die Kubaner den Gegenwert eines Monatslohnes kosten.

Alle Versuche der Regierung den Zugang zum Internet zu kontrollieren sind bislang gescheitert. Viele junge Leute beteiligen sich an einer stets wachsenden Schattenwirtschaft um illegal und ohne Zensur ins Netz zu gelangen. Schmuggler haben verbotene Satellitenschüsseln ins Land gebracht, mit dessen Hilfe man die News außerhalb der staatlichen Kontrolle empfangen kann. Andere nutzen Schwachstellen der Netzverbindung von ausländischen oder staatlichen Unternehmen. Mitarbeiter von solchen Firmen verkaufen nicht selten die internen Zugangsdaten der Firmen, damit deren Käufer unbemerkt mitten in der Nacht im Web browsen können. Auch die angebotenen Internetverbindungen von Hotels werden häufiger von den Kubanern selbst benutzt.

Die Ankunft vom populären kubanischen TV-Star Carlos Otero in den USA wurde vom US-amerikanischen Fernsehen mitgeschnitten und konvertiert, um es ebenfalls unters Volk zu bringen. Der populäre Komiker war im Dezember während seines Aufenthaltes in Toronto zu den USA übergelaufen. Junge technikaffine Kubaner hatten das Ereignis mit eigenen Antennen aufgenommen, um es ihren Freunden zuspielen zu können. Im kubanischen Fernsehen hat die Staatsflucht offiziell nie stattgefunden.

Einige junge Journalisten begannen mit dem Aufbau und der Pflege von eigenen Weblogs und News-Websites, deren Servern aber in anderen Staaten lokalisiert sind. Deren Berichte erreichen durch die Quellen des Untergrunds dennoch ihre Leser. Weil die Journalisten und Blogger nur für wenige Minuten online gehen können, verfassen sie ihre kritischen Berichte im Vorfeld. Sie gehen dann kurz ins Internetcafé, melden sich an, updaten ihre Website und kopieren die wichtigsten Daten auf einen Datenträger, der wiederum von Hand zu Hand geht.

Der Untergrund ist solide strukturiert, die kommunistische Regierung kann weder das Internet noch die Informationen kontrollieren. Europäische Freunde der Studenten kaufen leere Medien und Dritte führen diese unbemerkt nach Kuba ein. Die offiziellen Kanäle für Hardware sind knapp bemessen und äußerst teuer. Viele junge Kubaner spielen dabei ein ständiges Katz- und Mausspiel mit der Polizei und den Geheimdiensten. Man glaubt nicht daran, dass die Kommunisten sie jemals frei im Internet surfen lassen. Weil Vater Staat die Bewohner dumm halten will, um sie zu kontrollieren, wird es den Kubanern unmöglich gemacht von zu Hause aus ins Internet zu gehen. Andere hoffen, die zahlreichen Informatikstudenten an den Universitäten des Landes werden im Laufe der Zeit für eine Öffnung und einen besseren Informationsfluss sorgen. Stellt sich nur die Frage, ob die Kontrollorgane des Landes dabei mitspielen ...

(Via CNET News.com)

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