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10. Mai 2008

Kein Geld für eigenes Musikvideo? Britische Band ließ sich von Überwachungskameras filmen

Sowohl der aktuelle Spielfilm "Faceless" von Manu Luksch als auch Nino Leitners Dokumentation "Every Step You Take" zeigten eindringlich, wie sinnlos die Überwachung durch Kameras ist. Die britische Band "The Get Out Clause" haben jetzt den Spieß umgedreht und so die Kosten für ihr Video drastisch senken können. Sie ließen sich schlichtweg dazu an achtzig verschiedenen Locations in und rund um Manchester filmen. Hinterher forderte man die so gemachten Aufnahmen ein, um daraus ein einzigartiges Musikvideo zu erstellen.

Bei geschätzten 13 Millionen CCTV-Kameras in Großbritannien war es nicht schwer, genügend passende Plätze in ihrer Heimatstadt Manchester aufzutreiben.

Warum selber Geld in die Ausrüstung investieren, wenn uns gesetzlich zugesagt wird, dass wir im Nachhinein Kopien der Aufnahmen bekommen können, fragten sich die findigen Bandmitglieder. Nach der Performance forderten sie von den zuständigen Behörden und Firmen die Aufnahmen, um an ihr Bildmaterial zu kommen.

"Wir wollten etwas produzieren, dass gut aussieht und nicht zu teuer wird", so Gitarrist Tony Churnside über den abgefahrenen Dreh.

Nur ein Dutzend Firmen haben ihre Auflagen erfüllt und den Musikern das Material ausgehändigt. Grund dafür war wahrscheinlich unter anderem, weil die Unternehmensleiter schon ahnten, wofür ihre Mitschnitte benutzt werden sollten. Gerade die kleineren Firmen erfüllten die Auflagen des "Data Protection Act" und versorgten die Band mit Videos von insgesamt zwanzig Locations, der Bus der Crew war immer mit von der Partie. Als Grund für eine Ablehnung wurde unter anderem angegeben, die Daten wären in der Zwischenzeit schon wieder gelöscht worden.

Das offizielle CCTV-Musikvideo "Paper" von The Get Out Clause

Der österreichische Dokumentarfilmer Nino Leitner betonte in einem gestrigen Gespräch mit der Gulli-Redaktion in Wien, wie schnell Regierungsvertreter wie auch die Bevölkerung die immer wiederkehrenden Ankündigungen von Polizeivertretern vergessen würden. Erst kürzlich hatte der Abteilungsleiter für Videoüberwachung beim Scotland Yard bekannt gegeben, dass die Videoüberwachung an sich ein sinnloses Unterfangen sei. Die Leute würden solche Aussagen nach kurzer Zeit schlichtweg vergessen, bis der nächste Sprecher wenige Monate später ganz ähnliche Erkenntnisse bekannt gibt. Nino Leitner, der Autor der Dokumentation "Every step you take" befürchtet, die Zahl der sogenannten CCTV-Kameras wird sich in Großbritannien so schnell nicht verringern, die Sache hätte sich in den letzten Jahren zum Selbstläufer entwickelt.Nino Leiter, Every Step you take, Dokumentation, CCTV, Kameras, Überwchung

Auch ließ er im Gespräch anmerken, dass auch in seinem Heimatland Österreich die Zahl der aufgestellten Kameras langsam aber stetig wachsen würde. Bleibt zu hoffen, dass sich die Regierungen in den anderen Ländern der EU kein Beispiel an Großbritannien nehmen werden. Zu der ausufernden Zahl der Kameras ist es in Großbritannien nach zahlreichen Ausschreibungen gekommen, bei denen die Städte und Gemeinden finanziell bei der Installation der Geräte unterstützt wurden. Auf den laufenden Kosten und der Tatsache, dass diese Menge an Bildmaterialien unmöglich überprüft werden kann, bleiben die Stadtkämmerer und Leiter der Gemeinden jetzt allerdings sitzen. Auch die Kriminalitätsraten haben sich dadurch nicht reduzieren lassen, wie man ursprünglich hoffte.

(Via Boing Boing & Telegraph)

  • 11 Kommentare zum Artikel
  • Zitat: Zitat von gullinews Bei geschätzten 13 Millionen CCTV-Kameras in Großbritannien war es nicht schwer, genügend passende Plätze in ihrer Heimatstadt Manchester aufzutreiben. Was??? 13 Millionen Kameras? Ich wusste, dass in London überall welche sind, aber so viele? Eine unglaubliche Zahl.

    hippikilla am 10.05.2008 18:14
  • Da waren wohl auch Handkamera-Aufnahmen dabei... so wie das gewackelt hat, sowas macht Digitalzoom nicht, außerdem haben die Zeitcodes gefehlt. PR-Gag, mehr leider nicht... Qualität reicht sicher höchstens für Youtube, und der Aufwand war mit Sicherheit das "gesparte" Geld nicht wert.

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