gulli: Jugendschutz vs. Assoziations-Blaster: Netzkunst offensichtlich schwere Jugendgefährdung

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11. Dezember 2007

Jugendschutz vs. Assoziations-Blaster Netzkunst offensichtlich schwere Jugendgefährdung

Wenn Jugendschutz.net nicht gelegentlich für Ärger sorgen würde, könnte man sich über die "gemeinnützige GmbH" trefflich amüsieren: nur wenig noch sinnlosere Seiten und Initiativen sind im deutschsprachigen Internet zu finden. Leider machen sich die selbsternannten Sittenwächter mit gelegentlichen Forderungen nicht nur lächerlich, sondern sorgen für überflüssigen Stress von hart rockenden Netzkünstlern.

Ein solcher ist Alvar Freude, der zusammen mit externer Link in neuem Fenster folgtDragan Espenschied den externer Link in neuem Fenster folgtAssoziations-Blaster aus der Taufe hob, weiter mit dem externer Link in neuem Fenster folgtFreedom Fone, externer Link in neuem Fenster folgtodem.org und einer ganzen Reihe weiterer Kunst-, Protest- und Kommunikationsprojekte das Internet zu einem etwas angenehmeren Ort machen. Der Assoziationsblaster sorgt gelegentlich für Ärger: so begriff die Deutsche Bahn vor Jahren nicht den Unterschied zwischen einem Proxy und einem Webserver und forderte die Sperrung einer "geblasterten" Version der Zeitschrift "Radikal", welche eine Anleitung zur Bahnsabotage enthielt.

Ähnlich hanebüchen die jetzige Beschwerde von jugendschutz.net. Unter dem Stichwort "Frischfleisch" findet sich im Blaster unter anderem folgender Text:

"Endlich Sommer! Die Bekleidung wird knapper und lädt zur Fleischbeschau ein. [...] Unwillkürlich frage ich mich, wie sich dieser junge, muskelbepackte Russe wohl in meinem Schlachtraum machen würde. Natürlich würde ich ihn mit einer Spritze gefügig machen. [...] Aus ängstlichen Augen sieht mich der Bengel an, aber ich kenne kein Mitleid. ich packe seinen Kopf, beuge ihn nach hinten und schneide die Kehle durch. Der Junge röchelt, das Blut strömt, dann erschlafft er. Zufrieden lasse ich ihn herunter und verfrachte ihn auf den Ausbeintisch, wo ich den schlanken Bengel ausnehme und zerlege."

Achtung, dieser Text ist nach Ansicht von Jugendschutz.net eine "offensichtlich schwere Jugendgefährdung". Schwach besaitete Jugendliche sind hiermit gewarnt und sollten gegebenenfalls von der Lektüre absehen.

Assoziations-Blaster Maskottchen BlastiFreude dazu:

"Hier wird eine wirre Phantasie geäußert, dennoch muss man sich fragen, ob alles, was wirr ist, verboten gehört?"

Man muss nicht nur fragen, man muss auch mit "Nein" antworten. Ansonsten ein guter Teil der Weltliteratur wohl nicht mehr frei verkauft oder gar beworben, sondern allenfalls gegen Vorlage des Personalausweises unter der Ladentheke vertickt werden dürfte.

So absurd die Beschwerde, hat sie dennoch ihr Gutes und belegt damit, dass jugendschutz.net gelegentlich zu etwas nütze ist. Im konkreten Fall regte die umstrittene gGmbH Freude dazu an, externer Link in neuem Fenster folgteinen Text zu verfassen, welcher en Detail darlegt, warum es sich bei jugendschutz.net um eine Institution handelt, die beim Verschwinden eine Lücke hinterläßt, von der sie vollkommen ersetzt würde.

Mehr sogar: die Lücke wäre weitaus gesellschaftsdienlicher als die Institution: im Gegensatz zu jugendschutz.net muss eine Lücke weder öffentliche noch private Gelder auftreiben und zu diesem Zweck auch keine Propaganda betreiben:

"Nur ein Teil der benötigten Gelder kommt von den Obersten Landesjugendbehörden. Sie müssen also, wie jede normale Firma, Akquise betreiben und Projekte an Land ziehen. Dafür wäre es natürlich wenig hilfreich, wenn das Internet gar kein so wirklich gefährlicher Ort für Kinder wäre – also müssen permanent neue Gefahren gesucht werden, vor allem nachdem die Pornobranche in Deutschland deutlich gezähmt ist."

So Freude zur Selbstlegitimation des Unternehmens, von der er den Bogen schlägt bis zur Angst von Politik und Wirtschaft vor einem Medium, welches direkte Kommunikation zwischen Bürgern ermöglicht, ohne dass sich die bisherigen Gatekeeper - Medienunternehmer, Zensoren, staatliche Überwachungs- und Kontrollstellen - dazwischen schalten können. Eine Alptraumvorstellung - für manche Leute.

Einen der zentralen Kritikpunkte an jugendschutz.net wird von Freude gar nicht einmal aufgegriffen: dass die Institution mit ihren angeblichen Erfolgsgeschichten suggeriert, das Internet von Schmutz und Schund "reinzuhalten", kann zum fatalen Missverständnis führen, dass naive Eltern von einem sauberen, jugendfreien Internet ausgehen und ihre Kinder entsprechend unvorbereitet an den Rechner lassen.

Schöne Pointe zum Schluss: als gGmbH sollte die Webseite ihren Rechtsstatus auch im externer Link in neuem Fenster folgtImpressum führen. Weder dort noch in ihren Mailanschreiben taucht dieser indessen auf.

  • Naja über sin und zweck solcher "gruppierungen" (ja ich nenne sie jetzt so ^^) kann man natürlich streiten doch wo mir warscheinlich alle beipflichten werden ist das der am meisten jugendgefährdende inhalt Im internet die seite jugendschutz.net ist jetzt werden sich einige fragen wie ich darauf komme ? Klar die machen winzige teile des netzes vieleicht "sauberer" nur sind da millarden von seiten die nicht sauben sind und es nie ...

    BluePeer am 12.12.2007 03:56
  • Bullshit! Merkt ihr überhaupt noch was?!? Internetfreiheit und Schutz vor Zensur ist ja schön und gut und ich möchte auch nicht, dass der "Große Bruder" mir beim surfen ständig auf die Finger schaut! Allerdings ist keine Freiheit ohne Grenzen: Wenn da so ein perverses Schwein über den Mord an einem Kind fantasiert, hat das mit Kunst rein gar nichts zu tun. So jemand sollte sich nicht in Freiheit befinden, sondern in einer geschlossenen ...

    surfingdude am 13.12.2007 03:27
  • Zitat: Zitat von surfingdude  Hier stellt sich auch die Frage gar nicht, wessen Freiheit hier wohl das höherwertige Rechtsgut darstellt, es ist eindeutig die Freiheit eines Kindes auf körperliche Unversehrtheit. Also dürfte man deiner Meinung nach auch keinerlei Menschenrechtsverletzende Szenen in zB. Büchern schildern??? Es geht hier ja nicht um einen Text der Seitenmacher sondern um user ...

  • Zitat: Zitat von surfingdude  Bullshit! Merkt ihr überhaupt noch was?!? Internetfreiheit und Schutz vor Zensur ist ja schön und gut und ich möchte auch nicht, dass der "Große Bruder" mir beim surfen ständig auf die Finger schaut! Allerdings ist keine Freiheit ohne Grenzen: Wenn da so ein perverses Schwein über den Mord an einem Kind fantasiert, hat das mit Kunst rein gar nichts zu tun. So jemand sollte sich nicht in ...

    BluePeer am 13.12.2007 04:57
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