gulli: Goldener Hademar: BooCompany verleiht Schleichwerbepreis an Öffentlich-Rechtliche

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16. Oktober 2008

Goldener Hademar BooCompany verleiht Schleichwerbepreis an Öffentlich-Rechtliche

Bei der Verleihung der Negativ-Auszeichnung "Goldener Hademar" kommen alle Preisträger aus den Reihen der ARD. Das Wirtschaftsblog BooCompany, selbsterklärter "führender Anbieter für exitorientierte Unternehmensmeldungen", hatte die Preise zu "Ehren" des im Juli über einen Schleichwerbeskandal gestolperten WDR-Gesundheitsexperten Hademar Bankhofer erstmals verliehen.

Bankhofer war im Sommer von zwei Bloggern Schleichwerbung nachgewiesen worden. Der wohl bekannteste Ernährungsberater Deutschlands hatte regelmäßig Werbesprüche für diverse Pharmaunternehmen in seine Fernsehsendungen eingeschmuggelt. Sein Sender, der Westdeutsche Rundfunk, warf den Österreicher nach bekannt werden der Vorwürfe raus.

Trotzdem gehen gleich zwei der "Auszeichnungen" in diesem Fall an Senderverantwortliche. BooCompany-Macherin lanu wirft dem Intendanten des Hessischen Rundfunks, Dr. Helmut Reitze, und Hanno Frings, dem ARD-Verantwortlichen für das "Morgenmagazin", vor, dass sie auch nach Bankhofers Rauswurf eine Stellungnahme zu dem Fall verweigern. So hatte Reitze zwar den Onlineauftritt seines Senders von Bankhofer-Schleichwerbung reinigen lassen, will sich dazu aber nicht äußern.

Der dritte Preisträger ist Wolfgang Utz, Sprecher des SWR. Er wurde dafür ausgezeichnet, dass er "seit Wochen auf der Suche nach einer Antwort seines Partners Europcar ist", wie lanu schreibt. BooCompany hatte im August ein internes Dokument des Autovermieters aufgedeckt. Daraus wird deutlich, dass das Unternehmen mit seiner Teilnahme an der Sendung "Die Jobagenten" nicht an einem neuen Mitarbeiter interessiert war, wie von der Doku-Soap dargestellt - sondern an einer "innovativen Personalmarketingmaßnahme".

Auch wenn die BooCompany-Auszeichnung nur bedingt ernst zu nehmen ist, zeigt sie ein schwerwiegendes Problem in der deutschen Medienwirtschaft auf. Während etwa in den USA "Product Placement" legal und üblich ist, wird in Deutschland vorgeblich streng darüber gewacht, dass Werbung nur an gekennzeichneter Stelle vorkommt. Tatsächlich kommt es jedoch immer wieder zu Verstößen.

Einen weiteren preiswürdigen Vorfall etwa deckte der Medienjournalist und Blogger Stefan Niggemeier Anfang September auf, als er die Pressemeldung einer PR-Agentur veröffentlichte. Darin brüstet sich das Unternehmen "foleys", wiederholt positive Berichte über die Sandwichkette "Subway" im Programm des Privatsenders Pro7 untergebracht zu haben.

Trotzdem ist Schleichwerbung bei weitem kein auf die Fernsehbranche beschränktes Problem. Auch das von Niggemeier mitbetriebene BILDblog etwa berichtet immer wieder über entsprechende Fälle in Deutschlands meistverbreiteter Tageszeitung. (Simon Columbus)

(via BooCompany)

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