Wenn die Medienanbieter dieselbe Energie in die Entwicklung von leicht benutzbaren Downloaddiensten stecken würden als in die Tauschbörsensabotage, wären wir vermutlich einige Schritte weiter auf dem Weg zu einer modernen, nutzerfreundlichen Medienlandschaft. Stattdessen verpulvern die Produzenten unnötigerweise Geld und Entwickleraufwand, um Filesharing-Netze zu stören. Die Taktik ist nicht neu: unter anderem MediaSentry störten bereits diesen Sommer beispielsweise Downloads der Serie "Six Feet Under" mit defekten Datenpaketen, auf MyBitTorrent.com und mininova wurde vor kurzem mit Fake-Trackern ebenfalls eine Attacke gefahren.
HBO hat nun den bislang größten Aufwand getrieben, um den Usern den "Rome" - Download zu verleiden. Von einer beeindruckenden Liste von IPs aus stellten sie Torrent-Peers ins Netz, die gegenüber den Trackern melden, dass die Files alle vorhanden seien, jene enthalten jedoch Datenmüll. Nun ist der Torrent ein sehr fortgeschrittenes Protokoll, welches den Müll nach Empfang als solchen erkennt und die Pakete von anderen Rechnern erneut anfordert, der Speed geht dabei jedoch merklich in die Knie. O'Reilly schafften den Rome - Download beispielsweise nicht, nach hunderten von verworfenen, geladenen Paketen brachen sie den Download ab, der bei 30% stehengeblieben war.
Bis entsprechende Blocklisten in die Clients und Trackerseiten eingepflegt werden, sollte nicht mehr allzuviel Zeit vergehen - eine vorläufige Liste von IPs kursiert ebenfalls bereits im Netz. Dritthersteller wie PeerGuardian dürften ebenso in Kürze aktuelle Blocklisten bereitstellen. Das übliche Rennen also, wer momentan die Nase vorn hat: Saboteure oder Filesharer.
Während Rom bekanntermassen nicht an einem Tag erbaut wurde, sollte der Rome - Download per Torrent wahrscheinlich binnen kurzem wieder ordentlich funktionieren - und ein paar mehr sabotierende Rechner in den Filtern hängenbleiben. Bis zur nächsten Attacke, die gefahren wird. Dennoch fragt man sich, wie zu Beginn: hat HBO nichts besseres zu tun?