Nach einer Serie von Einbrüchen in Buckinghamshire organisierten sich die Einwohner. Jedes verdächtige Fahrzeug wird sofort in Augenschein genommen. Sollte es sich um ein Google-Street-View-Auto handeln, eines dieser Pkws mit aufgebautem Kameraturm, so schreiten die Dorfbewohner zur Tat.
Menschenketten werden gebildet, um die Autos zu stoppen, die Fahrer werden auf die "Verletzung der Privatsphäre" aufmerksam gemacht und man macht deutlich, dass sich die gute Absicht Googles in diesem Fall in das Gegenteil verkehrt hat. Diebe nutzen die Bilder von Google um ihre nächsten Einbrüche zu planen.
Tatsächlich ist die Auflösung der Bilder teilweise so gut, dass man sich im Lehrvideo damit brüstet, man könne den Busfahrplan lesen, ohne aus dem Haus zu müssen. Oder man schaut eben, was die Nachbarn für hübsche Bilder an der Wand hängen haben.
Erst wenn die Polizei kommt, gibt der Fahrer des Google-Autos den Dorfbewohnern nach. Bis jetzt hat sich Broughton konsequent den Aufnahmen durch Google entzogen und bleibt in der digitalen Landkarte ein schwarzer Fleck.
Es war Paul Jacobs, der sich zuerst zur Wehr setzte. "Ich war im Haus oben, als ich den Kamera-Wagen entdeckte, wie er die Straße herunter kam", sagte er. "Meine erste Reaktion war Wut. Was fällt denen ein, Fotos von mir zu Hause zu machen, ohne meine Zustimmung? Ich lief nach draußen und hielt das Auto an und sagte dem Fahrer, dass er nicht nur in unsere Privatsphäre eindringt, sondern auch der Kriminalität den Weg ebnet."
Paul Jacobs lief durch das Dorf, klopfte an die Türen, um die Mitbewohnern zu wecken. Während die Polizei verständigt wurde, sammelten sich die Dorfbewohner auf der Straße, um das Auto nicht vorbei fahren zu lassen.
Herr Jacobs sagte: "Dies ist eine wohlhabende Gegend. Wir hatten bereits drei Einbrüche in den letzten sechs Wochen. Wenn man mit unseren Häuser (durch Google) das Internet tapeziert, dann ist das eine Einladung für Kriminelle loszuschlagen. Ich war entschlossen, mich der Sache zu wiedersetzen, also rief ich die Polizei."
Was halten den die Leute davon, die etwas zu befürchten haben, wenn präzise Aufnahmen ihrer Grundstücke und sogar von ihrem Inventar jedem im Internet zugänglich gemacht werden?
Google Street View wurde in Großbritannien letzten Monat vorgestellt, es soll die User zu 360-Grad-Touren durch die größten Städte einladen von ihren Computern oder vom Mobiltelefon aus. Die Firma, die mit den Kamera-Fahrzeugen unterwegs ist, hat das Ziel, so viel wie möglich von ganz Großbritannien zu erfassen.
Wie immer, will Google nicht als der "Böse Bube" dastehen und das Prinzip, dass man schon von YouTube her kennt, wird nun auch bei Google Street View angewendet: wenn man sich beschwert, fliegt das Bild raus.
"Wir bieten eine einfache Möglichkeit an, die Bilder entfernen zu lassen. Die meisten Anfragen werden innerhalb von einer Stunde erledigt.", sagte ein Google Sprecher. Entfernt wurde zum Beispiel das Bild eines Mannes, den man in einem Sex-Shop beim Einkaufen sah. Privacy International hat rechtliche Schritte gegen das Unternehmen eingeleitet in dem Bemühen den Mapping-Service einzudämmen, ob die Organisation Erfolg hat wird sich zeigen, an andere Stelle ist Google schon siegreich vom Feld gezogen. Zum Beispiel in Deutschland.
Hier scheint die Flotte derzeit aktiv zu sein, wie das Foto von vectorbirotae vom 28.März belegt. Im Vergleich zu den begeisterten Deutschen, die sich größtenteils von den Google Street View ohne Protest fotografieren ließen wie die Schäfchen, sind die Engländer geradezu zu Wölfen mutiert.
In der deutschen Ausgabe des GoogleWatchBlog, bei dem man sich manchmal fragen muss, ob die Autoren von Google selbst bezahlt werden oder einfach technikbegeisterte Irre sind, konnte man lesen, dass einige Europäische Staaten bereits Besuch von der Google-Kamera-Auto-Flotte erhalten haben. Frankreich, UK, Spanien, die Niederlande, deren Metropolen und Innenstädte wurden vermessen. Das Projekt ist zwei Jahre alt und Google stört sich wenig an den Protesten.
Schon am 29. Mai 2007 wurde auf YouTube das Lehrvideo zu Google Streetview veröffentlicht. Im Juli 2008 wurde Berlin gescannt, im August 2008 kamen die Straßen von München an die Reihe.
"Die heutige Satellitentechnologie hat dazu geführt, dass selbst in der Wüste keine absolute Privatsphäre mehr existiert." Das war die Antwort von Google im August 2008, als man auf eine Klage antwortete, die in dem Projekt Google View eine Verletzung der Privatspäre sah. (Google-View-Artikel view bei gulli)
Am 16. November 2008 musste Google unter dem massiven Druck der Öffentlichkeit Aufnahmen für Google View in Schleswig-Holstein stoppen.
"Dort fühlte man sich durch das Vorbeifahren der Google-Autos samt Kameraturm so stark in der Privatsphäre verletzt, dass man daran dringend etwas ändern wollte. Dabei handelt es sich um eine Erfassung von Bilddaten im Sekundentakt. Somit wird jedem Benutzer von Street-View angeboten, die Fahrt am Bildschirm mitzuerleben und ein möglichst realistisches Erlebnis angeboten. Auf diese teils massiven Proteste hin hat der Internetkonzern Google mit einem vorzeitigen Rückzug reagiert. Obwohl der Dienst datenschutzrechtlich völlig legal ist, werde man im Jahr 2008 keine Rundumfotos aus dieser Region machen, hieß es in einer Presseerklärung von Google." (Gulli Bericht zu Google-View November 2008)
Schon damals war klar, dass der Konzern seine Versuche der 3-D-Kartographie der Innenstädte nur vertagen wird, wie der Fall in Großbritanien zeigt, wird man das Projekt nicht aufgeben, sondern gegebenenfalls ein wenig aufschieben.
"Don't forget to klick the streetview button on google maps!", meint der Konzern in seiner Eigenwerbung.
Aktuell haben die Leser von Times Online in Großbritanien die Möglichkeit zu melden, wo kürzlich die Street View Autos entdeckt wurden. Das war in den letzten Wochen zum Beispiel in Winchester, Preston, Chelmsford und Ipswich der Fall.
Double Screening von gulli meint:
Es sollte mehr solcher Aktionen wie bei fresh 2.0 geben, wo dazu aufgefordert wird, Bilder und Informationen über die Flotte der Google-Autos zu sammeln und zu veröffentlichen. (z.B. über twitter: http://twitter.com/filmmogul). Leider scheint der GoogleWatchBlog ("Dieser Flotte entkommt niemand *g*") einfach nur zu jubeln, wenn die Wagen mit den Kameras kommen. (double screening)
(Bildquelle Randolf Jorberg Blog Danke!)
| 17 Reaktionen aus dem gulli:Board |
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TheMoon am 04.04.2009 16:38:33: |
eliveo am 04.04.2009 17:40:35: |
7ec0-1e1f am 05.04.2009 09:25:27: |