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06. Dezember 2006

Killerspiele Warum nicht mal mit den Spielern reden?

Die hysterische Debatte um vermeintliche "Killerspiele" zeichnet sich dadurch aus, dass in erster Linie über Spiele und ihre Anhänger geredet wird. Von Fakten wollen sich zahlreiche Diskutanten nicht verwirren lassen, denn von einem Austausch mit den Personen, über deren Hobby per Gesetz bestimmt werden soll, kann keine Rede sein. Die Spieler melden sich nun zu Wort - ob sich jemand aber auch mit ihnen unterhalten will, statt bequemerweise weiter über sie zu reden?

Roman Zoch und Eugen Ederle haben das Portal BetPlayer.net entwickelt. Dort können Hobby-Gamer Duelle und Turniere um Geld bestreiten - und ihren Skill in "Killerspielen" wie CounterStrike zu Geld machen. In der Szene dürften sich die beiden bestens auskennen. Ihr Urteil zur aktuellen Diskussion: "Die Debatte ist von Distanz und Unkenntnis geprägt!"

Die Diskussion um „Killerspiele“ verfolgen die Unternehmer mit wachsendem Unverständnis - schließlich kann man auf ihrem Portal auch in Ego-Shootern gegeneinander antreten.

"Es geht nicht um das 'Killen' in solchen Spielen, sondern darum, den Gegner durch strategisches Verhalten zu bezwingen und seine Mission zu erfüllen“, so das Statement Zochs. Das klassische Außenseiter-Stereotyp, welches bei Amokläufern in der Vergangenheit beobachtet wurde, sei bei den Spielen ein entscheidender Nachteil. "Ohne ein funktionierendes Team bist Du eine Null", sagt Zoch.

Auch die Zockercommunity selbst trage aktiv zum Verhindern von Vereinzelung und Isolation bei.

"Wir haben uns beispielsweise über die Mitgliedschaft in einem Clan und bei entsprechenden Treffen persönlich kennengelernt. Wir sind Teil einer großen Gemeinschaft von Spielern aus Deutschland und der ganzen Welt. ... All diese Aspekte werden bei der Debatte überhaupt nicht berücksichtigt."

So die Betreiber, die eine völlige Fehldarstellung der Gamer-Welt in der Öffentlichkeit diagnostizieren. Vertreter der Gaming-Branche kämen beispielsweise bei TV- Diskussionsrunden wie "Sabine Christiansen" kaum oder gar nicht zu Wort.

Ähnliche Erfahrungen machte die bislang größte und älteste Petition gegen das Verbot von PC Spielen, www.pro-games.biz. Über 23.000 Unterzeichner halfen nicht, um in der Öffentlichkeit oder in der Politik wahrgenommen oder gar angesprochen zu werden.

"Wieso werden solche Taten nicht genauer analysiert? Wieso hinterfragt man nicht das wahre Leid, das hinter so einer Tragödie steckt? Es hat keinen Tag gedauert, bis die Medien und die Politik einen Sündenbock hatten, die "Killerspiele". Ohne auch nur einmal den Hintergrund betrachtet zu haben."

fragt es auf pro-games.biz - zurecht. Denn von den Begründungen Sebastian B.'s für seinen Amoklauf ist in der aktuellen Diskussion in der Politik nichts zu lesen. Erwartungsgemäß werden zwar die populistischen Forderungen beispielsweise des bayerischen Innenministers Günther Beckstein kritisiert und zurückgewiesen: Schleswig-Holsteins Innenminister Ralf Stegner widerspricht Becksteins Abkürzung des Denkvorgangs. Laut www.heise.de/newsticker/meldung/82084/ heise seien seiner Ansicht nach Eltern gefordert, "ihren Kindern ein familiäres und soziales Umfeld zu schaffen, sodass diese sich in der realen Welt zurechtzufinden, statt sich in der virtuellen Welt zu verlieren."

Was hübsch klingt, an der Sache jedoch vollkommen vorbeigeht, da einmal mehr das Zocken mit dem "Sich-Verlieren in der virtuellen Weit" gleichgesetzt wird.

Faktenfreie Debatten unter Ausschluss derer, um die es geht - das Niveau der Diskussion bewegt sich auch lang nach dem Amoklauf Sebastian B.'s auf dem Niveau der Christiansen-Parodie in der taz zum Thema. Ob BetPlayer oder pro-games etwas daran ändern können?

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