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28. November 2006

Ichsagenein.de Protest gegen Killerspiel-Verbot, Überwachung und Zensur

Gegen alles, was schlecht ist: Große Bögen schlägt die Aktion "Ich sage nein", die zum Protest gegen die Beschneidung der Meinungsfreiheit, den laufenden Abmahnwahnsinn, die zunehmende Überwachung und die geforderten "Killerspiel"-Verbote aufruft. Alles auf einmal? Durchaus sinnvoll, denn nebeneinandergestellt ergeben die angeprangerten Misstände ein interessantes Bild.

"Schluss mit der Beschneidung bürgerlicher Grundrechte auf Meinungs- und Entfaltungsfreiheit!
Schluss mit der Kriminalisierung von privaten Forenbetreibern - wir fordern eine klare Gesetzesregelung, um fragwürdige Rechtsauslegungen wie die des Hamburger Landgerichts ein für alle Male zu unterbinden. Schluss mit dem Abmahn-Irrsinn, mit dem einfache Bürger drangsaliert und existentiell bedroht werden!
Schluss mit der geplanten, gesetzlichen Bevormundung durch ein Killerspiele-Gesetz! Ein mündiger Bürger dieses Landes soll selbst entscheiden dürfen, was er legal im In- und Ausland an Software kauft und auf seinem PC installiert.
Schluss mit der ausufernden Speicherung von Daten von EU-Bürgern in ganz Europa - nach maximal 6 Monaten sollen Verbindungsdaten ohne hinreichende Verdachtsmomente gegen den jeweiligen Bürger automatisch wieder gelöscht werden."

Der Forderungskatalog, den die Aktion an die Verantwortlichen aller Parteien richtet, könnte problemlos weiter ausgebaut werden, denn die Macher schlagen den Bogen zu Ursachen und Auswirkungen realer Probleme: die Situation an den Schulen, die Perspektivlosigkeit bei Jugendlichen und die gleichzeitige Beschneidung ihrer Möglichkeiten, sich frei dazu zu äußern.

Damit gehen die Macher der Aktion mit Experten konform. Im gestrigen Fachgespräch der grünen Fraktion zum Thema “Computerspiele: Was wird hier gespielt?” gibt netzpolitik die Forderungen Sabine Eders von der Gesellschaft für Medienpädagogik und Kommunikationskultur wieder:

" - Schule hat Chancen, nicht nur Ort für leistungsvermittlung, auch Ort um soziales Miteinander zu lernen, es gibt schnell Verlierer (siehe Amokläufer), Schule muss Raum für Persönlichkeitsbildung werden, Schule habe dies zu leisten
- Ausserschulische Jugendarbeit hat und muss wieder ausgebaut werden, Angebote müssen den Anforderungen der Mediengesellschaft gerecht werden, “ich kann nicht immer nur Tanzangebote machen und keine Computerspiele da reinbringen”, dies erfordere Ausbildung der Pädagogen."

Man wird damit rechnen können, dass diese Forderungen in manch einer Theoriedebatte vorgetragen werden. In der Praxis hingegen wird im Nachhinein festgestellt, dass in den vergangenen vier Jahren 16.000 Lehrerstellen weniger als erwartet besetzt wurden. Für die kommenden Jahre drohen Lehrermangel und vor allem die Folgen fehlender bzw. unzeitgemäßer fachlicher und pädagogischer Qualifikation.

Statt dem Ruf nach der Verbesserung der Zustände in Jugend- und Bildungseinrichtungen werden die Forderungen nach Killerspielverboten lauter. Und man darf gespannt sein, wie intensiv und folgenreich die Debatte über ein Verbot geführt werden wird. Aufschlussreich dürfte der Vergleich dann beispielsweise mit der Debatte um den Abmahnwahn sein, den Justizministerin Zypries im Mai mit der Forderung anstieß, die Gebühren der Erstabmahnung gesetzlich zu beschränken. Die Folgen nach sechs Monaten: keine.

Insofern lohnt es sich durchaus, die großen Bögen zu schlagen, wie es "Wir sagen nein" tut. Das einzige Problem wird einmal mehr sein, dass die Aktion im Netz offene Türen einrennt und offline ohne Wirkung bleibt, wie viele andere Plattformen auch.

"Jeder kann sich beteiligen, schickt uns Stellungnahmen eurer Lokalpolitiker pro oder contra Killerspielverbot, erweiterte Forenhaftung oder Vorratsdatenspeicherung. Schickt uns Links zu interessanten Artikeln oder schreibt selber über eure Erfahrungen mit diesen Themen und postet sie im Forum. Schreibt über eure Erfahrungen mit bestimmten Spielen, damit andere Betroffene wie Eltern oder Lehrer sich ein Bild darüber machen können, wie dieses oder jenes Spiel wirklich aussieht. Schreibt, wenn ihr selber bereits negative Erfahrungen mit der Einschränkung der Meinungsfreiheit in eurem eigenen oder einem anderen Forum gemacht habt",

ruft die Aktion auf, und man sollte ergänzen: nicht nur im Forum. Besser noch offline - Lokalpolitikern, Eltern, Lehrern. Damit diese sich ein Bild machen können.

  • 97 Kommentare zum Artikel
  • Zitat: Zitat von Gravenreuth  Man kann es auch als einen undifferenzierten "Gemischtwarenkatalog" an Forderungen bezeichnen, welche potentielle Unterzeichner zu IMO sinnvollen Forderungen zwangsläufig ausgrenzt. Schluss mit der Beschneidung bürgerlicher Grundrechte auf Meinungs- und Entfaltungsfreiheit! Zustimmung - was aber kein Freibrief für Beleidgungen, Persönlichkeitsverletzungen etc. sein ...

  • @Bergner Um es thematisch von meiner Antwort auf Herrn v. Gravenreuth zu trennen, ausnahmsweise ein "Doppelpost": Auslöser für den Amoklauf des Robert Steinhäuser gab es sicher mehrere - so wie meistens irrationale Taten auf eine Reihe von kleineren und größeren Ursachen zurückgehen. Entscheidend aber war, das diesem jungen Mann von der Landesregierung etwas elementar wichtiges verweigert worden ist: eine Perspektive für sein ...

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