gullinews am Mittwoch, 19.11.2008 00:50 Uhr (Rating: 


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Derakhshan wanderte bereits 2000 nach Kanada aus, weil die Zeitschriften, für die er im Iran arbeitete, regelmäßig verboten wurden. Nachdem er 2001 angefangen hatte, ein Blog unter dem Titel "Sardabir: khodam" (Editor: Myself) zu führen, wurde Derakhshan vor allem dafür bekannt, seinen iranischen Landsleuten das Bloggen näher gebracht zu haben. Manche nennen ihn daher auf "Blogfather", den Paten von Blogistan, wie die iranische Blogosphäre bezeichnet wird.
Weil es anfangs noch keine Möglichkeit gab, bei Googles Bloganbieter Blogger.com auf Farsi (Persisch) zu schreiben, da das Angebot keine Unicode-Unterstützung hatte, verfasste Hoder Anleitungen, wie man trotzdem ein Blogger.com-Blog auf Farsi führen konnte. Ihm wird ein nennenswerter Anteil daran zugeschrieben, dass Farsi zwischenzeitlich als die vierthäufigste Sprache in Blogs weltweit war.
Derakhshans Beziehung zu den iranischen Machthabern war alles andere als einfach. Er saß einige Tage lang vor seiner Ausreise nach Kanada im Gefägnis, später wurde sein Blog auf den Index gesetzt und ist seit 2004 im Iran gesperrt. Den Höhepunkt erreichte seine Kritik an dem iranischen Regime im Jahr 2006, als Derakhshan unter Benutzung seines kanadischen Passes nach Israel einreiste.
"Das könnte heißen, dass ich für eine lange Zeit nicht in den Iran zurückgehen kann, weil der Iran Israel nicht anerkennt, keine diplomatischen Beziehungen mit ihm hat, und offenbar das reisen dorthin als illegal ansieht. Zu schade, aber mir ist das egal. Glücklicherweise bin ich kanadischer Staatsbürger und ich habe das Recht, jedes Land zu besuchen, das ich will. Ich gehe nach Israel als ein Bürgerjournalist und Friedensaktivist. Als ein Bürgerjournalist werde ich meinen täglich 20.000 iranischen Lesern zeigen, wie Israel wirklich aussieht und wie die Menschen dort leben. Die Islamische Republik hat Israel lang genug als bösen Staat dargestellt, mit der einstimmigen politischen Agenda, jeden Mann und jede Frau umzubringen, die zu Allah beten, inklusive Iranern. Ich werde dieses Bild angreifen. Als ein Friedensaktivist werde ich den Israelis zeigen, dass die große Mehrheit der Iraner sich nicht mit Ahmadinedschads Rhetorik identifiziert, ganz gleich wie es von außen aussieht. Ich werde ihnen erzählen wie jede Art von Gewalt gegen den Iran nur den jungen Menschen schaden würde, die Schritt für Schritt das System reformieren, und wie die Radikalen von einer solchen Situation profitieren würden."
Derakhshan musste seit diesem Unternehmen bei seiner Wiedereinreise in den Iran eine Höchststrafe von zwei Jahren Gefängnis erwarten. Auf der anderen Seite verfasste Derakhshan noch im selben Jahr einen Artikel, in dem er sich gegen ein Atomwaffenverbot für den Iran stellte. In einem weiteren Text, ebenfalls 2006 erschienen, verteidigte er den Iran vehement gegen westliche Kritik:
"Ich glaube, die Islamische Republik ist eine wertvolle Sache, die es wert ist verteidigt zu werden, und an ihrer schlimmsten Seite um Welten besser ist als alles, was die USA oder irgendwer sonst dem Iran bringen können. Wenn die USA einen Krieg gegen den Iran planten, würde ich auf jeden Fall zurückgehen und den Iran verteidigen."
Diese Aussagen haben dazu geführt, dass Derakhshan in den vergangenen Jahren dem Vorwurf der Kollaboration mit den iranischen Herrschern ausgesetzt war. Nachdem er vor drei Wochen trotz der drohenden Haftstrafe in den Iran einreiste, wurde Hossein Derakhshan Medienberichten zufolge gestern in Tehran verhaftet. Der Vorwurf lautet ersten Berichten zufolge auf "Spionage für den Staat Israel". (Simon Columbus)
(via Global Voices Advocacy, thx!) (Bild via Wikimedia)
| 10 Reaktionen aus dem gulli:Board |
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Sassanid am 19.11.2008 18:08:56: |
Simon_Columbus am 19.11.2008 18:59:46: |
Schattenspieler am 19.11.2008 22:47:28: |