IFPI will Internet filtern lassen: EU will der Musikindustrie dabei helfen

gullinews am Montag, 10.12.2007 11:01 Uhr

Seite druckenArtikel empfehlengulli RSS News Feedsgulli twittertgulli:Newsletter

Die IFPI will unlizensierte Files durch die Internetprovider blocken lassen, die EU soll die rechtlichen Rahmenbedingungen bzw. Verpflichtungen schaffen, zahlen sollen die Kunden der Provider oder gleich der Steuerzahler: die EFF warnt vor einem neuen Anlauf der Labels, ihr überkommenes Businessmodell ohne Rücksicht auf Verluste mit massiven Eingriffen ins Netz durchsetzen zu lassen.

Die Idee: ISPs sollen von einzelnen "unlizensierten Files" bis hin zu kompletten Datentransfer-Protokollen (lies: P2P) Datenverkehr filtern und Sites, die gegen Urheberrechte verstoßen, gleich komplett vom Netz abklemmen. Und da man das selber gegenüber den Providern nicht durchsetzen kann, holt man sich Schützenhilfe bei der EU. Schöner Nebeneffekt: mit den Kosten dürfen sich dann ebenfalls andere herumschlagen, von der notwendigen Technik ganz zu schweigen.

Das schlimme: offenbar stehen die zuständigen EU-Gremien der Idee nicht ganz abgeneigt gegenüber. Die EFF weist darauf hin, dass das Komitee  für Industrie, Forschung und Energie des Europäischen Parlaments einen Aufruf zum "Überdenken des kritischen Problems geistigen Eigentums" umbenannt hat zu "Internet-Serviceprovider sollen Filtertechniken zum Unterbinden von Urheberrechtsverstößen einsetzen".

Eine Sperrung aller "nichtlizensierter" Files soll so umgesetzt werden - was bedeutet, dass jede Datei, die im Netz verbreitet wird, auf irgend eine Weise "lizenziert" sein müsste.

Technisch umsetzbar? Der Plan klingt schwierig bis unmöglich, und seine Realisierung ist somit auch mittelfristig kaum zu erwarten. Ein massiver Eingriff in die Freiheit zur Kommunikation und in Datenschutzrechte müsste dafür stattfinden, da auch privater Datentausch geblockt oder zumindest analysiert werden müsste, um die Pläne umzusetzen. Bereits im Vorfeld der (vermutlich ohnehin scheiternden) Planungen wird Geld der EU - und damit Geld der Bürger - in Pläne und Techniken investiert, die einseitig den Interessen einer rückständigen Industrie und ihrer Lobbyisten) dienen soll. Und zu guter Letzt ließe sich die EU einmal mehr vor den Karren einer Lobby spannen, die gegen die Interessen ihrer Bürger handelt. Es bleibt zu hoffen, dass einige denkende Menschen im EP eingreifen und den erwartbaren Imageschaden von der EU nochmals abwenden.

Bookmark and Share

 
28 Reaktionen aus dem gulli:Board

Sp00kyFox am 17.12.2007 10:08:11:
Da nützt keine Verschlüsselung und kein PW, da es dafür keine Erlaubnis gibt. Das ist wesentlich schlimmer als eine Filterung. Aufs G:B übertragen würde das bedeuten, dass jemand erst einmal meinen Beitrag liest, bevor ich meinen Lizense" bekomme, um ihn hier einstellen zu dür...

Kontrolltroll am 17.12.2007 11:13:53:
Das ist ja auch Sinn der Sache....

A John am 17.12.2007 13:35:46:
Das schlimme: offenbar stehen die zuständigen EU-Gremien der Idee nicht ganz abgeneigt gegenüber. Natürlich nicht. Für die Politik ist das Internet und die Meinungsfreiheit die denkbar größte Bedrohung. Politiker fürchten nichts mehr, als ein freies, unkontrolliertes Medium (wi...

Seite druckenArtikel empfehlengulli RSS News Feedsgulli twittertgulli:NewsletterSeitenanfang

Suche

Verwandte News

IFPI: Kinder, benutzt Kazaa und Limewire!
IFPI will schwedischen ISP verklagen
IFPI: Polizei beschlagnahmt Server in Akademie der Wissenschaften der Tschechischen Republik
Irland: Eircom soll per Klage der IFPI zum Filtern gezwungen werden
IFPI setzt vor dänischem Gericht Zensur gegen TPB durch