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09. Dezember 2007
Geschichte wird gemacht Was brachte die Woche #49? (mit Andreas Bogk vom CCC)Der Rückblick auf gulli.com, mit wechselnden Gesprächspartnern: dass Andreas Bogk vom Chaos Computer Club trotz bald anstehendem Chaos Communication Congress Zeit für die Antworten auf einige Fragen findet, freut besonders. Ehemals Vorstandsmitglied, tritt Andreas gewöhnlich als Experte des CCC in Erscheinung, zuletzt als einer der geladenen Sachverständigen zur Online-Durchsuchung beim Bundesverfassungsgericht. Andreas Bogk ist seit Jahren beim Andreas: Da waren zwei Sachen, über die ich mich gefreut habe: Zum einen war das die Nachricht, dass das US-Geheimdienst-Establishment beschlossen hat, daß noch mehr Krieg im Nahen Osten kein guter Plan ist, und dem Iran einen Stopp ihres Atomwaffenprogramms attestiert hat. Zum anderen war das die Meldung, daß deutlich mehr Väter als erwartet das neue Elterngeld in Anspruch nehmen - wir sind halt doch glücklicherweise keine Eva-Herrmann-Gesellschaft mehr. Korrupt: Und welche am meisten geärgert? Andreas: Das war sicherlich die Forderung der Innenministerkonferenz nach optischer Wohnraumüberwachung und präventivem Telefon-Abhören. Mich erinnerte das an einen alten Ost-Sci-Fi von Gert Prokop, in dem der Protagonist besondere Privilegien genoß: er konnte sich eine Wohnung leisten, die nur akustisch und nicht auch optisch überwacht wird. Und präventives Abhören würde Artikel 10 GG vollständig zur Makulatur machen. Korrupt: Schaut man die Kategorien deines
Andreas: Die Prioritäten wechseln, abhängig von äußeren Einflüssen. Ich bin Anhänger der Ideen Epikurs, dessen Philosophie die Erhöhung der Lebensfreude in den Mittelpunkt stellt. Das Idealbild ist dabei der Garten, in dem man sich mit Freunden zu Gesprächen trifft und sich den einfachen Freuden des Lebens hingibt. Und was den Epikureern die Philosophie war, das ist für mich das Hacking: Die Beschäftigung mit komplexen intellektuellen Sachverhalten aufgrund der puren Lust am Erkenntnisgewinn. Und der hedonistische Aspekt von Sex und Drogen sollte, wenn man diese nicht maßlos betreibt, auch offensichtlich sein. Die Politik kommt in dem Moment ins Spiel, in dem der Staat der Meinung ist, er hätte mir in meinen Garten hereinzureden, oder gar damit droht, ihn mir wegzunehmen. Ich bin nicht jemand, der Politik aus der Freude an der Macht oder ähnlichen Motiven betreibt, sondern ich handle aus der Notwendigkeit heraus, meine persönliche Freiheit verteidigen zu müssen. Korrupt: Kurz länger ausgeholt. Du wurdest als Experte ja bereits Ich muß der Legislative als eine der drei Säulen der Demokratie und der "Checks&Balances" in Deutschland leider Totalversagen attestieren. Ohne die Judikative wären wir in diesem Land schon ganz schön arm dran. Aber immerhin: wir haben eine Chance, etwas zu verändern, und wir sollten sie nutzen. Korrupt: Bis zum CCC-Congress in Berlin ists nicht mehr lang. Ganz grob gefragt: warum sollte man auch dieses Jahr hin, wie ist der Stand der Vorbereitungen, und ist die Club Mate-Versorgung sichergestellt? Korrupt: Die letzten CCC-Congresse hatte ich überwiegend als extrem anregende Veranstaltungen mit feiner Stimmung in Erinnerung. Seitdem hatten wir die Komplettüberwachung von Andrej, eine SEK-Stürmung des Hauses eines Papstkritikers, massive Repressionen gegen Mitglieder des Erwerbslosenforums, und das sind wohl nur die krassesten Fälle staatlicher Repression gegen Bürger. Andreas: Es ist schon deutlich zu bemerken, daß seitens der Staatsmacht eine Strategie betrieben wird, die jedem Einzelnen das Gefühl vermitteln soll, es könne jederzeit auch ihn erwischen. Wir haben es hier mit dem Prinzip des Panoptikums zu tun: Man muß gar nicht jeden überwachen, sondern es reicht aus, das Bewußtsein zu vermitteln, daß man jederzeit überwacht werden könnte, und schon wird der Einzelne sich brav selbst kontrollieren. Das ist Strategie und Absicht, und das, was das Wort "Präventivstaat" beschreibt. Was die Präsenz von Behörden auf dem Congress angeht, sollte man sich keinerlei Illusionen hingeben. BND, BKA und Verfassungschutz sind genauso vertreten wie die militärischen Geheimdienste, und auch die internationalen Kollegen schauen gerne bei uns vorbei. Inoffiziell natürlich. Offiziell hatten wir schon des öfteren Besuch durch das LKA. Die sind aber durchaus in der Lage, zwischen einem Defacement und echtem Schaden zu unterscheiden, und letzteres ist uns zum Glück auch bislang erspart geblieben. Trotzdem ist es natürlich sinnvoll, da keine Angriffsfläche zu bieten und sich das Posen zu sparen. Als Beispiel sei hier die Auseinandersetzung mit der Musikindustrie genannt. Das ist ein Kulturkampf, den wir eigentlich schon gewonnen haben: Madonna hat von einem Plattenlabel zu einem Konzertveranstalter gewechselt, namhafte Bands fangen an, ihre Musik direkt als MP3 zu veröffentlichen, da hat eine Entwicklung ihren Lauf genommen, die nicht mehr zu stoppen ist. Und die Musikindustrie ist zwar im Vergleich zu den Regierungen und Großkonzernen dieses Planeten eher ein Sparringspartner, aber nichtsdestotrotz haben die Zeiten sich geändert. Das Internet im Allgemeinen und Blogs im Besonderen haben die Medienlandschaft grundlegend geändert. Das Ausüben von Macht besteht zu einem großen Teil in der Kontrolle von Meinungen, und wir haben da einen Hebel, den es früher schlicht und ergreifend nicht gab. Wir haben eine Chance, die Gesellschaft zum Wohle aller zu gestalten, und es ist unsere Pflicht und Schuldigkeit, diese Chance auch zu nutzen. Verwandte News
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