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11. Dezember 2006
Killerspiele Medialog e.V. ruft zum Protest gegen geplantes Verbot aufZur "Versachlichung der Argumentation und zur Rückkehr in den rationalen Diskurs" ruft der Medialog e.V auf und gewann dafür in einer Woche schon über 4.000 Unterschriften gegen Computerspiel-Verbote. Die Unterschriftensammlung soll als Protest zusammen mit einem offenen Brief dem Bundestag übergeben werden, um als Argument gegen die Verbotsbestrebungen zu dienen. Vom Schüler bis zum Universitätsprofessor, vom Systemadministrator bis zum Staatsanwalt finden die Initiatoren Unterstützer für ihr Anliegen. Trotz des Anfangserfolg gibt sich der Vorstandsvorsitzende von Medialog, Pierre Kretschmer, eher pessimistisch: "Dass diese Verbotsforderung jetzt immer konkreter wird, lässt befürchten, dass die über Wochen geführte, stellenweise völlig unsachliche Debatte bereits Früchte getragen hat. Kaum jemand scheint es noch zu interessieren, ob zum Beispiel Niedersachsens CDU-Innenminister Schünemann wirklich weiß, wovon er im Stern-Interview* spricht, wenn er dort Spiele und Spieler durch die Bezeichnung 'pervers' offenbar als pathologisch zu stigmatisieren versucht und Position für eine breit angelegte Kriminalisierung von Spielern bezieht." Die geforderte "Versachlichung der Diskussion" machen die Initiatoren beispielhaft vor: selbst in ihrem Offenen Brief lassen sie beide Seiten ausführlich zu Wort kommen, um jedoch fundiert zu belegen, dass die Verbotsforderungen am Ziel völlig vorbeigehen, Spieler unnötig kriminalisieren und zudem wirkungslos in Bezug auf potentielle Amokläufe oder die allgemeine Gewaltbereitschaft der Jugend sind. Der kritisierte Innenminister Schünemann spricht im Stern in der Tat erschreckend wirklichkeitsfremden Klartext. Eine massive Kriminalisierung der "Killerspiele" sieht er nicht als Problem. Nach dem Vorbild der Ermittlungen gegen Kinderpornografie-Angebote können laut Schünemann Ermittlerteams gebildet werden, die Killerspiel-Angebote und -Downloads im Netz aufspüren. Anschließend können dann Ermittlung des Downloaders und anschließende Hausdurchsuchung folgen: "Diejenigen, die die brutalen, verbotenen Spiele spielen, müssen damit rechnen, dass sie dingfest gemacht werden. Das halte ich auch für richtig." Damit trifft die Analyse Medialogs vollkommen zu, die den Verbotsforderern vorwerfen, nicht zur Kenntnis zu nehmen, dass "...ihre Sichtweise eindimensional und falsch ist, wie immer wieder von Psychologen, Medienwissenschaftlern, Jugendschützern und vielen aus der Öffentlichkeit entgegengehalten wird". Welches Spiel Schünemann meinte, als er fabulierte, fürs "...Arm-Abtrennen gibt es 100 Punkte, fürs Kopf-Abtrennen 1000 Punkte. Das ist pervers und gehört sofort verboten.", fand Netzpolitik bislang noch nicht heraus. Der Stern zitierte den Minister, der sich "diese Szenen aus mehreren Spielen zeigen [hat] lassen.". Ein Grund für die zu erwartende Unwirksamkeit von Totalverboten sei laut Medialog e.V. der Umstand, dass die Spiele mittels des weltweiten Internetangebots aus dem Ausland bestellt oder herunter geladen werden können. Das Softwareangebot wäre demnach unmöglich zu begrenzen und die geforderten Maßnahmen würden dadurch lediglich Teile der bundesdeutschen Wirtschaft treffen. Mit der Umsetzung des Verbots rechnet Schünemann jedoch mit "...100-prozentiger Sicherheit, weil die Innenminister der Union bereits vor einem Dreivierteljahr eine solche Initiative beschlossen haben. Zudem ist die Absicht auch in der Koalitionsvereinbarung der großen Koalition fest geschrieben. Ich habe auf der Berliner Ebene bislang keine Stimme gehört, die ein Verbot der "Killerspiele" ausgeschlossen hätte. Ich bin mir ganz sicher, dass wir über eine Bundesratsinitiative ein weit gehendes Verbot der "Killerspiele" erreichen werden." Auf ein pikantes Detail gehen im Interview leider weder Stern noch Schünemann ein: der selbsternannte Killerspielexperte ist Mitglied im Schützenverein "Sportschützen-Club Holzminden". Ein Schelm, der böses dabei denkt. Die Unterschriftensammlung findet auf der Seite der Aktion statt. Zusätzlich kann über das Thema diskutiert werden. Verwandte News
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