gulli: Illegaler Musikdownload: Rückläufig, behauptet die Brennerstudie
10. März 2008

Illegaler Musikdownload Rückläufig, behauptet die Brennerstudie

Seit drei Jahren sei die Zahl der illegalen Musikdownloads in Deutschland rückgängig - das zumindest laut der jährlichen "Brennerstudie", die bereits 2005 von 200 Millionen weniger Songdownloads berichtete. Seitdem gehen die Zahlen jährlich langsamer, aber stetig zurück. Wegen "rechtlichem Druck", behaupten die Rechteinhaber. Tatsächlich? Oder wird aktuell nicht eher versucht, den Kurs der Kriminalisierung der Kunden zu rechtfertigen? Einiges spricht für die zweite Interpretation.

Vorweg: die "Brennerstudie" arbeitete bisher mit Stichproben - d.h. nicht mit fragwürdigen Auswertungen von "Filesharingtraffic", sondern mit der direkten Befragung von Usern. So kommt sie auch zu ihren erstaunlich "präzisen" Aussagen: 2004 will man von fast 600 Millionen illegal geladener Musikstücke erfahren haben, 2005 wurde ein deutlicher Rückgang auf 382 Millionen verzeichnet, der dann - langsamer - 2006 auf 374 und 2007 auf 312 Millionen gesunken sein soll. Parallel sanken auch die Verkaufszahlen von Rohlingen.

Parallel dazu sei die Zahl gekaufter Tracks gestiegen: ein Sieg auf breiter Front also? Das muss die Industrie natürlich behaupten, denn anders würde sie ihren "Sue them all"-Kurs nicht mehr publikumswirksam rechtfertigen können. Allzu populär ist es bekanntlich ja nicht, ein Angebot vor allem mit juristischen Zwang an die Käufer zu bringen.

Und so zitiert der Spiegel auch den Vorsitzenden des Bundesverbands Musikindustrie Dieter Gorny mit den Worten

"Wir führen das auf den massiven rechtlichen Druck im letzten Jahr zurück ... Unser Ziel ist es, die Internet-Piraterie auf ein tolerables Maß zu reduzieren. Dabei setzen wir neben individueller Rechtsverfolgung vor allem auf mehr Verantwortung bei den Providern."

Aber wovon ist die Rede in den erwähnten Studienergebnissen? Einerseits von Nutzerbefragungen, andererseits von Rohlingen. Wovon nicht? Von Festplatten. Das alles wohl mit gutem Grund.

Eine der Fallstricke von Befragungen: Menschen neigen dazu, sozial erwünschte Antworten zu geben. Auch wenn Anonymität garantiert wird, tendieren die Befragten dazu, auf "Nummer Sicher" zu gehen und entsprechend zu antworten. Seit 2004 kann man der Musikindustrie immerhin eines attestieren: diverse Musikshops wurden bekannt. Entsprechend einfacher wird es für User zu benennen, dass und wo sie "legal laden".

Das nächste "Problem" der Musikindustrie: die Festplatten und die mobilen Player. Aus den gesunkenen Verkaufszahlen für Rohlingen wird ein sinkendes Brenn-Aufkommen abgeleitet. Damit wird die Industrie völlig richtig liegen - nur die Ursache fällt unter den Tisch. Seit 2004 hat sich nämlich einiges getan: immer mehr Leute haben den Multimedia-PC als selbstverständlichen Teil ihrer HiFi-Elektronik im Wohnzimmer integriert. Immer mehr Hörer sind mit mobilen Playern mit großer Kapazität ausgestattet. Wer sich 2004 noch eine Audio-CD brannte, um seine mp3-Downloads auch auf der Wohnzimmeranlage oder im Auto abzuspielen, hat heute den Rechner direkt am Verstärker hängen und spielt Musik von Festplatte. Wer Tracks fürs Auto braucht, brennt nicht mehr ein Album als Audio auf eine CD, sondern deren 10 im mp3-Format - das neue Radio kanns ja abspielen.

Und wer sich den Festplattenmarkt so ansieht, wird feststellen, dass sich die Kapazitäten wie immer seit 2004 vervielfacht haben. Wer heute Plattenplatzprobleme bekommt, brennt nicht mehr Files auf CD oder DVD, sondern kauft sich eine neue externe Platte. Für den Audio-Bereich reicht eine der aktuellen 500GB-Platten locker aus: Engpässe haben die Besitzer großer Plattenkapazitäten heutzutage wegen Filmen, insbesondere durch hoch aufgelöste Videoformate.

Und eine der ersten "Nebenwirkungen" der Popularität externer Platten? Die Verdrängung der CD/DVD als "Transportmedium". Und das wird der einzige Grund sein, warum es vielleicht tatsächlich zu einer gesunkenen Zahl an "illegalen Downloads" gekommen ist: man kann heute ein größeres CD-Regal im Rucksack mit sich herumtragen. In Form einer USB2-Platte.

Das darf natürlich nicht zugegeben werden. Denn es würde ja bedeuten, dass die ganze Filesharing-Verklagerei völlig für die Katz ist.

  • 15 Kommentare zum Artikel
  • Zitat: Zitat von Wikinger Ich würde eher sagen, es liegt an der Qualität der angebotenen Ware. Wenn ich schon riskiere, für etwas abgemahnt zu werden, dann gewiß für den Schrott, der da momentan durch die Medien jagt. Ihren Mark Medlock, Tokio Hotel und den anderen Mist können die sich in die Haare schmieren, wer läd denn sowas freiwillig runter? das sehe ich genau so

    chillingkilling am 10.03.2008 22:11
  • Zitat: Zitat von michbeck79 Ja es wird weniger gebrannt aber ob der Download dagegen auch abgenommen hat.... ich mag es bezweifeln. Geb ich dir recht vorallem bei den "dicken" DSL Leitungen heutzutage wer weiß...

    DarkestSoul am 11.03.2008 11:53

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