Kroatien: Von der Facebook-Gruppe ins Gefängnis

Kroatien: Von der Facebook-Gruppe ins Gefängnis

gullinews am Mittwoch, 03.12.2008 18:07 Uhr (Rating: RatingRatingRatingRating)

Seite druckenArtikel empfehlengulli RSS News Feedsgulli twittertgulli:Newsletter

In Kroatien ist ein junger Mann verhaftet worden, weil er eine Facebook-Gruppe mit dem Titel "Ich wette, ich finde 5.000 Menschen, die [Premierminister] Sanader hassen" gegründet hatte. Dem Nachwuchspolitiker der oppositionellen Sozialdemokraten wurde vorgeworfen, Neonazi-Materialien zu verbreiten und Kinderpornographie zu besitzen.

Niksa Klecak hatte die Gruppe gegründet, um gegen die Finanzpolitik der Mitte-Rechts-Regierung von Ivo Sanader zu protestieren. Der hatte zuletzt die kroatische Bevölkerung dazu aufgefordert, als Reaktion auf die weltweite Wirtschaftskrise weniger auszugeben, um Engpässe zu überstehen und sogar öffentlich gesagt, er werde keine steigenden Löhne in seinem Land erlauben.

Mit der Facebook-Gruppe folgte Klecak Beispielen wie "Ich wette, ich kann 1.000.000 Menschen finden, die Bush nicht leiden können!". Allerdings mit unerwarteten Folgen: Die Gruppe erreichte zwar schnell das angepeilte Ziel und liegt heute bei über 14.000 Mitgliedern. Klecak allerdings wurde bereits am 28. November von der Polizei verhaftet.

Die warf dem Nachwuchspolitiker, der einen örtlichen Zweig der Jugendorganisation der oppositionellen Sozialdemokraten leitet, vor, Materialien von Neonazi-Organisationen zu verbreiten. In der Tat wurden auf Facebook Bilder von Ministerpräsident Sanader in Nazi-Uniform hochgeladen.

Das sei zwar, wie Oppositionsführer Zoran Milanovic erklärte, geschmacklos - aber eben nicht illegal, zumal der satirische Kontext klar erkennbar gewesen sei. Trotzdem führte die Polizei eine Durchsuchung von Klecaks Wohnung durch. Als diese nicht die erwünschten Ergebnisse brachte, wurde ihm angeblich vorgeworfen, Kinderpornographie zu besitzen. Allerdings lief auch diese Anschuldigung ins Leere und der junge Mann musste freigelassen werden.

Der Ministerpräsident Sanader sieht sich mittlerweile durch die Handlungen der Polizei tatsächlich in der Defensive. "Niemand in Kroatien wird wegen seiner Ansichten festgenommen", erklärte er nun gegenüber der Presse. Gleichzeitig forderte er Berichte vom Innenminister und dem Polizeidirektor an, stellte aber klar: "Die Beamten machen ihren Job, ganz unabhängig davon, was der Premierminister oder andere Minister darüber denken."

Der festgenommene Klecak dagegen beharrt auf seiner Deutungsweise, die Polizisten hätten "auf Anweisung aus Zagreb" gehandelt. Auf Facebook sammeln sich unterdessen Unterstützer des Dissidenten - unter anderem in einer Gruppe namens "Brecht bei mir ein, ihr Möchtegern-Gestapos. Kroatien ist kein Polizeistaat!" (Simon Columbus)

(via Global Voices Advocacy, thanks!)

Bookmark and Share

7 Reaktionen aus dem gulli:Board

gewgrom am 04.12.2008 01:30:18:
Und trotzdem leben wir im "real existierenden Kapitalismus" der unsägliches Leid über Umwelt und Menschheit bringt - leider objektive Aussage. Es ist Zeit nach Alternativen zu suchen.....

am 04.12.2008 04:00:45:
Und trotzdem leben wir im "real existierenden Kapitalismus" der unsägliches Leid über Umwelt und Menschheit bringt - leider objektive Aussage. Es ist Zeit nach Alternativen zu suchen.. Wieso, wir die "Erste Welt", verbrauchen doch nur 85% der weltweiten Ressourcen inkl. Na...

titus_shg am 04.12.2008 08:32:17:
Wie war das wurde nicht noch ein paar Threads weiter unten das es in der EU NIE mals so weit kommen würde das das KiPo Argument einfach so raus holen würde um Überwachung zu rechtfertigen. Wenn man das schon bei normalen Durchsuchungen macht wie viel Skruppel gibt es denn dann...

 

© 1998-2010 gulli.com | Suche

Seite druckenArtikel empfehlengulli RSS News Feedsgulli twittertgulli:NewsletterSeitenanfang

Suche

Verwandte News

Facebook: Soziales Netzwerk ignoriert Sicherheitslücke über 4 Monate
Menschenrechtler: Flickr und Facebook zensieren Accounts
Großbritannien: MI6 rekrutiert neue Mitglieder auf Facebook
Ägypten: Kampf gegen Facebook-Aktivisten
Social-Networking: Britische Regierung will Werbeflächen auf Facebook und MySpace für staatliche Telefon-Hotline