Großbritannien: ISPs filtern Wikipedia wegen Kinderporno-Verdacht

gullinews am Sonntag, 07.12.2008 02:54 Uhr (Rating: RatingRatingRatingRatingRating)

Seite druckenArtikel empfehlengulli RSS News Feedsgulli twittertgulli:Newsletter

Bei der englischsprachigen Wikipedia wird offenbar ein Filter verwendet, der Benutzern aus Großbritannien den Zugriff auf bestimmte Inhalte sperrt. Grund dafür ist ein britisches Gesetz, nach dem sämtlicher Traffic zu Seiten, die vom IWF ("Internet Watch Forum") unter Kinderporno-Verdacht gestellt werden, durch die ISPs gefiltert werden muss. Durch die Filterung müssen die kritisierten Inhalte, also beispielsweise Bilder, unterdrückt werden. Das ist offenbar auch bei Wikipedia der Fall.

Stein des Anstoßes ist in diesem Fall der Eintrag zum 1976 veröffentlichten Scorpions-Album "Virgin Killer". Auf diesem Albumcover ist ein nacktes Mädchen von etwa zwölf Jahren abgebildet. Die Lyrics des betreffenden Songs selbst haben, wie auch im betreffenden Wikipedia-Artikel erwähnt wird, nichts mit sexueller Gewalt gegen Kinder oder Jugendliche zu tun, sondern befassen sich mit dem Erwachsenwerden und dem Verlust der Unschuld im Laufe der Zeit. Trotzdem stufte das IWF zumindest das Bild des Covers auf der Wikipedia als problematisch ein und zwang die Provider damit, Maßnahmen zu ergreifen. Sämtliche oder zumindest die überwältigende Mehrheit der bei Wikipedia eingehenden Verbindungen aus Großbritannien werden über einen Transparent Proxy des betreffenden Providers umgeleitet, um das Blockieren betreffender Inhalte zu realisieren.

Auf dem Proxy wird das beanstandete Bild ausgefiltert - und die IP-Adresse des betreffenden Rechners durch die des Proxys ersetzt. Dadurch fiel die Maßnahme der britischen Provider den Wikipedia-Admins auf. Denn es gab häufig Wikipedia-Vandalismus von betreffenden IPs, die in einer Sperrung der Adresse in "zahlreichen Beschwerden von vollkommen verschiedenen Leuten" resultierte. Daraufhin forschten sie weiter nach und stellten fest, dass Wikipedia zum Ziel von Filtermaßnahmen geworden war.

Neben den technischen Problemen, die sich aus der massenhaften Nutzung weniger gemeinsamer IP-Adressen ergeben, kritisieren viele Internet-Nutzer die vorgenommenen Maßnahmen als "eine moderne Form der Zensur". So haben ja die letzten Wochen bereits gezeigt, dass das selektive Sperren destruktiver Benutzer durch die Maßnahme unmöglich wird, sodass man den Missbrauch entweder zulassen muss oder riskiert, hunderte oder sogar tausende von Internet-Nutzern von der Nutzung oder zumindest dem Editieren von Wikipedia auszuschließen. In jedem Fall aber beweisen diese Geschehnisse die Macht, die unsere Internet-Provider über das haben, was wir im Netz sehen können. (Annika Kremer)

(via hard.blog, thx)

(danke an Marco für den Hinweis!)

Bookmark and Share

40 Reaktionen aus dem gulli:Board

thehed am 10.12.2008 19:10:10:
Ich verstehe das so, dass die paar Links, die unzweifelhaft sexuelle Handlungen mit Kindern zeigten, aus der Liste entfernt wurden. Der Autor würde sich sonst wohl mit strafbar machen. Der Autor war dabei nicht gündlich genug oder in seinem Land ist weniger Strafbar als in a...

otto81 am 10.12.2008 21:37:27:
Der Autor war dabei nicht gündlich genug oder in seinem Land ist weniger Strafbar als in anderen oder einige Seiten wurden seither extremer. Wobei die extremsten ja glücklicherweise inzwischen von den Hostern selbst entfernt wurden. Viel ist nicht mehr erreichbar. Mehr an ein...

thehed am 10.12.2008 22:59:16:
gelöscht, ist eh sinnlos. Macht doch was ihr wollt....

 

© 1998-2010 gulli.com | Suche

Seite druckenArtikel empfehlengulli RSS News Feedsgulli twittertgulli:NewsletterSeitenanfang

Suche

Verwandte News

Wikipedia: Wissen in Gefahr? (Interview)
Wikipedia-Streit: Abmahnfalle wegen Nichtnennung
KiPo-Sperren: Lieber den Betroffenen helfen
Fernmeldegeheimnis ade: Alle Internet-Sperren legal?
Glückwunsch Wikimedia: 4 Mio. Freie Werke vorhanden!