|
02. November 2005
Hollywood will analoge TV-Aufnahmen reglementierenDas "analoge Loch" soll geschlossen werden Bislang sind analoge Medien vom Streit um die Möglichkeit zur Aufnahme, der Erstellung von Kopien und dem Überspringen von Werbung weitgehend verschont geblieben. Nun fordert die MPAA in einem Gesetzesvorschlag, dass auch analoge Aufzeichnungen nur noch eingeschränkt und mit der Zustimmung der Sender bzw. gegen Gebühr möglich sein können. Die Digitalisierung von Sendungen soll nur noch gesteuert möglich sein. Ein Videorecorder, wie er seit Jahrzehnten im Handel ist, würde unter der geforderten Vorschrift nicht mehr produziert oder verkauft werden können. Zum Einsatz kommen sollen dabei zwei neue Kopierschutzmechanismen: das Wasserzeichensystem VEIL und das Rechtekontrollmanagement CGMS-A. Die neuen Techniken steuern, ob und wieviele Aufnahmen einer Sendung gemacht werden können bzw. ob und wie oft selbige zu kopieren sind. Geräte, die die Techniken nicht unterstützen, sollen verboten werden. Wer dennoch entsprechende Techniken, Programme oder Geräte anbiete, soll mit Geldstrafen von bis zu einer halben Million Dollar oder 5 Jahren Haft bestraft werden. Ungeschützte analoge Ausgänge müssen entweder mit DRM - Technik ausgestattet werden oder dürfen maximal 350.000 Pixel große Bilder ausgeben. Analoges Video mit Kopierverbot wird per DRM nach maximal 90 Minuten gelöscht - wer einen Zweistundenfilm aufzeichnet und betrachtet, wird noch vor Ende des Films erleben, wie der Anfang von der Festplatte verschwindet. Ausnahmen gesteht man gnädigerweise "professionellen Geräten" zu, welche von eigens davon angestellten Personen bedient werden. Auch hier vergisst die MPAA, dass mit einer ähnlichen Regelung bereits den digitalen DAT-Recordern das Rückgrat gebrochen hat. Erwartungsgemäß wies MPAA - Chef Valenti darauf hin, dass diese Technik überlebensnotwendig für den Fortbestand der Filmindustrie und der TV - Sender sei. Ungeachtet dessen, dass diese Leier bereits beim Aufkommen des Videorecorders ihre Premiere feierte, ebenso bei dem der DVD - Brenner und nichts von alledem zum Untergang Hollywoods geführt hatte. Im Gegenteil, VCR- und DVD - Zweitverwertung mauserten sich zügig zu Gelddruckmaschinen für die Industrie. Die Folgen für die Entwicklung von Open Source sind ebenfalls kaum abzusehen: es ist wenig wahrscheinlich, dass die MPAA die Quellen für ihre Schutzplanungen offenlegen wird. Die MPAA könnte eine Reihe mehr Personen kriminalisieren als die Hersteller von Videohardware. Der Sinn des Ganzen bleibt darüber hinaus im Dunkeln: ungeschützte Geräte und Umgehungsmethoden des Schutzes wird es immer geben - und jeder mit Netzzugang wird sich die entsprechenden Sendungen auf anderen Wegen besorgen können, wenn seine Hardware daheim ihm dies verbietet. Boingboing gibt sich jedenfalls optimistisch: ein solches Gesetz würde mit großer Sicherheit scheitern. Verwandte News
Trackbacks
|