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03. Mai 2006

GVU-Jahresbericht 2005 Am spannendsten ist, was nicht drinsteht

Zweieinhalbtausend durchgeführte Verfahren und eine halbe Million beschlagnahmter "Raubkopien": die Erfolgsmeldungen der GVU für das Jahr 2005 sind durchaus interessant zu lesen. Wie so oft sind die nicht erwähnten Vorkommnisse das eigentlich spannende am Abschlußbericht der Gesellschaft für Urheberrechtsverletzungen für 2005.

Einen Rückgang auf hohem Niveau konnte die GVU bei der Zahl der Verfahren verzeichnen - geschuldet sei das leichte Absinken der Fallzahlen den zeitintensiven Ermittlungen in einzelnen, groß angelegten Aktionen. Diese Konzentration sei beabsichtigt:

"Bei Fortführung des von der Organisation bereits in der Vergangenheit geübten Grundsatzes „Null Toleranz“ gegenüber Verletzungen des Urheberrechtes erfolgte gleichwohl eine Konzentration auf solche Rechtsverletzer, die den beteiligten Industrien aus eigenem Gewinnstreben erhebliche Schäden zugefügt haben oder für solche Schäden die Ursachen durch Beschaffung illegaler Kopiervorlagen geschaffen haben. Flächendeckende Massenverfahren gegen Konsumenten hat die GVU indes auch im Jahre 2005 nicht veranlasst."

Was die Großverfahren angeht, fällt einerseits der hohe Anteil an Verfahren auf, die den Handel mit "harter Ware" zum Gegenstand haben: Die Verbreitung von Kopien auf physikalischen Datenträgern spielte 2005 mit einem Anteil von 83% am Gesamtaufkommen eine herausragende Rolle. In fast der Hälfte der Fälle ging es um die Verbreitung von Software, in fast 80% um die von Filmen.

Erstaunlich auch der hohe Anteil an Auktionen an den eingeleiteten Verfahren: dass immer noch zahlreiche Anbieter per eBay und Konsorten versuchen, unlizenzierte Kopien loszuschlagen, überrascht.


Betrachtet man die Einzelfälle, welche die GVU als herausragende Erfolge des vergangenen Jahrs betrachtet, erstaunen hingegen die weggelassenen Informationen.

Auf fast zwei Seiten feiert die GVU die Razzia in einem österreichischen Rechenzentrum, in dem die P2P-Linkseiten eselpsychos.to und p2pworld.to gehosted wurden. Nach der erfolgreichen Kooperation der GVU mit der österreichischen VAP soll den Betreibern bis zu zwei Jahren Haft drohen, so der GVU-Bericht. Unerwähnt bleibt, dass beide Seiten nach kurzer Zeit wieder online waren und der Betreiber von p2pworld.to rechtliche Schritte gegen die Maßnahmen angekündigt hat, die gegen ihn eingeleitet wurden. Immerhin: die VAP ist inzwischen wieder im Netz erreichbar. Nun, fast überall.

Auch die Busts gegen LoTR und BashBrothers und die Beschlagnahmen in Coburg sind der GVU umfassende Berichte wert, ebenso die Operation Boxenstopp. Naturgemäß geht die GVU auf Vorwürfe, selbst Server finanziert und betrieben zu haben, nicht ein. Auch über die Zusammenarbeit mit gewissen "verdeckten Ermittlern" verliert die GVU kein Wort.

Ebenso wird der The Realworld-Down gefeiert - ein Ergebnis des Vorgehens der MPA. Ein hübsches Detail am Rande des TRW-Berichts ist das Eingeständnis der GVU, dass die Verkaufszahlen von Serienstaffeln auf DVD im letzten Jahr erstaunliche Zuwachsraten hatten. Ein lesenswerter Hinweis in einem Text, welcher eben die geschäftsschädigenden Folgen des Seriendownloads beklagt. Auch hier ist indessen das letzte Wort noch nicht gesprochen, auch wenn die GVU die Schadenersatzforderungen bereits ankündigt, die auf den Betreiber zukommen.

Vom Dachverband der Filmindustrie läßt man sich hingegen gerne ehren: die Motion Picture Association MPA verlieh der GVU zum zweiten Mal in Folge einen Ehrenpreis für ihre "außerordentlichen Leistungen im Kampf gegen Piraterie".

Die weggelassenen Details ergeben ein etwas anderes Bild als jenes, das die GVU mit ihrem Bericht zu zeichnen versucht - und einen leicht schalen Beigeschmack. Auf Details gibt man offenbar in vielen Fällen nicht viel, für erfolgreiche Angstmache sind hingegen wieder viele Mittel recht. "Ein Jahr Haftstrafe" titelt eine Passage über die Verhaftung eines Kleinkopierers, der im Jahr schlappe 5.500 Euro mit nicht lizenzierten Kopien verdient haben soll. Dass es eine Aussetzung der Haftstrafe zur Bewährung gab, muss man einige Absätze später nachlesen. Aber dass das Verfahren mit zur Scheidung des Mannes führte, muss natürlich verkündet werden: Raubkopierer aufgepaßt, eure Frauen werden euch verlassen.

Und funktionierende Partnerschaften sind ja ein wesentlicher Bestandteil der Lebensqualität, ebenso wie kulturelle Vielfalt und ein breites Angebot an neu erscheinenden Medien. All dem ist die GVU natürlich verpflichtet:

"Aktive und wirksame Pirateriebekämpfung ist hierfür auch unter dem Gesichtpunkt der Aufrechterhaltung kultureller Vielfalt eine unabdingbare Voraussetzung. In diesem Sinne wird die GVU auch in der Zukunft ihre Arbeit mit Nachdruck fortsetzen."

Die "sportliche Auseinandersetzung" geht damit in ihr nächstes Jahr. Die Berichterstattung folgt, und wie fast überall lohnt es sich, dieselbe aus verschiedenen Perspektiven zu lesen.

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