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09. Mai 2007

Jack Thompson vs. Wendy's Burgerbrater würde Killerspiele bewerben

Wer denkt, die deutsche Killerspieldebatte sei an Merkbefreitheit nicht zu übertreffen, hat in letzter Zeit häufig Gelegenheit, sich bei einem Blick über den großen Teich eines besseren belehren zu lassen. Dort beweist der notorische US-Staatsanwalt Jack Thompson regelmäßig, dass keine seiner Beschwerden und Klageversuche so absurd ist, dass er ihn selber nicht nochmals überbieten kann. Mit seiner Beschwerde beim Hamburgerbrater Wendy's hat er die Messlatte nun aber in kaum zu übertreffende Höhe gelegt.

Man stelle sich vor, einer der deutschen Hardliner in der Killerspieldebatte würde sich beim SPIEGEL beschweren, weil dieser in der Printausgabe Werbung für Dell-Computer macht. Begründung: auf Dell-Rechnern läuft schließlich das Spiel GTA San Andreas, und das mache Jugendliche zu Straßenrowdies und Kriminellen. Absurd? Absurd. Nur: ungefähr genau das betreibt Thompson - die Namen der Beteiligten sind andere, das ist alles.

Der Tatbestand: Die Fastfood-Kette Wendy's verschenkt mit ihren Kinder-Menus Plastikspielzeug, das für Nintendos Wii wirbt - einen Kunststoff-Mario beispielsweise. Auf der Wii erscheint unter anderem (und wie auf einigen weiteren Plattformen auch) Das Spiel Manhunt II. Manhunt II erzieht, Thompsons Weltbild zufolge, zum Mord.

Der Gedankengang sollte erkennbar werden - dass jemand jedoch im Ernst so argumentiert, ist kaum vorstellbar. Nicht jedoch für Thompson: Wendy's macht Werbung für die Wii, auf der Wii erscheint Manhunt II, Manhunt II ist ein Killerspiel und Killerspiele machen Mörder. Also beschwert er sich bei Wendy's über ihr Wii-Werbeprogramm.

Geklagt hat Thompson allerdings nicht, und es ist unwahrscheinlich, dass er es darf. Mit Take Two, dem Hersteller von Manhunt, hat sich Thompson externer Link in neuem Fenster folgtvor kurzem geeinigt, nachdem sich Hersteller und Staatsanwalt vorher gegenseitig verklagten. Unter anderem darf Thompson die Spieleschmiede nicht mehr als kriminell bezeichnen. Zuvor versuchte Thompson, Take Two und ihr Händlernetzwerk externer Link in neuem Fenster folgtals "kriminelle Vereinigung" zu verklagen.

  • 11 Kommentare zum Artikel
  • Zitat: Zitat von Hagenuk  Da er aber wahrheitsgemäß angab, ins eigene Haus eingebrochen zu sein, wurde er zusätzlich wegen Einbruch verurteilt. LOL haste dafür belege oder so? kann ich mir kaum vorstellen. würd mich über quellen jeglicher art freuen

    Wandang am 10.05.2007 17:16
  • Zitat: Zitat von greenspirit  Jack Thompson ist Anwalt nicht Staatsanwalt Das mindert das Ganze aber nur insofern, als das er so nicht -zumindest nicht direkt- dem Steuerzahler auf der Tasche liegt. Aber ganz ehrlich: Was anderes als FREAK fällt mir dazu nicht mehr ein. Ich fand ja die Leute schon peinlich und verquer, die sich über GTA und das *mirfälltdernamevondemnacktmodnichmehrein* ...

    Schattenspieler am 15.05.2007 06:34
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