gulli: Industrie drängt auf Einführung der eCard: Ärzte und Datenschützer warnen

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22. Mai 2008

Industrie drängt auf Einführung der eCard Ärzte und Datenschützer warnen

Der Präsident von BITKOM hat auf dem 111. Deutschen Ärztetag stellvertretend für die Hightech-Industrie vor weiteren Verzögerungen bei der Einführung der elektronischen Gesundheitskarte gewarnt. Gegensätzliche Interessen der Ärzte, Apotheker, Krankenkassen und Kliniken hätten den Zeitplan aus dem Jahr 2006 zunichtegemacht. Vertreter des NAV-Virchow-Bunds warnen dem hingegen in einem kürzlich veröffentlichten Artikel im Deutschen Ärzteblatt eindringlich vor der mangelnden Wirtschaftlichkeit, Transparenz und Sicherheit der eCard. Sie sehen das geplante Modell als einen Weg hin zum gläsernen Patienten.

Nach Meinung des Bundesverbandes Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (BITKOM) wären die Vereinbarungen zwischen Krankenkassen und Ärzten darüber, wer die Kosten für die technische Ausrüstung der Arztpraxen übernimmt überfällig. BITKOM forderte die Ärzteschaft auf, sich konstruktiv am Aufbau des Systems zu beteiligen. Viele Ärzte scheuen die notwendigen Investitionen in die Kartentechnik und fürchten, die Daten der Patienten seien nicht sicher. BITKOM versucht die Bedenken aus dem Weg zu räumen: "Die Sorgen der Ärzte sind unbegründet. Die Investitionskosten für die Praxen amortisieren sich mittelfristig. Und gegenüber den heute gängigen Verfahren im Umgang mit Patientendaten ist die elektronische Gesundheitskarte ein Quantensprung für mehr Sicherheit", so Präsident Scheer in einer Pressemitteilung des Verbandes.

Das sieht Dr. med. Klaus Bittmann vom NAV-Virchow-Bund ganz anders. Die aktuellen Versicherungskarten würden durch Einführung der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) nur bruchstückhaft weiterentwickelt. "Die eGK besitzt außer dem vorgeschriebenen Passbild und minimaler Speicherkapazität keinen größeren Anwendungsumfang, als die bisherige Krankenversicherungskarte, aber sie trägt zu einem enormen Kostenschub (...) bei." Er schlägt stattdessen die Einführung von USB-Sticks vor, die die Patienten anstatt der Karte mit zum Arzt bringen. Auf diesem Stick werden die Daten dezentral aufbewahrt, der Patient behält die volle Kontrolle über seine Angaben, nicht irgendein zentral gelegener Server. Bittmann stellt infrage, ob der Nutzen der neuen Karte nicht primär bei der Industrie liegen könnte. Die chipbasierte Technik sieht er als veraltet an. Bislang wurde kein Nachweis dafür erbracht, dass die eGK tatsächlich wirtschaftlicher arbeiten wird als andere Varianten. Der USB-Stick hingegen könnte große Datenmengen speichern, so auch Arztbriefe, Hinweise über Unverträglichkeiten von Medikamenten etc. - sie würde quasi eine elektronische Patientenakte darstellen.

Dr. med. Carl-Heinz Müller vom Vorstand der Kassenärztlichen Vereinigung für den hausärztlichen Bereich hält dagegen, dass USB-Sticks auch verloren gehen könnten. Er sieht die Zukunft der Sicherstellung der Daten in der zentralen Datenspeicherung. Die USB-Technologie ist ihm wegen der exponierten Schnittstelle zu anfällig für Beschädigungen. Er möchte den Versicherten zudem nur ungern die alleinige Verantwortung über die Sicherheit ihrer Daten überlassen.

In der Bevölkerung soll die neue Karte laut BITKOM angeblich auf großes Interesse stoßen. Nur fünf Prozent der Deutschen lehnen die eCard laut einer Umfrage von Forsa ab, zwei Prozent wären sich noch nicht sicher. Auftraggeber der "repräsentativen" Umfrage: die BITKOM selbst.

Die rechnen dem Leser zum Abschluss vor, dass die eCard nach "konservativen Schätzungen" Einsparungen von jährlich über 500 Millionen Euro im Gesundheitswesen ermöglichen soll. Auch diese Aussage würde kaum ein praktischer Arzt unterschreiben, zumal die einen nicht unerheblichen Teil der Kosten tragen sollen. Stellt sich nur die Frage, warum man das System bis zur Ausarbeitung einer endgültigen Lösung nicht einfach beim derzeitigen Stand belässt?

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    Jens345 am 22.05.2008 14:10
  • Zitat: Zitat von psycholoader  Jau wenn ich eine Umfrage über mein Raumschiff starte, würde ich auch nur Leute in meiner Statistik aufführen die positiv reagiert haben..die anderen Leute hat es nie gegeben glaube nur den statistiken die du selbst gefälscht hast

  • Ach, die USB-Sticks können heimlich ausgelesen werden! OMG! Wie wäre es dann mit Verschlüsselung? Der Arzt kann lesen, der Patient kann lesen, der Patient kann einfach ein Backup machen (eines wie die "Hundemarke" am Hals, eines zu Hause) oder was auch immer. Und vielleicht könnten sich die Arztpraxen dezentral vernetzen, dann erfährt Arzt A aus dem Stift, welche Ärzte diese Person noch behandeln und kann diesen dann seine Akten über den ...

  • Zitat: Dr. med. Carl-Heinz Müller vom Vorstand der Kassenärztlichen Vereinigung für den hausärztlichen Bereich hält dagegen, dass USB-Sticks auch verloren gehen könnten. […] Die USB-Technologie ist ihm wegen der exponierten Schnittstelle zu anfällig für Beschädigungen. Achja, USB-Sticks können verlorengehen? "Seine" eGK wohl nicht oder wie? Die Karte wird keiner je auspacken und wie Bankkarte/EC-Karte usw. ...

    Schattenspieler am 23.05.2008 15:58
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