gullinews am Mittwoch, 21.11.2007 16:05 Uhr
Denn dass er einigermaßen intelligente Leute mit seiner mysteriösen Software ausspähen kann, widerlegt Ziercke in seinen Argumentationen erstaunlich eloquent selbst. Dass viele Verdächtige über offene Hotspots ins Netz gingen, gab Ziercke ebenso zu wie die Probleme, die seine Behörde bereits mit dem Auswerten von vor Ort verfügbaren Daten hat: 300.000 Dateien, 2,5 Terabyte schwer sind die Daten, die nach den angeblichen Attentatsplänen Anfang September in die Hände der Ermittler fielen. Wer schon bei direktem Zugriff hier nicht die relevanten Informationen ausfiltern kann, wird das heimlich online erst recht nicht können.
Die "Remote Forensic Software", diesmal ein "Unikat", das maßgeschneidert für die jeweiligen Ermittlungsfälle angefertigt werden, aber dennoch für alle Arten von Einsätzen geeignet sein soll und eine Reihe weiterer wundersamer Eigenschaften mitbringt, beispielsweise "dass auf dem Zielsystem keine Daten manipuliert werden, (und) der gesamte Einsatz umfangreich forensisch dokumentiert (wird)", spricht einmal mehr für sich. Völlig entlarvend zu guter Letzt das Zitat bei heise:
"Sollten wir einen Anschlag durch die Festnahme eines DAU verhindern, werden auch diese Berufskritiker erleichtert sein."
Würden Sie eine Bombenbau-Anleitung von diesem Mann befolgen, nachdem Sie sie aus dem Netz geladen haben?
Obwohl ein DAU dieser Dummheit sich beim Bau einer Bombe nach Anleitung aus dem Internet vermutlich am ehesten den eigenen Kopf wegsprengt, schaffte es Ziercke damit auf die internationale Nachrichtenbühne. Und einmal mehr entstellt er sein Gerede von den wenigen und zielgerichteten Terror-Fahndungen mit den geforderten neuen Methoden zur Kenntlichkeit: beklagt wird dort in einem Atemzug
"...die Verbreitung von Kinderpornografie, Organisiertes Verbrechen, Wirtschaftskriminalität, Industriespionage und sogar die Vorbereitungen terroristischer Akte."
Stellvertretend für die Kritiker Fefes Replik:
"Wirklich persönlich nehme ich aber die Ansage, ich würde den Terrorismus schön reden. Vielleicht will da mal ein Jurist was zu sagen, ob das bereits justiziabel ist. Dieser Mann ist so derartig untragbar, das geht echt gar nicht mehr. Und vor allem gehört mal derjenige gefeuert, der dem Ziercke sein Internet morgens immer ausdruckt."
Dem ist nichts hinzuzufügen. Außer vielleicht, dass eine ordentliche Praxisausbildung bei der Bundeswehr kein "virtuelles Terrorcamp" und keine Online-Anleitung zum Bombenbau oder zum korrekten Bedienen einer AK 47 ersetzen kann. Insofern: wenn Ziercke Ausbildungen verbieten will, die zum Verüben von Anschlägen wirklich effektiv vorbereiten, kann er bei den praxisnahen Formen anfangen. Aber das ist ja nur echt und kein Internet.
| 57 Reaktionen aus dem gulli:Board |
|---|
titus_shg am 06.12.2007 23:40:46: |
GNH2k8 am 06.12.2007 23:43:49: |
Kontrolltroll am 07.12.2007 01:24:32: |
Suche
Verwandte NewsBKA-Gesetz: Montag Anhörung von Sachverständigen
Piratenpartei: BKA-Gesetz verhindern, Petition unterzeichnen!
Datenschutz vs. Datenkraken: "Anti-Terror"-Datenbank von USA und Deutschland kommt
Ziercke zur Onlinedurchsuchung: BKA-Chef mit dem Rücken zur Wand
Schäuble hält am Bundestrojaner fest