Der Rückblick auf gulli.com, mit wechselnden Gesprächspartnern: Aus gegebenem Anlass sprach gulli.com mit Markus Beckedahl von netzpolitik.org, unter anderem einer der Mirwirkenden bei der Demonstration "Freiheit statt Angst". Zum kurzen Aussetzer: Woche 38 wird demnächst mit der kanadischen Perspektive in allgemeinerem Rahmen nachgeholt.
Bei
netzpolitik.org, als Gründer von
newthinking communications, Engagement im
Netzwerk Neue Medien und einigen anderen Organisationen und Bündnissen, als Veranstalter der
re:publica-Konferenz nun als Redner auf der Freiheit statt Angst - Markus ist einer der umtriebigeren Leute im Netz, umso mehr freut, dass für das folgende Gespräch Zeit genug war.
Markus: Mich hat am meisten gefreut, dass 15.000 Menschen mit uns in Berlin gegen mehr Überwachung und für mehr Datenschutz und Freiheit demonstriert haben. Das war damit die grösste Demonstration für diese Themen seit der Volkszählung vor 20 Jahren.
Korrupt: Und welche am meisten geärgert?
Markus: Das offensichtliche Desinteresse der Medien an dem Thema und der grossen Demonstration, sowie die falsche Berichterstattung der Nachrichtenagenturen, vor allem ddp, zur Demonstration.
Korrupt: Die Themen Online-Durchsuchung, Terroristenmermittlung und Netzzensur sind lebendig wie eh und je, du wirst diesbezüglich öfter als Experte angefragt, und die Statements aus der Politik werden nicht klüger. Wie erklärst du dir, dass nach Wochen der Zerlegung unsinniger Vorstellungen und Statements da noch immer nie umsetzbare Forderungen gestellt und als notwendig dargestellt werden?
Markus: Das ist Macht-Politik. Die Union treibt die SPD mit Radikalforderungen vor sich her, um mindestens die harten Forderungen durchzusetzen. Und die SPD lässt sich lieber treiben als klar Grenzen beim Abbau von Grundrechten zu setzen. Für mich sind damit beide Parteien unwählbar.
Korrupt: 15k Leute auf der Demo, zunehmende (wenngleich gelegentlich falsche) Offline-Berichterstattung, Fernsehdokus zur Vorratsdatenspeicherung - haben wirs geschafft und die Netzthemen endlich in die Offlinewelt gebracht? Vor zwei, drei Jahren kriegte man zu nem "typischen" Netzthema allenfalls nen Flashmob zusammen und ne halbe Spalte im Lokalteil, heute ist es anders. Haben wir nen Grund zum Feiern, oder vor allem einen zum weiter Öffentlichkeit machen?
Markus: Wir haben vor allem in den letzten ein bis zwei Jahren viel an öffentlicher Wahrnehmung rund um das Thema Netzpolitik erreicht. Aber von einem Grund zu feiern würde ich noch nicht sprechen, dafür gibt es wenig Anlass. Das Thema ist immer noch ein Randthema in der Gesellschaft und in den grossen Medien, aber weniger als vor wenigen Jahren. Im Moment werden uns eine Menge Freiheiten genommen, was wir derzeit leider nicht wirklich ändern können. Politik wird immer noch von alten Menschen gemacht, die nicht im Netz angekommen sind und mehr Angst vor den neuen unbekannten sozialen Räumen haben, als die Chancen und Freiheiten für die junge Generation zu sehen – und diese beim Aufbruch in die digitale Gesellschaft zu unterstützen. Ich beschreibe unsere 'Bewegung' gerne mit der Geschichte der Umweltbewegung. Die haben auch klein angefangen. Wir sind vielleicht dort, wo die Umweltbewegung in den 70er stand. Aber wir haben heute viel mächtigere digitale Werkzeuge, um Öffentlichkeiten zu schaffen und uns zu organisieren. Wir haben aber Grund zu feiern, dass sehr viele junge Menschen politisiert werden und diese sich vernetzen und tatsächlich organisieren. Darauf können wir aufbauen und die entstehenden Infrastrukturen und Netzwerke effektiver für Öffentlichkeitsarbeit nutzen.
Korrupt: Einer der Lacher letzte Woche war sicher der
DVD-rippende Sonyvize. Du fragst rhetorisch "Warum schützen dann Unternehmen wie Sony ihre DVDs mit Kopierschutz, wenn diesen die eigenen hohen Mitarbeiter brechen? Warum setzen sich diese Unternehmen für schäfere Gesetze ein, um die eigenen Kunden zu kriminalisieren, die das auch gerne tun wollen?" Magst rhetorisch antworten?
Markus: Da versuchen Unternehmen und Industrien ihre alten Geschäftsmodelle zu schützen, anstatt die veränderten Rahmenbedingungen zu realisieren, mutig neue Wege zu gehen und neue gesellschaftliche Realitäten anzuerkennen. Wenn es nicht so Ernst wäre, diese Unternehmen und Industrien nicht so mächtig wären und die Gesetze unsere Kultur so gefährden würde, könnte man ihnen eigentlich viel Spass beim Untergang wünschen.
Korrupt: Wenn wir grade bei den heiteren Sachen sind: man gewinnt nicht den Eindruck, dass dir in der letzten Zeit je langweilig war, du setzt dich mit einigen frustrierenden und verunsichernden Themenfeldern schon lange auseinander, machst aber munter weiter und, trifft man dich auf den einschlägigen Events, erfreust dich eines heiteren Gemüts. Kann ich auch was von den Drogen abhaben, oder wie schaffst du es, angesichts der aktuellen Lage motiviert und engagiert zu bleiben und dabei auch Spass zu haben? Was rätst du den gelegentlich frustrierten Zeitgenossen?
Markus: Man darf das ganze nicht so Ernst nehmen, dann kann man seinen Spass auch behalten. Viele denken, man könnte und müsste die ganze Welt recht schnell verändern. Aber das dauert leider länger als gedacht. Man sollte daher die Motivation nicht verlieren und nicht gegen Windmühlen ankämpfen. Ich hab vor allem Spass, weil ich viele Dinge mache, die ich sehr gerne tue. Und das vernetzt mit vielen netten Menschen, die ähnlich denken. Ausserdem ist es schön, wenn man andere Menschen motivieren kann, sich auch für unsere digitalen Rechte einzusetzen.
Korrupt: Dazu passend: Warum kommen demnächst zweifellos bessere Zeiten?
Markus: Früher oder später gehen ganze Politiker-Generationen in Rente, die einfach schlechte Rahmenbedingungen für die digitale Welt schaffen. Das liegt auch daran, dass sie nicht verstehen, was da Neues im Netz heranwächst und wie sich Kommunikation, Gesellschaft und Kultur dadurch verändern. Ich hoffe, dass die nächsten Politiker-Generationen medienkompetenter sind, und das Netz viel mehr in ihr Leben integrieren. Das schafft vielleicht bessere Gesetze. Ausserdem werden wir immer mehr und eine immer lautere Stimme in der Gesellschaft um Freiheiten wieder einzufordern, die uns jetzt genommen werden.
Korrupt: Dann bedank ich mich fürs Antworten und den hoffnungsfrohen Zukunftsausblick am Sonntag Mittag.
Der Rückblick auf gulli.com, mit wechselnden Gesprächspartnern: Aus gegebenem Anlass sprach gulli.com mit Markus Beckedahl von netzpolitik.org, unter anderem einer der Mirwirkenden bei der Demonstration "Freiheit statt Angst". Zum kurzen Aussetzer: Woche 38 wird demnächst mit der kanadischen Perspektive in allgemeinerem Rahmen nachgeholt. Bei netzpolitik.org, als Gründer von newthinking communications, Engagement im Netzwerk Neue ...
keine Atempause Zitat: Zitat von Korrupt Geschichte wird gemacht es geht voran
Zitat: Markus: Da versuchen Unternehmen und Industrien ihre alten Geschäftsmodelle zu schützen, anstatt die veränderten Rahmenbedingungen zu realisieren, mutig neue Wege zu gehen und neue gesellschaftliche Realitäten anzuerkennen. Wenn es nicht so Ernst wäre, diese Unternehmen und Industrien nicht so mächtig wären und die Gesetze unsere Kultur so gefährden würde, könnte man ihnen eigentlich viel Spass beim Untergang ...
oh man was für ein artikel .... leute warum redet ihr euch immer wieder ein dass eure demo mit 15.000 leuten ein erfolg war ? liegt realitätsfremd....... zum datenschutz gab es in den letzen jahren keine proteste weil a wir bis zum anfang der 90er ganz andere sorgen hatten, b bis vor kurzem es keine großen änderungen gab. weiterführend würde ich etwas vorsichtiger sein, die letzten news gehen stark in richtung parteiische ...