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Kinderporno-Sperren: Italiens Zensurliste analysiert

gullinews am Montag, 22.06.2009 16:50 Uhr

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Wikileaks hat einen Teil der geheimen italienischen Zensurliste veröffentlicht. Eine Analyse von gulli:news zeigt: Es ist wenig dran an den Behauptungen der Zensurverfechter.

Insgesamt 287 in Italien gesperrte Seiten haben die Whistleblower von Wikileaks veröffentlicht. Wir haben 29 per Zufall ausgewählte URLs überprüft und nachgeschaut, ob sich auf den Seiten tatsächlich Kinderpornographie befindet.

Das Ergebnis ist eindeutig. Zwar mag es sein, dass ein Teil der abgebildeten Personen noch keine 18 Jahre alt ist. Die missbrauchten Kleinkinder, die Frau von der Leyen immer wieder anführt, finden sich allerdings nirgends. Auf neun, d.h. einem Drittel der Seiten, sind es sogar eindeutig erwachsene Darsteller.

Auch eine zweite, gerne wiederholte Aussage der Zensurbefürworter lässt sich mit dieser Liste nicht bestätigen. Nirgends findet sich ein Hinweis darauf, dass hier eine große Industrie an Kinderpornographie verdient. Die italienischen Behörden zumindest scheinen dieser nicht auf die Spur gekommen zu sein. In der Tat sind alle überprüften Seiten selbst gar keine Anbieter von pornographischen Inhalten, sondern lediglich Aggregatoren.

Sollten sich tatsächlich URLs auf der Liste befunden haben, unter denen Kinderpornographie verbreitet wurde, gehören diese zu den neun bereits gelöschten Seiten. Bei gut einem Drittel der Liste lohnt sich also gar keine Sperre mehr, da die Inhalte bereits nicht mehr zugänglich sind.

Als ebenfalls interessant hat sich die Frage erwiesen, in welchen Ländern die Server stehen. Für die italienische Liste gilt, was bereits vorher allgemein bekannt war: Der Großteil der Domains ist in den USA registriert. Das betrifft hier neun Seiten, also wiederum gut ein Drittel. Auch in der EU (fünf Seiten) sollte sich eine Strafverfolgung nicht allzu schwierig gestalten, dasselbe gilt für Südkorea (eine). Lediglich fünf Seiten, also ein Viertel der noch laufenden, sind in anderen Ländern angemeldet - in Russland (zwei), Ecuador (zwei) und Kroatien (das sich als EU-Beitrittskandidat wahrscheinlich ebenfalls kooperativ zeigen dürfte).

Damit ist auch die dritte immer wieder zur Rechtfertigung von Sperren vorgebrachte Aussage widerlegt. Die Seiten auf den Zensurlisten stehen nicht in Entwicklungsländern, sondern zum größten Teil in Europa und den USA.Das Ergebnis ist also eindeutig: Es gibt, zumindest auf der italienischen Zensurliste, keine Kinderpornographie. Diese wird nicht kommerziell vermarktet und die Server stehen nicht in der Dritten Welt. Was übrig bleibt ist eine hochgefährliche Zensurinfrastruktur.

Wikileaks selbst gibt sogar an, auf der Liste befänden sich Seiten, die gar nichts mit Pornographie zu tun hätten. Das scheint bei den von gulli:news getesteten URLs in einem Fall zuzutreffen. Dabei handelt es sich um eine südkoreanische Seite. Das stimmt überein mit der Aussage von Wikileaks, auch Webangebote von ausländischen Unternehmen oder Institutionen seien betroffen, genauso wie Foren.

Die von Wikileaks veröffentlichte Liste umfasst allerdings nicht alle in Italien zensierten Seiten. Wikileaks hat sich zu Nutze gemacht, dass Italien wie Deutschland auf DNS-Sperren und eine Stoppseite setzt, und die laut Alexa.com im November 2008 1.000.000 meistaufgerufenen Domains auf diese geprüft. Das genaue Verfahren lässt sich dort nachlesen. (Simon Columbus)

tagsTags: sperrliste

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199 Reaktionen zu dieser Nachricht
  • eliveo am 03.12.2009 10:58:22

    Ich sehe das im Übrigen wie ihr, bzw. wie gut 80% von euch....

  • Gohr am 01.12.2009 17:14:48

    Ich weis ja nicht, aber ist es nicht irgendwie dämlich so eine Liste zu veröffentlichen? :rolleyes: Ich kannte diese Seiten vorher doch gar nicht, und das ist auch besser so. Nun, man weis ja, wir Menschen sind neugierig. Jetzt werde auch ich mal einen Blick auf diese S...

  • titus_shg am 04.07.2009 18:11:50

    Na komm. Also langsam schlägts in reine Verbitterung um. Nein, würde ich so nicht sehen. Oder ist in meinen Zeilen irgendwas enthalten, was inhaltlich falsch ist? MfG Andy...

  • SkyLiner_360 am 04.07.2009 15:42:47

    Mir wäre das jetzt viel zu blöd so eine Seite zu besuchen( aus der Liste) 1. Weil ich den scheiss nicht sehen will und 2. Da oft genug die Polizei bei Personen war, die nur zufällig auf solchen Seiten gelandet sind. Dann nimm doch TOR! Dann weiß niemand mehr zu wem du ei...

  • MrDraco am 04.07.2009 15:16:32

    Mache ich mich strafbar wenn ich: Paris, Griechenland, Iran GG §20 und ähnliches erwähne?...

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