gulli: Handy-Ortungsdienste: Optimal für Stalker und metergenaue Überwachung
08. April 2007

Handy-Ortungsdienste Optimal für Stalker und metergenaue Überwachung

In der heutigen Ausgabe der Welt am Sonntag wird in dem Beitrag "Weglaufen bringt nichts" der Fall von Carla, einer jungen Frau beschrieben, die von ihrem ehemaligen und höchst besitzergreifenden Exfreund mit Hilfe eines Ortungsdienstes für Handybesitzer auf Schritt und Tritt perfekt überwacht wurde. Der Überwachungsfanatiker, der sich das Ende seiner Beziehung nicht eingestehen wollte, wusste immer auf wenige hundert Meter genau, wo sich seine Exfreundin befand. Und dies just bis zu dem Moment an dem sie ihr Handy ausgeschaltet hat.

Alles was man dafür braucht ist ein PC, die Handynummer des Opfers und ein paar unaufmerksame Minuten mit seinem beziehungsweise ihrem Gerät. Die meisten Anbieter fordern im Vorfeld eine Erlaubnis per SMS für die Überwachung ein - für den findigen Mann, der zu diesem Zeitpunkt noch mit seiner Partnerin zusammen lebte, kein Hindernis. Die Prozedur dauert nur wenige Minuten und kann bequem während eines Toilettenganges des Opfers durchgeführt werden. Nach dem Erhalt der Bestätigungs-SMS kann man gegen ein geringes monatliches Entgelt den genauen Standort des Handys per Satellit ermitteln lassen. Für weniger als fünf Euro wird einem ganz bequem am heimischen PC der wechselnde Standort des Mobilfunkgerätes angezeigt. Was für den Verlust oder Diebstahl eines Handys gedacht war, ist zu einer pervers effektiven Überwachungsvariante verkommen. Bei Verwendung von GPS wird die Lokalisierung des Betroffenen sogar metergenau möglich sein.

Die verfolgte, junge Frau hatte sich im vorliegenden Fall stark darüber gewundert, wie es sein konnte, dass ihr Exfreund immer haargenau wusste, wo sie gerade war. Egal ob sie mit Geschäftspartnern in einem Meeting oder auf dem Weg zu einem Date war, stets musste sie mit dem überraschenden Auftritt ihres früheren Partners rechnen. Erst nach Wochen und Monaten wurde ihr bewusst, warum ihr Ex immer zu den für sie ungünstigsten Momenten auftauchte, sie blamierte und stets sehr gut über ihr Tun aufgeklärt war. Warum nur war er ihr nie ins Kino oder die U-Bahn gefolgt? Warum hatte sie an den Tagen Ruhe, wenn der Akku ihres Mobilfunkgerätes aufgeladen werden musste? So lange ihr Handy an war konnte er sie wie einen roten Punkt auf der Landkarte verfolgen, keiner ihrer Schritte blieb ihm verborgen. Bis sie es leid war und beim Handyladen um die Ecke ein uraltes Gerät kaufte, um dieses auf dem Landweg samt Simkarte nach Beirut zu verschicken. Der Verfolger würde nicht lange auf sich warten lassen. Ihre libanesische Freundin war gebeten worden, das gute Stück noch ein wenig in Betrieb zu halten, um den Stalker weiter zu täuschen. Nochmals würde sie ihr Handy nicht unbeaufsichtigt in der Öffentlichkeit liegen lassen.

 

Auch der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar forderte bereits Strafen für die heimliche Nutzung von  Handy- Ortungsdiensten. Die virtuelle Beaufsichtigung von Kindern ist ja vielleicht noch nachvollziehbar wenn auch pädagogisch nicht einwandfrei zu sehen. Aber da es so wenige Hürden gibt ist ansonsten der Missbrauch vorprogrammiert. Es sind halt nicht nur wie bei trackyourkid.de rund 25.000 Elternpaare, die ihre Kinder wissentlich überwachen. Auch allen anderen privaten wie gewerblichen Spionen sind mit Hilfe dieser Technik Tür und Tor geöffnet.

Schaar dazu: "Wer jemandem so ein Gerät in die Tasche steckt, kann metergenau das Bewegungsprofil eines anderen erstellen". Er fordert Strafen für solcherlei Aktivitäten, die heimliche wie überaus hinterlistige Ortung ist de facto kriminell und müsse mit Geldstrafen oder in schweren Fällen mit einer Haftstrafe geahndet werden. Bislang hat der Gesetzgeber auf seine Forderungen noch nicht mit einer Gesetzesinitiative reagiert. Demnach darf leider noch immer ungestraft per Handy gestalkt anstatt getalkt werden.

  • 26 Kommentare zum Artikel
  • Nur ne Frage der Zeit... Bis es ein Gesetzt gibt indem "die Behörde" eine .log datei zu jedem Handybenutzer erstellen darf. Grund: Es hilft bei nachträglicher Aufklärung von Verbrechen/Terrorplänen. Viel Sipass...

    stefen.k am 10.04.2007 12:14
  • Aber wenn jemand wirklich nicht geortet werden will, dann kann man das auch umgehen. Zum Beispiel mit einer Handysoftware, die sich immer abwechselnd bei verschiedenen Sendern (natürlich vom selber Netzbetreiber) einbucht. Somit weis, der der dich orten will nie wo du jetzt wirklich bist. Dann kann man noch eine Richtantenne auf einen andren Sender richten, das verfälscht auch wieder den Standort. Oder bei mir im Ort ist die Handyortung ...

  • Hab grad mein Handy verloren mit o2 karte drin hab mich aber nicht bei der Handyortung vorher angemeldet kann mir jemand einen guten anbieter empfehlen das ich es vielleicht wieder kriegen könnt. Würde auch was zahlen! P.s die ersten google anzeigen waren alle schrott und nicht für jemanden gedacht der zu letzt dieses thema vor zwei jahren brauchte. Hatt sich in diesem bereich schon wieder so viel getan?

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