gulli: Global Netcom: Handypayment vorläufig eingestellt

Anzeige

gulli:Toolbox

Voting

Worüber wollt ihr mehr News?
Netzwelt
Untergrund
Filesharing
Datenschutz
Hacking
Demoszene
Mobiles (Handy)
Linux
Feature (Gulli Glosse)
26. September 2005

Global Netcom Handypayment vorläufig eingestellt

Nicht nur der Dialer stirbt

Nach dem abzusehenden Ende des Dialers als Online - Paymentsystem wackelt eine weitere Zahlungsmethode im Netz. Nachdem bereits vor einiger Zeit mehrere Handy-Carrier aus dem Geschäft mit Bezahlinhalten im Netz ausgestiegen sind, meldet nach Mainpean, die aus "technischen Gründen" keine neuen Abos für Netzdienste mehr vertreiben, nun auch Global Netcom, das Handypayment ebenfalls zumindest vorläufig gestoppt zu haben. Die Auszahlungen an die Partner könnten inzwischen nicht mehr garantiert werden - die Partner, über die das Inkasso bei den Handy-Netzbetreibern eingefordert werden, haben die Auszahlung wegen diversen Schwierigkeiten eingestellt. Schon seit einiger Zeit werden durch die Handy-Carrier das Paymentsystem und vor allem die angebotenen Dienste in der Presse massiv kritisiert. Wir haben das Handypayment vorerst gestoppt, da uns durch die negative Presse die Carrier die Auszahlungen nicht garantieren können. Die bisher vertraglich vereinbarten Auszahlungen für September sind bei der Global Netcom noch nicht eingegangen. Rückerstattungen an Endkunden sind in der Diskussion, so Global Netcom gegenüber gulli.com.

Die Argumente gegen die Geschäftsmodelle sind aus Dialerzeiten bekannt - Seiten mit wenig oder nutzlosem Inhalt würden per Handy-Payment zugänglich gemacht, Angebote wie Spiele-, Klingelton- oder Referate- und Hausaufgabenseiten wenden sich hauptsächlich an Kinder und Jugendliche, die entsprechend unvorsichtig die teure SMS verschicken, ebenso seien die Preisgestaltung und die AGBs regelmäßig schwer zu durchschauen.

Die Situation bei den Carriern ist indessen widersprüchlich: die Netzbetreiber stellen Abodienste für Nicht-Onlinecontent nach wie vor in Rechnung. Beispielsweise aus Österreich seien überhaupt keine entsprechenden Probleme bekannt, so Global Netcom. Das Problem läge momentan hauptsächlich bei den Partnern, die das Billing mit den Providern regeln. Diese haben angesichts zahlreicher Problemfälle die Auszahlungen gestoppt. Im Fall von Global Netcom handelt es sich beim Billing-Partner um smsrechnung.de.

Global Netcom sieht vor allem zwei Hauptprobleme, die nun im Folgenden der Lösung bedürfen. So müssen die Tarife durchsichtiger und der Schutz der Kunden vor hohen Telefonrechnungen verbessert werden einerseits. Das Problem ist nicht die breite Masse. Das Problem sind Leute, die sich trotz Warn-SMS überschulden, so Global Netcom, denen beispielsweise der Fall eines Mädchens bekannt sei, welches sich bei drei verschiedenen Stadtplandiensten registriert hatte und die Warn-SMS über die anfallenden Kosten schlicht ignorierte. Am Ende stand eine Rechnung von über tausend Euro im Haus. Heute abend berichtet WISO über diesen Fall. Wir verschicken alle 10 Euro eine Warn-SMS an den Kunden, so das Statement Global Netcoms zur genannten Problematik, es sei nun die Frage, wie man solche Fälle noch besser vermeiden kann. Niemand habe ein Interesse an solchen hohen Rechnungen.

Das zweite große Problem sei der gebotene Content. Global Netcom habe bislang die Inhalte der Anbieter, die das Paymentsystem nutzen, nicht überprüft. Wenn ich das bei einem anfange, muss ich es bei allen machen, ein Aufwand, der für die Zukunft indessen als unvermeidbar betrachtet wird. So etwas wie vornamen.de kann es nicht mehr geben ... und ich bin nicht gegen Hausaufgaben, aber ich kann nicht 10 Euro am Tag dafür nehmen, für solche Angebote müsse man realistische Preisangebote finden, andere dürften in Zukunft bei Global Netcom nicht mehr akzeptiert werden.

Niemand zweifelt ernstlich an der Nützlichkeit von Paymentsystemen als solchen im Netz. Und auch Global Netcom berichtet, dass die große Masse der User auch die Handypayment - Angebote völlig problemlos nutzt - im Regelfall nähmen die Kunden die Bezahldienste durchaus wiederholt in Anspruch, und verschwänden erst nach mehreren Nutzungen wieder von der Kundenliste. Stornos gäbe es in der breiten Masse der Nutzer kaum, was ein Indiz dafür sei, dass das Abrechnungsmodell als solches durchaus funktioniert.

Bei einem Treffen aller Beteiligten - Handycarriern, Inkassodiensten, Paymentanbietern und Webmastern - solle nun diese Woche geklärt werden, wie entsprechende Dienste neu gestaltet werden müssen. Ziel sei einerseits die Schaffung von Tarif- und Preismodellen, die verständlich und akzeptabel seien. Ebenso müsse mit den Netzbetreibern eine Lösung in Bezug auf die Kunden gefunden werden, die sich trotz Warnungen Handyrechnungen weit im dreistelligen Eurobereich einhandeln: dies müsse in Zukunft effektiver verhindert werden. Auf welche Weise das geschieht, müsse man im Gespräch herausfinden. Am Ende sei das Handypayment noch nicht.

Weiterhin optimistisch stellt auch die Konkurrenz von Mainpean nach wie vor ihre Handypayment - Programme vor. Und bereits nach dem Abgesang auf den Dialer war Mainpeans lakonische Reaktion gegenüber gulli.com Selten so einen Schwachsinn gelesen.

Ob die bestehenden Probleme einer Branche, deren Angebote seit jeher einen nicht besonders guten Ruf genossen, mit den nun kommenden Klärungen behoben werden, bleibt offen. Dass sich die die Inhalteanbieter in Zukunft um eine höhere Qualität bemühen müssen, wenn sie denn auch Abrechnugspartner finden wollen, kann man begrüßen, ob die Branche so ihr Schmuddelimage loswird, darf man wohl trotz allem getrost bezweifeln.

Kommentare

© Copyright 2008 gulli.com  | home | sitemap | kontakt | impressum | Partner | downloads |