gulli: Ingenieure werden Terroristen! Die Wissenschaft warnt
30. Januar 2008

Ingenieure werden Terroristen! Die Wissenschaft warnt

Das Studium der Ingenieurwissenschaften befördert offenbar "terroristische Denkstrukturen": das wollen jedenfalls zwei britische Soziologen. Damit dürfte sich die Zahl der Personengruppen, die man als potentielle Schläfer unter Generalverdacht stellen kann, um eine vermehrt haben. Wenn man den Unsinn ernstnehmen mag - aber es ist ja kein Argument blöde genug, als dass es nicht im "Antiterrorkampf" zur Volksverdummung herangezogen wird.

Unter islamistischen Terroristen seien Ingenieure überrepräsentiert, so das Studienergebnis. Diego Gambetta, Soziologieprofessor in Oxford, fand das gemeinsam mit seinem Assistenten  Steffen Hertog von der Durham University heraus. Auch Naturwissenschaften und Medizin sind verdächtig, wenngleich auch nur in traditionell muslimischen Staaten. Die Ingenieurwissenschaften begünstigen jedoch sowohl im Westen wie im mittleren bis fernen Osten die Laufbahn als islamistischer Terrorist.

Bevor sich die Geistes- und Sozialwissenschaftler als traditionelles Rekrutierungsfeld sowohl links- als auch rechtsextremer Gruppen entspannt zurücklehnen: die Ingenieure zeigen sich nur für islamistischen Terror anfällig, nicht jedoch für die altbekannten linken oder rechten Betätigungsfelder für bewaffnete Kämpfer. Für die Studie wurde eine "Stichprobe" von 404 "Dschihadisten" herangezogen, die recht willkürlich zusammengewürfelt scheint: als Quellen bemühte man "Presse, Regierungs- und Nichtregierungsorganisationen, Webseiten... und Google."

Damit diskreditiert sich die Analyse zu einem guten Stück selbst, sollte aber trotzdem nicht voreilig abgetan werden, da sie zwei Schatten vorauswirft.

Zum einen bietet die Studie einen Vorgeschmack auf das "Profiling", welches gerne als Begründung für die Schaffung umfassender Datenbanken herangezogen wird - ist über eine große Personengruppe viel unterschiedliches Datenmaterial vorhanden, fühlen sich Ermittler häufig versucht zu rastern - anhand verschiedenster Merkmale werden "Verdächtige" konstruiert und fallen anschließend unter Verdacht bzw. verschärfte Observation.

Zum anderen zeigt sich, wie willkürlich und leicht der Flair der Wissenschaftlichkeit über eine mehr als streitbare Analyse gebreitet werden kann: man kann damit rechnen, dass die üblichen Scharfmacher auf solche Züge aufspringen und die neue Wunderwaffe im Aufspüren von "Schläfern" fordern, natürlich im Namen der allgemeinen Sicherheit. Ganz spannend wird die Geschichte dann, wenn es um die "Denkstrukturen" geht, die terroristische Orientierungen befördern sollen: konservative Orientierungen und Religiosität werden genannt. Zusammenfallend mit naturwissenschaftlich-technischer Bildung und höheren Abschlüssen sind alle Zutaten vorhanden, um schnell "explosive Mischungen" zu konstruieren, die der verschärften Beobachtung bedürfen. Stichwort "Konvertiten" - auch dafür gibt es bereits Präzedenzfälle.

Aber an sich ist das alles nichts neues: bereits kurz nach 9/11 sind ähnliche Kriterien für eine umfassende Rasterfahndung in Deutschland herangezogen worden. Erfasst wurden damals alle männlichen Personen im Alter von 18 bis 40 Jahren, die Student oder ehemaliger Student sind bzw. waren, eine islamische Religionszugehörigkeit aufwiesen und in einem Land mit überwiegend islamischer Bevölkerung geboren waren bzw. dessen Staatsbürgerschaft besaßen. Das Bundesverfassungsgericht befand Jahre später, dass die Maßnahme nicht verfassungsgemäß war: es fehlte "bereits an einer verfassungsmäßigen Rechtsgrundlage". Die Daten von 11.000 arabisch-stämmigen Studierenden seien in die Computernetzwerke von Landes- und Bundeskriminalamt und möglicherweise auch von ausländischen Behörden gelangt, zulässig sei ein

"...solcher Eingriff ... nur bei einer gegenwärtigen Gefahr für den Bestand eines Landes oder des Bundes vorgenommen.... Es sei bemerkenswert, dass das Oberlandesgericht die Auffassung vertreten habe, im Oktober 2001 habe es in der Bundesrepublik Deutschland oder zumindest in Nordrhein-Westfalen eine notstandsähnliche Situation gegeben."

Disclaimer: Der Autor ist Soziologe und hegt gewisse linkspolitische Ansichten.

  • 35 Kommentare zum Artikel
  • Zitat: Zitat von zresu Wo gibts den? Edit: Hab ihn. Und, wie findest du ihn? Ging ja schließlich auch um ne [Terroristin]Kritikerin. Oder genau gesagt um mind. 2... Ciao AOM

  • Ihr müsst euch eins merken: "Glaubt NIE einer britischen Studie". Und ihr werden in Zukunft staunen, was dort alles für Müll "erfunden" wird

    teafweak am 31.01.2008 20:46
  • Zitat: Zitat von zresu Wo gibts den? Edit: Hab ihn. Danke für den Link. Eigentlich wollte ich schon lange im Bett sein. Aber der Film ging mir doch zu sehr unter die Haut, als dass ich hätte abschalten können. Gruss Moses

  • Zitat: Zitat von Zalon Außerdem macht ein Terrorist mit Interesse z.B. an Pädagogik nicht so viel Sinn... doch, man muss ja iwie die kinder rekrutieren für den heiligen krieg

    Wandang am 19.02.2008 14:08

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