gullinews am Freitag, 19.12.2008 07:25 Uhr
Die Polizei geht zunehmend dazu über, sich die Videos nur noch dann anzuschauen, wenn bereits eine Straftat gemeldet wurde. In anderen Bezirken geht man dazu über, Aushilfspolizisten oder sogar normale Zivilisten für diese Aufgabe heranzuziehen. In Dorset sucht man in der Zeitung nach Freiwilligen, die diese Arbeit ehrenamtlich übernehmen. Diese verfügen natürlich nicht über eine einschlägige Ausbildung.
Kritiker fordern nun, den Einsatz von Überwachungskameras noch einmal zu überdenken. Sie kritisieren, dass diese die Sicherheit nicht erhöhen, wenn niemand die Aufnahmen zeitnah verfolgt. Insbesondere Verbrechensprävention dürfte so wohl unmöglich sein - allenfalls bei einer Identifizierung und Verurteilung der Täter könnte die nachträgliche Verfügbarkeit der Videos helfen. Überwachungsexperte Professor Nigel Gilbert forderte einen Stop des Einsatzes von Überwachungskameras, bis deren Notwendigkeit bewiesen sei. Die momentane Situation würde zunehmend zur Farce, so Gilbert. "Die Beweislage deutet darauf hin, dass Überwachungskameras als Mittel zur Reduzierung von Kriminalität vollkommen nutzlos sind. Ihr einziger Nutzen ist der als ein Mittel zum Sammeln von Beweisen, dass ein Verbrechen geschehen ist - sie verhindern das Verbrechen nicht. Die Öffentlichkeit wurde manipuliert, zu glauben, dass diese Kameras ein 'silver bullet' zur Reduzierung von Kriminalität sind, und das sind sie nicht. Ich vermute, dass die Politiker das wissen und es deswegen keine besonders hohe Priorität hat, auf den Aufnahmen von Überwachungskameras nach Kriminalität zu suchen. Es ist keine effiziente oder kosteneffektive Ressourcennutzung. Wenn niemand zuschaut, bezweifle ich den Sinn davon, sie überhaupt laufen zu haben." Dr David Murakami-Wood vom Surveillance Studies Network schließt sich Gilberts Aussagen im wesentlichen an und ergänzt, über die Kosten der Kameras sei vor deren Einführung nicht genug nachgedacht und diskutiert worden.
Die Öffentlichkeit ist mehrheitlich alles andere als begeistert darüber, dass zunehmend Personal beim Einsatz der Kameras eingespart wird. Viele Menschen befürchten Sicherheitseinbußen und ein erhöhtes Risiko, zum Opfer krimineller Handlungen zu werden.
Chief Superintendent Reynolds, Polizeichef von South Worcestershire, betont außerdem, dass auch das Sammeln von Beweisen ohne menschliche Intervention stark erschwert ist. Er weist darauf hin, dass in vielen Fällen die Kameras erst manuell auf die betreffende Stelle gerichtet werden müssen. "Wenn es einen Vorfall gibt und die Kamera in diesem Moment nicht auf die entsprechende Stelle gerichtet ist, wird sie für die Untersuchung dieses Vorfalls nutzlos," betont Reynolds.
Derweil versucht man sich mit kuriosen und teilweise auch fragwürdigen Methoden zu behelfen. In Dorset ließ man die Öffentlichkeit im vergangenen Juni Live-Bilder von Überwachungskameras in Wimborne, Blandford, Shaftesbury und Gillingham anschauen, in der Hoffnung, dass aufmerksame Beobachter Anzeichen für Kriminalität oder sogenanntes "asoziales Verhalten" entdecken und melden würden. (Annika Kremer)
(via The Daily Mail, thx)
(BildQuelle: annalist, danke!)
| 3 Reaktionen aus dem gulli:Board |
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geier20001 am 19.12.2008 08:30:28: |
zord911 am 19.12.2008 09:34:16: |
AnuP am 19.12.2008 14:08:49: |