gulli: Großbritannien: Videoüberwachung völlig nutzlos
06. Mai 2008

Großbritannien Videoüberwachung völlig nutzlos

Die milliardenschweren Investitionen in ein beinahe lückenloses Überwachungssystem haben die Kriminalität im Land der mehr als vier Millionen Videokameras nur geringfügig reduzieren können. Der Abteilungsleiter für Videoüberwachung bei Scotland Yard, Mike Neville, erkannte heute, dass Videoüberwachung ein sinnloses Unterfangen ist. Er bezeichnet den Zustand als "völliges Fiasko". Die Kameras würden die kriminellen Täter nicht mehr abschrecken, so der Chefinspektor auf einer Sicherheitskonferenz am Dienstag.

Die Gründe ergeben sich von selbst: Viel zu wenig qualifizierte Polizisten stehen einer Flut von Videodaten gegenüber, die sie auswerten sollen.

Ganze drei Prozent aller in London verübten Raubüberfälle konnten mithilfe der Aufzeichnungen der Closed Circuit Television (CCTV) aufgeklärt werden. Zudem sei die abschreckende Wirkung verloren gegangen, weil zahlreiche Kameras nicht oder nur unzureichend funktionieren. "Milliarden von Pfund wurden für die technischen Ausrüstungen ausgegeben", sagte Neville gegenüber der BBC, "doch es wurde kaum ein Gedanke darauf verwendet, wie die Polizei die Aufnahmen auswerten muss und wie sie vor Gericht verwendet werden können." Bereits vor sechs Jahren erhielt das britische Innenministerium eine Studie, die die Nutzlosigkeit der Videoüberwachung unter Beweis stellte. Man schenkte der Studie aber keine Aufmerksamkeit, wodurch es nun insgesamt vier Millionen Überwachungskameras gibt. Die Masse an Geräten verschlang Milliarden Steuergelder und verschlechterte die Situation für die Polizeibeamten zusehends.

überwachung, Kamera, GroßbritannienFür ihren Film "Faceless", der kürzlich veröffentlicht wurde, hat die in London lebende österreichische Medienkünstlerin Manu Luksch über fünf Jahre hinweg ausschließlich Aufnahmen von Überwachungskameras verwendet, um ihre Geschichte zu erzählen. Auch sie berichtet in ihrem Interview gegenüber futurezone.ORF.at von der mangelnden Qualität der Bilder: "Die Bildqualität war generell eher schlecht. Bei manchen Aufnahmen hat es so ausgesehen, als ob Taubenkacke auf der Linse war. Die Kameras wurden wahrscheinlich seit Jahren nicht gewartet." Sie erzählt auch davon, dass die Betreiber der Kameras sehr weit gestreut sind. "Es ist nicht nur der Staat, der überwacht. Jeder überwacht jeden. Das ist Technologie für jeden Haushalt. Das ist das Spin-Off-Produkt der Sicherheitsindustrie, das von der englischen Gesellschaft als Lösung für bestimmte Probleme angenommen wurde". Nino Leitner hat zudem im Vorjahr mit "Every Step You Take" eine Dokumentation über den britischen Überwachungswahnsinn veröffentlicht.

Die Piratenpartei Österreichs betont neben vielen anderen Datenschützern erneut die Sinnlosigkeit solcher Überwachungssysteme und fordert die Politiker zu einer Trendumkehr auf. Weniger ist wie auch hier mehr - die gesetzlichen Grundlagen sollten die Videoüberwachung eher einschränken, anstatt sie noch zu fördern.

 

Trailer zu "Faceless" - Stimme: Tilda Swinton

  • 10 Kommentare zum Artikel
  • Zitat: Zitat von Chronoton bessere kameras und eine automatische gesichtserkennung von gespeicherten "verdächtigen" werden wohl bald folgen, weil eine automatische auswertung die beamten entlasten wird. oder glaubt ihr, dass die behörden jetzt noch zurückstecken werden? Jaja, die alte Leier Wir brauchen nur noch mehr Überwachung ... nur noch bessere Software ... nur noch weniger ...

    Schattenlos am 07.05.2008 14:49
  • genau Schattenlos und am Ende kommt auch die automatische Vollstreckung...

    Frodoger am 07.05.2008 18:04

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