gulli: Gute Genesung, Jack Valenti
28. März 2007

Gute Genesung, Jack Valenti

Der große alte Mann der MPAA, Jack Valenti, liegt nach einem Schlaganfall im Krankenhaus. Valenti leitete den Verband der US-Filmindustrie 38 Jahre lang und machte ihn zu der einflussreichen Lobbyorganisation, die er heute ist. Valenti, der unter anderem forderte, Copyrightfristen auf "ewig minus einen Tag" auszuweiten, ist 85 Jahre alt.

Valenti genießt bei aller Skepsis gegenüber seinen oft mehr als radikalen Ansichten einen legendären Ruf, den auch seine größten Kritiker anerkennen. Überzeugter Konservativer, flog er im zweiten Weltkrieg einundfünfzig Missionen mit B-25-Bombern in Italien. 1966 trat er seinen Vorsitz bei der MPAA an, um das Amt die folgenden 38 Jahre innezuhaben. Er kämpfte gegen den Videorecorder wie gegen die Tauschbörsen, bis er den Posten September 2004 für Dan Glickman räumte.

Noch 2003 tourte Valenti mit seiner "Moralischer Imperativ"-Kampagne direkt in den diversen Löwenhöhlen der Kopierer: den Universitäten. Dort diskutierte er mit kopierenden Studierenden. Auch mit dem Autor des Buchs "Darknet" J.D. Lascia, unterhielt sich Valenti. Gefragt, was er einem Releaser sagen würde, wenn er einen träfe:

"Ich würde die Worte ausleihen, die ... an Senator John McCarthy gerichtet wurden: 'Sir, do you have no shame?' Ich würde den jungen Mann fragen, ob er in einen Blockbuster-Shop gehen und eine DVD unter die Jacke stecken würde und damit hinausgehen?"

Nicht ohne anschließend anzuerkennen, dass es den meisten Releasern um den Wettbewerb geht:

"Ich verstehe schon, das es den Leitern der Releasecrews um die Herausforderung und nicht ums Geld geht. Aber sie sind sehr naiv, wenn sie glauben, sie schaden damit nicht erheblich unserer Industrie."

Diesen durchaus reflektierten - wenngleich höchst streitbaren - Statements steht der Valenti entgegen, der mit Zitaten wie "Wenn man eine DVD kauft, besitzt man eine Kopie. Wenn man ein Backup will, muss man eben noch eine kaufen" oder "Ich sage euch, der Videorecorder ist für den amerikanischen Filmproduzenten das, was der Würger von Boston für die Frau allein zuhause ist" in Erinnerung steht.

Lascia stellt in seinem Buch zur Illustration der verschiedenen Pole in Bezug auf Urheberrecht und Freiheit an der einen Position den CC-Aktivisten Lawrence Lessig, an der anderen Jack Valenti auf. Man mag zu Valentis Positionen stehen, wie man will, auf jeden Fall ist er ein Mann, an dessen Meinungen sich eine Diskussion jederzeit schärfen konnte.

"Er schrieb seine Reden selbst", so Lascia. "Wer sonst hätte sie schreiben können?"

  • 10 Kommentare zum Artikel
  • naja aber deswgen muss er nicht langsam und qualvoll draufgehen oder? jeder verurteilte verbrecher kriegt nen relativ schnellen tod, da willst du jemand der wenigstens noch ne moralische rechtfertigung hat sowas gönnen? bissl krass oder?

    Laird_Dave am 28.03.2007 19:27
  • "dinosaurs must die" hat da mal wer gesungen...

    Maitschi am 28.03.2007 20:18
  • Zitat: Zitat von Wandang ob schlaganfall oder andere lebensbedrohliche szenarien.... wünsch adolf doch auch gute genesung *kopfschüttel* Sicherlich nicht!Zumal der Herr tot is Klar hast du recht das manche menschen nicht gut für diese Welt sind,auch für meine nicht!Da sich aber numal jeder seine Realität SELBST zusammenbastelt, hat auch JEDE verquerung aus einem menschlichen Gehirn irgendwo seine ...

    ornamix am 28.03.2007 23:47
  • @ornamix: dann is ja jut

    Wandang am 29.03.2007 00:40

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